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Novartis verkauft das teure Dynamisan forte gegen Erschöpfung und Leistungstief. Experten sehen darin keinen Nutzen. Der Wirkstoff steckt ohnehin in der normalen Nahrung.
Der November drückt nass und dunkel aufs Gemüt. Doch der Pharmakonzern Novartis hat ein «Stärkungsmittel» parat, wenn man sich müde und erschöpft fühlt: Dynamisan forte. Laut der Werbung soll es das Wohlbefinden steigern, die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit verbessern und das Gedächtnis stärken. Auch nach einer Grippe sollen Patienten sich bald wieder fit fühlen.
Das rezeptfreie Mittel erinnert an ein Medikament: Man kann es als Mixtur aus braunen Ampullen schlucken oder als Pulver auflösen und trinken. Novartis empfiehlt eine 20-tägige Kur – die kostet in Apotheken fast 60 Franken. Doch Fachleute sind sich einig: Der Nutzen ist gering. Denn Dynamisan forte besteht aus zwei Eiweissbausteinen, den Aminosäuren Arginin und Aspartat. Diese produziert der Körper ohnehin selbst.
«Eine ausgewogene Ernährung deckt den Bedarf»
Nur vom Arginin stellt der Körper manchmal zu wenig her. Doch davon steckt in unserer Nahrung genug. Gerade im Herbst kommen viele argininhaltige Lebensmittel auf den Tisch: Kürbisse, Baumnüsse und Wurzelgemüse. Zudem ist der Eiweissbaustein in Fisch, Fleisch, Milchprodukten und Tofu enthalten.
Der Arzt und Stoffwechselexperte Kaspar Berneis vom Universitätsspital Zürich sagt: «Eine ausgewogene Ernährung deckt den Bedarf.» Studien zeigen, dass nur bei sehr schwer Kranken – zum Beispiel bei Verbrennungsopfern – ein Mangel an Arginin vorkommen kann. Andere Menschen brauchen keine zusätzlichen Aminosäuren: «Wer keinen Mangel aufweist, hat auch keinen Vorteil, wenn er mehr davon aufnimmt», sagt Mediziner Berneis.
Studien, in denen Gesunde Aminosäuren schluckten, zeigten denn auch: Zusätzliches Arginin und Aspartat hatten zumeist keinen Einfluss auf die Muskelkraft und die Leistungsfähigkeit. Darum urteilt die unabhängige Fachzeitschrift «Pharma-Kritik»: «Die Ergebnisse der Studien reichen nicht aus, um Aminosäure-Mittel allgemein zu empfehlen.»
Durchfall und Allergien als mögliche Nebenwirkungen
Erwiesen sind jedoch die möglichen Nebenwirkungen von Dynamisan forte: Es kann Durchfall verursachen. Zudem können die in den Ampullen enthaltenen Konservierungsstoffe Allergien auslösen. Novartis jedoch hält am Werbeversprechen ihres Produkts fest. Sprecherin Cécile Bridel schreibt saldo, zusätzliche Aminosäuren würden «die Erzeugung von Muskeleiweissen» verstärken sowie «die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden» verbessern.
15. November 2009 | Ines Vogel, Redaktion Gesundheitstipp
