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Artikel | saldo 20/2009

Zu wenig Impfstoff gegen die saisonale Grippe

Absurd: Gegen die relativ harmlose Schweinegrippe hat die Schweiz 13 Millionen Impfdosen gekauft. Impfstoff gegen die viel gefährlichere saisonale Grippe gibt es aber nicht mehr.

Seit mehreren Jahren lässt sich der 71-jährige Franz L. im Herbst gegen die saisonale Grippe impfen. Am diesjährigen Grippeimpftag konnte sich Franz L. nicht pieksen lassen, weil er nach einer Entzündung das Medikament Cortison einnehmen musste. Als er aber eine Woche später seinen Hausarzt in Elgg ZH aufsuchte, um die Impfung nachzuholen, hatte dieser keinen Impfstoff mehr. Mehr Glück hatte Petra S. bei ihrem Arzt in Untersiggenthal AG: Er verabreichte ihr Mitte November die Impfung gegen die saisonale Grippe – es war seine allerletzte Dosis.

Inzwischen dürften in der Schweiz praktisch alle rund 1,3 Millionen Impfdosen gegen die saisonale Grippe aufgebraucht sein, wie das Bundesamt für Gesundheit bestätigt. Nur mit Glück findet man noch einen Arzt mit Rest-Impfdosen. Umgekehrt gibt es massenhaft vom Impfstoff gegen das Schweinegrippe-Virus H1N1: Für 84 Millionen Franken hat der Bund 13 Millionen Impfdosen gekauft – die Schweiz hat 7,7 Millionen Einwohner.

Es ist absurd: Gegen die in der Regel harmlos verlaufende Schweinegrippe verfügen die Ärzte über grosse Impfstoffvorräte. Aber gegen die gefährlichere saisonale Grippewelle, die voraussichtlich diesen oder nächsten Monat die Schweiz erreicht, findet sich so gut wie kein Impfstoff mehr.

Die Aufregung um die Schweinegrippe ist statistisch nicht nachvollziehbar. In den USA, wo die Schweinegrippe den Höchststand erreicht hat, sind zwar bisher über 1000 Tote zu beklagen. Bei normalen Grippewellen sterben dort aber im Schnitt 36000 Menschen. Die Schweiz verzeichnet bisher laut BAG vier Schweinegrippe-Tote. Zum Vergleich: Während der letzten Welle der normalen GrippeAnfang dieses Jahres zählte allein Zürich laut Stadtarzt Albert Wettstein drei bis vier Grippetote pro Tag. Der normalen Grippe fallen – je nach Saison – zwischen 400 und 1000 Menschen zum Opfer.


Novartis: Produktion für H1N1-Impfstoff hat Vorrang

Neuen Impfstoff gegen die normale Grippe gibt es diese Saison nicht mehr, sagt Marc Müller, Präsident des Berufsverbandes der Hausärzte: «Auf Wunsch der Politik wurden die Produktionsreihen vom Impfstoff gegen die saisonale Grippe auf Schweinegrippe umgestellt. Daher ist die Produktion geringer ausgefallen.» Novartis bestätigt, dass die Produktionsanlagen für Impfstoff gegen die normale Grippe mit Hochdruck H1N1-Impfstoff herstellen. Eine Nachlieferung des saisonalen Impfstoffes plant Novartis nicht.


Glaxo Smith Kline: 10 Prozent weniger geliefert als bestellt

Auch Glaxo Smith Kline (GSK) stellt für die Schweiz Impfstoffe gegen beide Grippen her. Laut Sprecher Urs Kientsch hat GSK im Juni die Produktion des Impfstoffs gegen die saisonale Grippe abgeschlossen. Sie lieferte gegen 10 Prozent weniger Impfstoff aus als bestellt, weil sich einer der drei gezüchteten Virenstämme nur zögerlich vermehrte. «Normalerweise hätten wir die fehlende Menge nachproduziert, aber wir mussten unsere Anlagen auf den Pandemie-Impfstoff umstellen», sagt Kientsch.

Das Bundesamt verteidigt sein Vorgehen. Als im Frühling die Schweinegrippe aufgetaucht sei, habe niemand die Risiken der Krankheit einschätzen können, sagt Sprecherin Katrin Holenstein. Vorsorglich habe der Bund 13 Millionen Impfdosen bestellt, um alle Impfwilligen in der Schweiz zweimal behandeln zu können. Nun habe sich gezeigt, dass der H1N1-Impfstoff sehr wirksam sei, weshalb eine Dosis pro Person meist genüge.

29. November 2009 | Thomas Lattmann, Redaktion saldo


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Kommentare (1)

 
  • Nendaz | 06.12.2009, 15:07

    Zu wenig Impfstoffe,wer hat da gepfuscht ?

    Solange die Pharmalobby die entsprechenden Bundesämter und
    Behörden im Griff hat, werden wir wohl noch in den nächsten
    Jahre einige Millionen Nutzlos in Impfungen investieren.Weil man nicht
    wissen konnte.. wie schon bei der Vogelgrippe, wissen wohl nur die
    Pharmakonzerne, ob sie ins Geschäft einsteigen wollen. Es ist
    rentabler, den reichen Industrie-Ländern millionen von Impfungen
    anzudrehen und in Drittweltländern, wo die Bevölkerung wohl
    am ehesten unter der Schweinegrippe leidet, infolge geringer
    Gewinnmargen nichts zu investieren. Die Behörden werden da zu
    Durchlauferhitzern, ein gewisser Journalismus verbreitet Angst. Liebe
    Leute vom BAG, wir möchten gerne die
    Erkrankungsraten/Todesfallraten von Grippefällen (Schweine und
    gewöhnliche) endlich in unseren Tageszeitungen sehen(Vergleiche).
    Die einseitige Berichterstattungen über die H1N1-Grippe lassen
    das normale Grippevirus in der Realität verschwinden.Da soll es
    den Lesern wundern, warum im Juni (die Schweinegrippe breitet sich in
    Mexico aus) mit der Herstellung von Impfstoffen gegen die normale
    Grippe aufgehört wurde?
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