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Artikel | saldo 01/2010

Sinkende Wechselkurse fressen Rendite weg

Viele Privatanleger unterschätzen den Einfluss von Wechselkursentwicklungen auf die Rendite ihrer Anlagen. Besonders hoch ist das Währungsrisiko bei scheinbar sicheren Anleihen in Fremdwährungen.

Das Renditeversprechen klang verführerisch: ein Zins von 6,375 Prozent jährlich. Kleinanleger Franz L. liess sich von seiner Zürcher Regionalbank überzeugen, dass es sich bei den Obligationen der Entwicklungsbank des Europarates um eine sichere und rentable Anlage handelt. Nur am Rande erwähnt hat der Bankberater, dass die Anleihe ein erhebliches Wechselkursrisiko birgt, da in britische Pfund investiert wird.

Im November 2006 hat Franz L. zu einem Wechselkurs von 2.36 für 13000 Pfund Obligationen gekauft. Zusammen mit Courtage und Abgaben bezahlte er dafür insgesamt Fr. 32582.55. Im Gefolge der Finanzkrise büsste das britische Pfund massiv an Wert ein und erreichte Anfang 2009 noch einen Kurs von 1.52 gegenüber dem Schweizer Franken.

Inzwischen hat sich das Pfund zwar wieder etwas erholt und liegt aktuell bei 1.65, dennoch wird die Anlage für Franz L. zum Verlustgeschäft. Angenommen, der Wechselkurs befindet sich am 6. Oktober dieses Jahres, dem Verfalldatum der Obligationen, auf derselben Höhe wie jetzt, werden ihm noch 21450 Franken von seinem investierten Kapital ausbezahlt. Auch unter Berücksichtigung der Zinsen von voraussichtlich total 6300 Franken bleibt ein Verlust von über 4800 Franken bestehen – oder fast 15 Prozent.


Starker Wertverlust auch beim neuseeländischen Dollar

Auch saldo-Leserin Sarah T. ist mit Obligationen in Fremdwährungen auf die Nase gefallen. Im September 2005 kaufte sie von der Bank Nederlandse Gemeenten für Fr. 27399.45 (inklusive Courtagen und Abgaben) Obligationen in neuseeländischen Dollar. Die Verzinsung von 6,25 Prozent erschien ihr sehr attraktiv. Weil aber auch diese Währung stark an Wert verlor, wurden ihr zum Fälligkeitstermin im letzten Juli nur noch 20856 Franken erstattet. Natürlich sind während der vierjährigen Laufzeit auch Zinsen von insgesamt Fr. 5840.10 zusammengekommen.

Diese vermögen aber die Währungsverluste nicht auszugleichen. Unter dem Strich bleibt für die Anlegerin ein Minus von Fr. 703.35. «Viele Anleger lassen sich bei Obligationen in Fremdwährungen vom hohen Coupon locken und holen sich kalte Füsse», weiss Florian Schubiger, Mitinhaber der Vermögenspartner AG, aus Erfahrung. Anleihen ausländischer Schuldner mit guter Bonität sind eigentlich sichere Anlagen, aber das Währungsrisiko wird oft unterschätzt. Seit Ende 2007 haben alle grösseren Währungen – ausser dem Yen – gegenüber dem Schweizer Franken deutlich an Boden verloren. So frassen die Währungsverluste in vielen Fällen die hohen Zinsen mehr als weg.


Risiken für Schweizer Anleger aufgrund des starken Frankens gross

Währungsrisiken bestehen bei allen Anlagen, deren effektive Investitionswährung nicht der Schweizer Franken ist. Bei Obligationen können sich Währungseffekte aber besonders verheerend auswirken, weil der Zins fix ist und während der Laufzeit nicht auf Schwankungen der Anlagewährung reagiert. Auch bei Obligationen gilt: Ein höherer Zins ist immer auch Ausdruck eines höheren Risikos. Es gibt zwar Anleihen, bei denen sich das Wechselkursrisiko absichern lässt, aber das ist derart teuer, dass man besser von Anfang an in Obligationen in Schweizer Franken investiert. Zehnjährige Bundesobligationen werfen immerhin rund 2 Prozent Rendite ab.

Freilich können Fremdwährungen gegenüber dem Schweizer Franken auch erstarken, was für Schweizer Anleger in ausländische Obligationen einen Zusatzgewinn bedeuten kann. Die Chancen auf solche Gewinne schätzt Rolf Biland, Anlagechef beim VZ Vermögenszentrum, aber als eher gering ein. «Der Schweizer Franken gehörte in den letzten 30 Jahren zu den stärksten Währungen überhaupt. Man geht damit vor allem Währungsrisiken ein.»

Die Währungsschwankungen der letzten beiden Jahre waren aber auch im historischen Vergleich extrem. Es bestehen Anzeichen, dass sich manche Fremdwährungen gegenüber dem Schweizer Franken wieder erholen. Der australische und neuseeländische Dollar zum Beispiel sind bereits wieder deutlich über ihren Tiefstständen von Anfang 2009.

Wer abgestürzte Fremdwährungsobligationen besitzt, die demnächst auslaufen, und mit einer Erholung der Währung rechnet, kann auf den Wechsel in Schweizer Franken verzichten und sich den Investitionsbetrag auf ein Fremdwährungskonto auszahlen lassen. Dort kann er das Geld parkieren oder es in neue Fremdwährungsanlagen investieren. Für ein Fremdwährungskonto verrechnet Raiffeisen pro Jahr 8 Franken, Credit Suisse und UBS 36 Franken, die ZKB gar nichts (ausser Euro-Konto).


Euro gilt gegenüber dem Schweizer Franken als relativ stabil

Wie sich die Wechselkurse entwickeln, kann niemand verlässlich prognostizieren. Wer neu in Fremdwährungsobligationen investiert, tut dies aber mit Vorteil in Euro. Die grossen Euroländer sind wirtschaftlich eng mit der Schweiz verknüpft, weshalb die beiden Währungen nicht allzu stark auseinanderdriften dürften.


Anlagen: Absicherung von Währungsrisiken

Jeder Anleger, der nicht nur in Schweizer Wertschriften investiert, geht gewisse Währungsrisiken ein. Offensichtlich ist das Risiko bei Anlagen, die in Fremdwährungen gehandelt werden. Aber selbst ein in Schweizer Franken geführter Aktienfonds kann ein Währungsrisiko enthalten. Bei Investitionen in Rohstoff-Aktien oder -Fonds besteht immer ein Währungsrisiko, da Rohstoffe weltweit in US-Dollar gehandelt werden.

Währungsrisiken von Anlagen lassen sich mit Hilfe von gegenläufigen Währungsspekulationen absichern. «Das ist für Privatanleger aber zu teuer und zu kompliziert», sagt Rolf Biland vom VZ Vermögenszentrum. Wer die Währungsrisiken ausschliessen möchte, sucht sich besser einen Fonds mit Währungsabsicherung (Hedge).

Im Faktenblatt von Fonds ist vermerkt, ob eine Absicherung vorhanden ist. Auch Gold-ETFs werden neu mit Hedge angeboten. Die Absicherungskosten ergeben sich aus den Zinsdifferenzen der involvierten Währungen und wechseln ständig. Da die Zinsen von US-Dollar und Schweizer Franken zurzeit sehr nah beieinander liegen, ist die Absicherung günstig. Die ZKB etwa verlangt für den Hedge ihres Gold-ETFs aktuell 0,05 Prozent pro Monat. In der Vergangenheit waren es bis zu 3 Prozent jährlich.

18. Januar 2010 | Thomas Lattmann, Redaktion saldo


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