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Artikel | saldo 19/2009

Koffein – besser als sein Ruf

Zweieinhalb Tassen Kaffee trinkt der Schweizer im Schnitt pro Tag. Kaffee gehört zu den populärsten Drogen der Welt. Mässig genossen ist das Getränk mit der anregenden Wirkung gesund.

Die gute Nachricht für alle Kaffeeliebhaber: Koffein hat viele positive Auswirkungen. Es ist ein natürlicher Inhaltsstoff einiger Pflanzenarten, vor allem von Kaffee, Tee, Mate, Guarana, Kolanuss und Kakao. Koffein wirkt in erster Linie auf das Zentralnervensystem. Es regt die Herztätigkeit an, steigert den Blutdruck und die Körpertemperatur.


Welche positiven gesundheitlichen Folgen kann Koffein haben?

  • Der Stoff stimuliert die Muskeltätigkeit, erweitert Bronchien und Blutgefässe und regt die Verdauung an.
  • Koffein beseitigt Müdigkeit, steigert die Konzentrations- und Lernfähigkeit sowie die Leistungsbereitschaft.
  • Es kann sogar stimmungsaufhellend wirken.
  • Studien belegen, dass Koffein die Lungenfunktion bis zu vier Stunden nach der Zufuhr verbessert.
  • Dank der verengenden Wirkung des Koffeins an den Gehirngefässen kann der migränebedingte Kopfschmerz gebessert werden.
  • Massvoll genossen, können Inhaltsstoffe von Kaffee und Tee eine präventive Wirkung auf Blasenkrebs ausüben.
  • Untersuchungen weisen darauf hin, dass Koffeinkonsum das Risiko einer Parkinson-Erkrankung mindert.



Wie viel Koffein gilt als unbedenklich?
Nicht alle Menschen vertragen Koffein gleich gut. Grundsätzlich gelten rund 300 Milligramm Koffein pro Tag als unbedenklich. Das entspricht vier Tassen Kaffee aus der Maschine oder sieben Espressi (siehe Tabelle im pdf-Artikel). Schwangere und Patienten mit Schlaf- oder Herzrhythmus-Störungen sollten mit koffeinhaltigen Getränken sorgfältig umgehen. Bei Schwangeren werden nicht mehr als zwei Tassen Kaffee pro Tag empfohlen. Die tödliche Dosis von Koffein liegt bei Erwachsenen bei 10 Gramm. Dies entspricht 130 Kaffeetassen oder 250 Espressi – an einem Tag wohlgemerkt.


Welche negativen gesundheitlichen Folgen kann Koffein haben?

  • Eine erhöhte Koffeindosis kann zu unerwünschten stressähnlichen Symptomen führen.
  • Wer mehr als 300 Milligramm Koffein pro Tag zu sich nimmt und sich Koffein nicht gewohnt ist, muss mit depressiven Verstimmungen, motorischer Unruhe, Übelkeit, Erbrechen, Nervosität, Ängstlichkeit oder Schlafstörungen rechnen.
  • Empfindliche Personen können bei hohem Koffeinkonsum mit Herzrhythmus-Störungen reagieren.



Muss ich jeden Kaffee mit Wasser kompensieren?
Koffein wirkt harntreibend und gilt deshalb als «Flüssigkeitsräuber». Dies ist jedoch ein Irrtum, wie eine Studie von Medizinern in Nebraska ergeben hat. Zwar wirkt Kaffee tatsächlich entwässernd, allerdings nur die ersten zwei bis drei Stunden. Später spart der Körper dieses Wasser wieder ein, sodass der Wasserhaushalt insgesamt nicht abnimmt. Kaffee kann also zur Flüssigkeitszufuhr mitgerechnet werden und ist aus gesundheitlichen Gründen nicht mit einem zusätzlichen Glas Wasser zu kompensieren.


Wie lange hält die Koffein-Wirkung an?
Die maximale Koffeinkonzentration im Blut ist nach 20 bis 60 Minuten erreicht. Bis zu zwei Stunden lang hält sich der hohe Pegel. Dann beginnt der Abtransport und Abbau des Koffeins in der Leber. Die Hälfte des aufgenommenen Koffeins ist nach 3 bis 5 Stunden «entschärft». Der Abbauprozess verlängert sich bei Schwangeren und älteren Menschen sowie Leberkranken und Frauen, welche die Pille nehmen. Bei Rauchern dagegen beschleunigt er sich. Isst man etwas zu koffeinhaltigen Getränken, verzögert sich die Koffeinaufnahme.


Macht Koffein süchtig?
Koffein spricht im Gehirn keine für Sucht bekannten Regionen an. Auch treten keine für Alkohol oder andere Drogen typischen Reaktionen oder organische Schäden auf. Es gibt aber einen Gewöhnungseffekt. Ein plötzlicher Stopp von regelmässigem Koffeinkonsum kann zu Kopfschmerzen und Müdigkeit führen. Diese Symptome erreichen ihren Höhepunkt nach 20 bis 51 Stunden, dauern aber höchstens 9 Tage.


Beeinträchtigt Koffein den Schlaf?
Studien haben gezeigt, dass Koffein die Zeitspanne zwischen Wachzustand und Einschlafen verlängert und die subjektive Schlafqualität verschlechtert. Empfindliche oder nicht koffeingewohnte Personen sollten daher am Abend auf Koffein verzichten. Es gibt aber Menschen, welche die Ermüdungsphase, die der anregenden Wirkung des Koffeins vorausgeht, zum Einschlafen nutzen. Auch ältere Menschen können vom abendlichen Kaffee profitieren, weil Koffein die Atemwege erweitert und positiv auf die Schlafqualität wirken kann.


Sorgt Kaffee für Magenprobleme?
Bei manchen Personen führt Kaffee zu Sodbrennen. Verantwortlich dafür sind Röststoffe, die in höheren Mengen den Muskel am Ende der Speiseröhre schwächen. Kaffeetrinker mit Magenproblemen sollten daher eher zum kleinen Schwarzen greifen als zum Filterkaffee: Espresso ist magenfreundlicher, weil die Bohnen länger und stärker geröstet sind. Das zerstört Säuren und andere reizende Substanzen, die dem Magen zu schaffen machen. Wer einen zu hohen Cholesterinspiegel hat, sollte lieber Filterkaffee trinken. Dieser filtert Stoffe, welche den Blutcholesterinspiegel erhöhen können, weitgehend heraus.


Wie muss Koffein deklariert werden?
Die Deklarationsvorschriften sind festgelegt in der Verordnung über Speziallebensmittel sowie in der Verordnung über alkoholfreie Getränke. Für Kaffee und Tee gibt es keine Höchstkonzentration. Limonaden dürfen bis 250 Milligramm Koffein pro Liter (mg/l) enthalten. In Spezialgetränken wie Energydrinks sind maximal 320 mg/l Koffein erlaubt. Bei Getränken, die mehr als 30 mg/l Koffein enthalten, muss in der Nähe der Sachbezeichnung der Hinweis «koffeinhaltig» erfolgen. Sind gar mehr als 150 mg/l Koffein enthalten, ist die Bezeichnung «erhöhter Koffeingehalt» nötig, gefolgt in Klammern von der Angabe des Koffeingehaltes in mg/100 ml. Bei Produkten, die Kaffee oder Tee in der Sachbezeichnung enthalten, können die Hersteller auf eine Deklaration verzichten. Das Bundesamt für Gesundheit muss Getränke mit höherem Koffeingehalt als Speziallebensmittel bewilligen.


Sind koffeinfreie Kaffees wirklich koffeinfrei?
Nein. Deshalb wird heute der Ausdruck «entkoffeiniert» verwendet. Bislang gibt es keine Methode, die das Koffein komplett entfernt. Eine Tasse entkoffeinierter Kaffee enthält rund 3 Milligramm Koffein.


Enthält Kaffee mit Milch weniger Koffein?
Ja, im Milchkaffee ist etwas weniger Koffein als im schwarzen Kaffee. Denn Koffein löst sich nur in Wasser und nicht in Milch vollständig auf. Aber die Milch sorgt dafür, dass die anregende Wirkung des Koffeins im Blut länger anhält. Das Fett in der Milch verlangsamt die Aufnahme des Koffeins.

15. November 2009 | Mirjam Fonti, Redaktion saldo


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