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Wie kommt es, dass Fondsanteile «nur» 15,7 Prozent an Wert verlieren – mit der Investition aber 38,9 Prozent Verlust eingefahren wurde? Fragen Sie Ihre Versicherung.
Böse Zungen pflegen zu scherzen: Gewisse Finanzinstrumente hat man erst dann wirklich verstanden, wenn man mit ihnen Geld verloren hat. Diese bittere Erfahrung musste auch François Leu aus Evilard BE machen. Er hatte im November 1999 «dummerweise» der Swiss Life Fr. 50‘000.– anvertraut, wie er es formuliert. Genau zehn Jahre später erhielt er für seine Einmaleinlage nur Fr. 41 938.– ausgezahlt – ein Verlust von 16,1 Prozent.
«Ich wollte mein Geld sinvoll anlegen»
Leu hatte eine fondsgebundene Lebensversicherung mit dem schwungvollen Namen «Temperament» abgeschlossen. «Ich wollte mein Geld sinnvoll anlegen», erinnert sich Leu. «Doch dieser Schuss ging nach hinten los.» Sein Geld war in einen Swiss-Life-Anlagefonds namens Global Balanced investiert. Während der zehnjährigen Anlagedauer gab es zwei Börsenabstürze. Als Leu einstieg, kostete ein Fondsanteil Fr. 102.55. Bei Ablauf im November 2009 waren seine Fondsanteile noch je Fr. 96.66 wert. Das ist ein Minus von 5,7 Prozent. Diese Einbusse geht also auf Kosten der negativen Börsenentwicklung.
Doch wie kommt es, dass Leu auf seinem Geld volle 16,1 Prozent verlor? Schuld sind die Kosten, die Swiss Life von Leus Geld für sich abgezwackt hat. Darunter sind «Dossiererstellungskosten», «Risikoprüfungskosten», «Werbe- und Marketingkosten» sowie «Provisionskosten». Den genauen Betrag für die einzelnen Posten wollte Swiss Life nicht nennen. Ins Gewicht fällt bei solchen Sparpolicen der Versicherungsschutz. Konkret: Wäre Leu während der zehnjährigen Vertragsdauer gestorben, hätte seine Frau Fr. 70 237.– bar auf die Hand erhalten.
Die Krux mit dem Versicherungsschutz
«Diesen Schutz wollte ich gar nicht», betont Leu. Er ist aber bei Sparversicherungen immer zwingend dabei. Viele Sparer zahlen damit eine unnötige Risikodeckung. Leu wurde damit auch noch Opfer eines hässlichen Mechanismus, der bei fondsgebundenen Einmaleinlagen spielt: Wenn die Börse abstürzt und deshalb der Wert der Fondsanteile während der Laufzeit erodiert, wird der erwähnte Versicherungsschutz automatisch teurer. «Das war mir nicht bewusst», sagt Leu.
Wie brutal sich dieser Effekt auswirken kann, zeigt das Beispiel von Kurt Schatzmann aus Flawil SG. Er hatte ebenfalls im November 1999 Fr. 25'000.– ins «temperamentvolle» Swiss-Life-Produkt eingezahlt. Zehn Jahre später erhielt er nur gerade Fr. 15 286.– ausgezahlt. Seine Ersparnisse waren in einem stark aktienlastigen Fonds angelegt. Diese Anteile verloren von November 1999 bis November 2009 15,7 Prozent an Wert. Schatzmanns Ersparnisse hingegen schmolzen wegen der Abzüge für die Kosten um 38,9 Prozent. Im Vergleich dazu hatte seine Frau Trudi geradezu Glück. Ihr «Temperament»-Abenteuer brachte im gleichen Zeitraum «nur» 11,1 Prozent Verlust.
Fazit: Investieren Sie Ihre Ersparnisse nicht in Produkte einer Versicherung, sondern – wenn überhaupt – in Bankprodukte. Was Sie dabei beachten müssen, steht im neuen K-Tipp-Ratgeber (siehe hier).
10. Januar 2010 | Ernst Meierhofer, Redaktion K-Tipp
