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Artikel | K-Tipp 01/2010

Aus Timesharing wird eine Klub-Mitgliedschaft

Alte Masche, neue Verpackung: Das bei Ferienwohnungen als Timesharing in Verruf geratene System macht wieder von sich reden – jetzt geschönt als «Ferienklub-Mitgliedschaft».

Ein junges Paar aus dem Glarnerland glaubte während seiner Ferien in Griechenland an einen einmaligen Glücksfall: Am Hafen von Rhodos drückt ihnen ein junger Holländer Karten für ein Gewinnspiel in die Hände. Auf einer der Karten rubbeln sie drei Palmen frei: «Sie haben gewonnen», frohlockt der Holländer. Was das Paar damals nicht wusste: Solche Spiele sind getürkt, hier gewinnt jeder.

Um an den Gewinn – ein Radio oder eine Videokamera sowie eine Woche «Gratis-Ferien» – zu kommen, müsse man höchstens 90 Minuten investieren und zu einer Ferienanlage fahren, verspricht der Holländer. In der Ferienanlage von Club Greece Resorts werden die beiden «Gewinner» von geschulten Verkäufern in Empfang genommen. Diese führen sie durch die prächtige Anlage des Clubs und versprechen ihnen günstige Ferien – in dieser und ähnlichen Anlagen auf der ganzen Welt. Bedingung: eine Probe-Mitgliedschaft bei Club Greece für 4080 Franken.

«Kein Timesharing – also kein Kauf eines Teilzeitwohnrechts an einem Ferienappartement. Das betonten sie immer wieder», erzählt das Paar. In der Mitgliedschaft sind drei Wochen Aufenthalte in «exklusiven Unterkünften» inbegriffen. Die erste Woche ist in einer Club-Greece-Anlage zu buchen, die restlichen zwei bucht man bei einer Firma namens RCI.


Keine Zeit zum Überlegen

Zeit zum Überlegen oder Nachrechnen wollen die Verkäufer nicht einräumen. Bei so vielen Interessenten sei dies nicht möglich, heisst es. Die zwei jungen Glarner unterschreiben Hals über Kopf einen Vertrag und machen eine Anzahlung. Zuhause angekommen, überweisen sie den Rest des Geldes. Die Masche mit einer solchen Mitgliedschaft ist dieselbe wie beim Timesharing: Hier kauft man ein ein- oder mehrwöchiges Wohnrecht pro Jahr in einem Appartement. Meist sind diese Ferien deutlich teurer als eine Pauschalreise in einer vergleichbaren Unterkunft.

Im Fall der jungen Glarner kostet eine Woche Aufenthalt 1360 Franken (ohne evtl. Nebenkosten wie Strom und Reinigung). Laut Vertrag werden sie ihre erste Ferienwoche wahrscheinlich in der Anlage «The Village Heights Golf Resort» in Chersonissos (Kreta) verbringen müssen. Mit Flug und Transfer vom Flughafen steigt der Preis im günstigsten Fall auf rund 2200 Franken. Für dieses Geld bekämen sie beim Reisebüro Tui eine Woche im Fünfsterne-Hotel Creta Maris. Es liegt im Städtchen und direkt am Meer (Abflug 3.7.2010, gebucht am 26.11.2009) –  im Gegensatz zum Club Greece.


Verträge ohne Rücktrittsrecht

In den Club-Greece-Verträgen, die dem K-Tipp vorliegen, wimmelt es von Fallstricken. Unter anderem haben die Mitglieder keine Gewähr, ihre Ferien zum Wunsch-Zeitpunkt und in einer bestimmten Anlage buchen zu können. Auch um- oder kurzfristig buchen ist kaum möglich. Zudem ist ein Ausstieg ohne finanzielle Einbussen unmöglich, weil kein Rücktrittsrecht eingeräumt wird. Und wie Club-Greece-Urlauber im Internet berichten, versuchen die Verkäufer ihre Probemitglieder zu einer langjährigen Vollmitgliedschaft zu überreden. Kostenpunkt: ab 18‘000 Franken.

Tipps: Unterschreiben Sie keinesfalls Anträge auf eine Ferienclub-Mitgliedschaft. Vergleichen Sie, ob normale Ferien in einem vergleichbaren Hotel nicht günstiger sind. Und denken Sie daran: Wenn Sie unterschrieben haben, sind allfällige Ferienverschiebungen praktisch unmöglich. Für Clubmitgliedschaften, die weniger als 36 Monate dauern, gibt es in der EU kein Widerrufsrecht.

10. Januar 2010 | Darko Cetojevic, Redaktion K-Tipp


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