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Rund 2600 Verletzte mussten allein letztes Jahr in ärztliche Behandlung, weil sie von einem Hund schwer gebissen wurden.
Ende Oktober biss ein elfjähriger Leonberger Rüde ein Mädchen ins Gesicht. Die Siebenjährige wollte auf einem Bauernhof in Bachs ZH mit dem 50-Kilo-Tier spielen. Die Ambulanz fuhr das Opfer mit schweren Verletzungen ins Zürcher Kinderspital. Wenige Stunden später schläferte ein Tierarzt den Leonberger ein. Der Hund war beim Veterinäramt des Kantons Zürich aktenkundig: Im vergangenen Sommer hatte er schon einmal zugebissen. Für die Besitzer ist der Vorfall mit dem Mädchen «unerklärlich».
Besonders kleine Kinder werden häufig gebissen
Gegen 400 Kinder im Alter bis zu zehn Jahren mussten sich im letzten Jahr wegen «erheblicher Verletzungen» ärztlich behandeln lassen. Dies zeigt die Hundebiss-Statistik 2008 des Bundesamts für Veterinärwesen. Insgesamt wurden 2600 Personen verletzt. Am häufigsten betroffen ist die jüngste Altersklasse — Kinder bis zehn Jahre. Bei dieser Altersgruppe kam es auch zu den gravierendsten Verletzungen: Jedes zweite Kind wurde in Kopf und Hals gebissen.
Gut die Hälfte der Vorfälle mit Kindern ereignete sich im öffentlichen Umfeld, 43 Prozent zu Hause. Drei von vier Kindern kannten den Hund, jedes fünfte wuchs sogar mit ihm auf. Beim Bundesamt für Veterinärwesen ist man von diesen Zahlen nicht überrascht. Sprecher Marcel Falk sagt: «Viele Hundehalter sind für Risikosituationen zu wenig sensibilisiert.» Seit Mai 2006 müssen Ärzte, Tierärzte und Hundetrainer Hundebisse mit erheblichen Verletzungen und Hunde mit übermässig aggressivem Verhalten den kantonalen Veterinärämtern melden. In der seit letztem Jahr obligatorischen Hundeausbildung werden Risikosituationen mit Kindern thematisiert.
Bissige Schäferhunde und Collies
Gemäss der Statistik waren im letzten Jahr mehr als fünfzig Hunderassen in Vorfälle mit blutigem Ausgang verwickelt. Die meisten Meldungen betrafen den Schäferhundtyp, zu dem auch Collies gehören, die mit 83‘000 Tieren am meisten verbreitet sind in der Schweiz. Zu den Rassegruppen, die im Verhältnis zu ihrer Gesamtzahl in der Schweiz am meisten Menschen erheblich verletzten, gehören die bullartigen Terrier sowie die Gruppe mit Bernhardinern, Doggen, Rottweilern und Leonbergern. Die Statistik zeigt auch, welche Rassen – wiederum im Verhältnis zur Gesamtzahl – am häufigsten gemeldet wurden: American Pitbull Terrier, Staffordshire Terrier und Schweizer Sennenhunde.
Auffällig ist, dass kleine Hunde wie Terrier überdurchschnittlich häufig Kinder beissen. Hunde fallen Kinder öfter an als Erwachsene. Der Grund: Erwachsene Personen stehen aufgrund ihrer Körpergrösse in der Rangordnung über dem Hund. Ein kleines Kind befindet sich dagegen mit dem Hund oft auf Augenhöhe und er sieht in ihm deshalb seinesgleichen. «Damit ist das Gegenüber entweder ein Spielgefährte oder Konkurrent», sagt Tierärztin Julika Fitzi vom Schweizer Tierschutz. Das Kind wiederum könne das Verhalten eines Hundes zu wenig einschätzen. Entweder sei es zu forsch oder zu ängstlich. Fitzi: «Hunde spüren Unsicherheit und neigen dann zu einem dominanten Verhalten.»
«Es können hässliche Narben zurückbleiben»
Im Zürcher Kinderspital war das jüngste Opfer der letzten Jahre neun Monate alt. Laut Georg Staubli, Leiter der Notfallstation, werden häufig Kinder im Alter zwischen zwei und sechs Jahren eingeliefert. Hundebisse sind heikel. Marcus Schwöbel, Leiter Kinderchirurgie im Luzerner Kinderspital: «Die Gefahr ist gross, dass vor allem am Kopf hässliche Narben zurückbleiben.» Zudem bestehe eine Infektionsgefahr; Bissverletzungen sind fast immer mit Keimen verschmutzt. Schwöbel rät, das Impfdokument des Kindes ins Spital mitzubringen. Ausserdem soll das verletzte Kind nichts trinken, damit es schnell operiert werden kann.
Veterinärämter können gegenüber Haltern aggressiver Tiere Massnahmen anordnen: vom Besuch eines Hundekurses über ein Haltungsverbot bis zum Einschläfern des Tieres. Das Bundesamt vermutet, dass viele Hundebisse nicht gemeldet werden. Dies besonders dann, wenn der eigene Hund oder der Hund aus dem Bekanntenkreis zubeisst. Das Amt schätzt, dass es in der Schweiz jährlich zu 13‘000 Verletzungen durch Hundebisse kommt.
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Neues Hundegesetz: Haftpflicht für Hundehalter
Im Juni hat der Nationalrat ein eidgenössisches Hundegesetz beschlossen. Halter sollen für Schäden, die ihr Hund verursacht hat, verschärft haften, eine Haftpflichtversicherung wird obligatorisch. Vorgesehen ist ein Leinenzwang an sensiblen Orten wie bei Schulanlagen, öffentlichen Gebäuden oder verkehrsreichen Strassen. Der Ständerat hat noch über die Gesetzesvorlage zu befinden. Die Kantone können schärfere Vorschriften erlassen – teilweise tun sie dies schon heute. So kennen beispielsweise Genf, Wallis und Freiburg ein Rassenverbot. Dagegen haben die Kantone Glarus, Uri und Zug bislang gar keine hundespezifischen Gesetze.
15. November 2009 | Sabine Rindlisbacher, Redaktion saldo
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