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Die künstlichen Vitamine in Fruchtsäften sind oft massiv überdosiert. Das kann ungesund sein.
Viele Leute greifen im Winter zu Multivitaminsäften, weil sie glauben, dass dies besonders gesund ist. Denn die verschiedenen Früchte auf der Verpackung erwecken den Eindruck eines hochwertigen Nahrungsmittels. Aber: Die Annahme «viele Früchte liefern viele Vitamine» hat leider einen Haken: Die Säfte sind nicht frisch gepresst, sondern nur mit Wasser verdünnte Konzentrate. Die Vitamine darin stammen aus der Fabrik – und nicht aus den Früchten.
saldo wollte wissen, wie viele Vitamine tatsächlich in den Säften stecken, und hat zwölf Multivitamingetränke im Labor analysieren lassen: zehn Fruchtsäfte und zwei Nektare. Multi Pur von Beutelsbacher ist der einzige Saft, der direkt aus den gepressten Früchten stammt. Alle übrigen Getränke werden aus Saftkonzentrat hergestellt. Die beiden Nektare M-Budget und Michel Bodyguard sind obendrein gesüsst.
Das Labor prüfte den Gehalt an Betakarotin und den Vitaminen C und E und verglich das Ergebnis mit der Deklaration auf den Verpackungen. Zudem beurteilten die Experten Geschmack, Geruch und Aussehen der Säfte. Schliesslich hat saldo berechnet, ob man nach dem Trinken von 3 Deziliter Saft bereits die empfohlene Tagesdosis an Vitaminen überschreitet.
Deklaration: In keinem Fruchtsaft ist drin, was draufsteht
Resultat der Untersuchung: Die Vitamin-Mengenangaben auf den Packungen stimmen praktisch nie. Bei keinem Saft ist das drin, was die Hersteller draufschreiben. Massive Überdosierungen sind die Regel. Und bei neun der zwölf Säfte hat man bereits mit einem Glas die Tagesdosis von einem oder mehreren Vitaminen überschritten. Nur bei drei Produkten besteht diese Gefahr nicht: Beutelsbacher Multi Pur, Coop Multivitaminsaft und Vitafit Multivitamin. Am besten schneidet der Biosaft Multi Pur von Beutelsbacher ab. Er enthält nur natürliche Vitamine aus den Früchten selbst und sein Geschmack stimmt.
Es ist weitgehend den Herstellern überlassen, wie hoch sie die Vitamine dosieren. Das Gesetz macht nur grobe Vorgaben. So muss zum Beispiel nur garantiert sein, dass am Ende der Haltbarkeitsfrist in einem Deziliter mindestens 15 Prozent des Tagesbedarfs stecken. Erlaubt sind Überdosierungen von bis zu 300 Prozent. Das Beispiel Betakarotin zeigt, dass angereicherte Lebensmittel nicht ungefährlich sind. Raucher haben ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko, wenn sie regelmässig grössere Mengen isoliertes Betakarotin zu sich nehmen. Auch bei anderen Vitaminen können zu grosse Mengen komplett andere Wirkungen haben als erhofft, wie ETH-Ernährungswissenschafter Paolo Colombani erklärt: «Studien haben gezeigt, dass die Vitamine das Krankheitsrisiko erhöhen können – statt vorbeugend zu wirken.»
«Angereicherte Nahrungsmittel sind überflüssig»
Natürliche Lebensmittel lassen sich nicht durch Nahrungsmittel mit Vitaminzusatz ersetzen, weil die Wirkung laut Colombani von der Gesamtheit der Stoffe ausgeht, nicht von wenigen Vitaminen. Er hält angereicherte Nahrungsmittel für überflüssig: «Bei einer nur halbwegs abwechslungsreichen Lebensmittelwahl kommt man auf genug Nährstoffmengen.»
saldo hat die Safthersteller mit den Ergebnissen konfrontiert. Viele machen geltend, die Überdosierung sei notwendig, um dem Abbau der Vitamine während der Lagerung entgegenzuwirken. Ramseier reagierte umgehend. Laut Qualitätsmanagerin Barla Fetz wurde der Gehalt an Betakarotin reduziert. Auch Ina Wantulla von Eckes-Granini verspricht, dass der Betakarotin-Gehalt von Granini und Hohes C gesenkt und in Zukunft korrekt deklariert werde.
Vitamine: Funktion und Vorkommen
Diese Vitamine hat das Labor GfL Gesellschaft für Lebensmittelforschung in Berlin im Auftrag von saldo in den Multivitaminsäften analysiert:
Alle drei Vitamine gelten als Antioxidantien, weil sie in der Lage sind, die Oxidation von Molekülen zu verhindern. Sie sind wichtig für die Erhaltung und Funktion der Zellen.
29. November 2009 | Jeannette Büchel, Redaktion K-Tipp/saldo
