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Artikel | saldo 19/2009

Hundebisse: Kleine Kinder triffts am häufigsten

Rund 2600 Verletzte mussten allein letztes Jahr in ärztliche Behandlung, weil sie von einem Hund schwer gebissen wurden.

Ende Oktober biss ein elfjähriger Leonberger Rüde ein Mädchen ins Gesicht. Die Siebenjährige wollte auf einem Bauernhof in Bachs ZH mit dem 50-Kilo-Tier spielen. Die Ambulanz fuhr das Opfer mit schweren Verletzungen ins Zürcher Kinderspital. Wenige Stunden später schläferte ein Tierarzt den Leonberger ein. Der Hund war beim Veterinäramt des Kantons Zürich aktenkundig: Im vergangenen Sommer hatte er schon einmal zugebissen. Für die Besitzer ist der Vorfall mit dem Mädchen «unerklärlich».


Besonders kleine Kinder werden häufig gebissen

Gegen 400 Kinder im Alter bis zu zehn Jahren mussten sich im letzten Jahr wegen «erheblicher Verletzungen» ärztlich behandeln lassen. Dies zeigt die Hundebiss-Statistik 2008 des Bundesamts für Veterinärwesen. Insgesamt wurden 2600 Personen verletzt. Am häufigsten betroffen ist die jüngste Altersklasse — Kinder bis zehn Jahre. Bei dieser Altersgruppe kam es auch zu den gravierendsten Verletzungen: Jedes zweite Kind wurde in Kopf und Hals gebissen.

Gut die Hälfte der Vorfälle mit Kindern ereignete sich im öffentlichen Umfeld, 43 Prozent zu Hause. Drei von vier Kindern kannten den Hund, jedes fünfte wuchs sogar mit ihm auf. Beim Bundesamt für Veterinärwesen ist man von diesen Zahlen nicht überrascht. Sprecher Marcel Falk sagt: «Viele Hundehalter sind für Risikosituationen zu wenig sensibilisiert.» Seit Mai 2006 müssen Ärzte, Tierärzte und Hundetrainer Hundebisse mit erheblichen Verletzungen und Hunde mit übermässig aggressivem Verhalten den kantonalen Veterinärämtern melden. In der seit letztem Jahr obligatorischen Hundeausbildung werden Risikosituationen mit Kindern thematisiert.


Bissige Schäferhunde und Collies

Gemäss der Statistik waren im letzten Jahr mehr als fünfzig Hunderassen in Vorfälle mit blutigem Ausgang verwickelt. Die meisten Meldungen betrafen den Schäferhundtyp, zu dem auch Collies gehören, die mit 83‘000 Tieren am meisten verbreitet sind in der Schweiz. Zu den Rassegruppen, die im Verhältnis zu ihrer Gesamtzahl in der Schweiz am meisten Menschen erheblich verletzten, gehören die bullartigen Terrier sowie die Gruppe mit Bernhardinern, Doggen, Rottweilern und Leonbergern. Die Statistik zeigt auch, welche Rassen – wiederum im Verhältnis zur Gesamtzahl – am häufigsten gemeldet wurden: American Pitbull Terrier, Staffordshire Terrier und Schweizer Sennenhunde.

Auffällig ist, dass kleine Hunde wie Terrier überdurchschnittlich häufig Kinder beissen. Hunde fallen Kinder öfter an als Erwachsene. Der Grund: Erwachsene Personen stehen aufgrund ihrer Körpergrösse in der Rangordnung über dem Hund. Ein kleines Kind befindet sich dagegen mit dem Hund oft auf Augenhöhe und er sieht in ihm deshalb seinesgleichen. «Damit ist das Gegenüber entweder ein Spielgefährte oder Konkurrent», sagt Tierärztin Julika Fitzi vom Schweizer Tierschutz. Das Kind wiederum könne das Verhalten eines Hundes zu wenig einschätzen. Entweder sei es zu forsch oder zu ängstlich. Fitzi: «Hunde spüren Unsicherheit und neigen dann zu einem dominanten Verhalten.»


«Es können hässliche Narben zurückbleiben»

Im Zürcher Kinderspital war das jüngste Opfer der letzten Jahre neun Monate alt. Laut Georg Staubli, Leiter der Notfallstation, werden häufig Kinder im Alter zwischen zwei und sechs Jahren eingeliefert. Hundebisse sind heikel. Marcus Schwöbel, Leiter Kinderchirurgie im Luzerner Kinderspital: «Die Gefahr ist gross, dass vor allem am Kopf hässliche Narben zurückbleiben.» Zudem bestehe eine Infektionsgefahr; Bissverletzungen sind fast immer mit Keimen verschmutzt. Schwöbel rät, das Impfdokument des Kindes ins Spital mitzubringen. Ausserdem soll das verletzte Kind nichts trinken, damit es schnell operiert werden kann.

Veterinärämter können gegenüber Haltern aggressiver Tiere Massnahmen anordnen: vom Besuch eines Hundekurses über ein Haltungsverbot bis zum Einschläfern des Tieres. Das Bundesamt vermutet, dass viele Hundebisse nicht gemeldet werden. Dies besonders dann, wenn der eigene Hund oder der Hund aus dem Bekanntenkreis zubeisst. Das Amt schätzt, dass es in der Schweiz jährlich zu 13‘000 Verletzungen durch Hundebisse kommt.


Richtiges Verhalten

Tipps für Eltern

  • Wenn ein Kind einen Hund streicheln will, muss es zuerst den Besitzer fragen. Nicht am Kopf streicheln oder an Ohren und Schwanz ziehen.
  • Unbeaufsichtigte Hunde sind für Kinder tabu. Das gilt auch, wenn der Hund auf seinem Platz liegt, frisst, schläft oder ein Spielzeug hat.
  • Falls der Hund nachläuft: stehen bleiben, Hände nach unten und warten, bis der Besitzer das Tier unter Kontrolle hat. Nie wegrennen.
  • Möglichst unverkrampft bleiben: Für Hunde ist eine steife Haltung ein Zeichen von Dominanz, das Fixieren mit den Augen eine Drohung.
  • Der Schweizer Tierschutz bietet Schulbesuche an, bei denen Kinder den richtigen Umgang mit Hunden lernen. Infos unter www.krax.ch.


Tipps für Hundehalter

  • Ein Kind darf man nie mit einem Hund allein lassen, auch nicht mit dem Familienhund. Das Kinderzimmer ist für den Hund tabu.
  • Den Hund möglichst nie vor einem Laden anbinden. Wollen Kinder das Tier anfassen, kann es nicht ausweichen – und fühlt sich leicht zur Verteidigung gezwungen.
  • Mit dem Hund üben, bestimmten Befehlen von Kindern zu gehorchen. Das zeigt ihm, dass Kinder in der Hierarchie über ihm stehen.
  • Der Hund sollte dazu erzogen werden, Spielzeuge und Futter nicht aus der Hand zu schnappen, sondern sie nur sanft zu nehmen, wenn es ihm erlaubt wird. Üben Sie das, dann lernt er, kleinen Kindern kein Essen oder Spielzeug wegzunehmen.



Neues Hundegesetz: Haftpflicht für Hundehalter

Im Juni hat der Nationalrat ein eidgenössisches Hundegesetz beschlossen. Halter sollen für Schäden, die ihr Hund verursacht hat, verschärft haften, eine Haftpflichtversicherung wird obligatorisch. Vorgesehen ist ein Leinenzwang an sensiblen Orten wie bei Schulanlagen, öffentlichen Gebäuden oder verkehrsreichen Strassen. Der Ständerat hat noch über die Gesetzesvorlage zu befinden. Die Kantone können schärfere Vorschriften erlassen – teilweise tun sie dies schon heute. So kennen beispielsweise Genf, Wallis und Freiburg ein Rassenverbot. Dagegen haben die Kantone Glarus, Uri und Zug bislang gar keine hundespezifischen Gesetze.

15. November 2009 | Sabine Rindlisbacher, Redaktion saldo


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Kommentare (3)

 
  • noni858 | 18.11.2009, 14:39

    Hundezüchter od

    Jeder Hundezüchter gleich welcher Rasse sollte eine Bewilligung
    von Gemeinde und Tierschutzgesetz einholen müssen.Mein
    Riesenschnauzer Bastis stammt von Grosswangen LU. Angela und Patrick
    Stutz ich bezahlte Fr. 2000.- für mein angeblich rassenreinen
    Schnauzer in diesem Wurf war noch ein Welpe mit der Schilddrüse
    aber ist ja dem Züchter egal haupsache das Einkommen stimmt auch
    kranke Hunde können agressive Hunde werden
  • noni858 | 18.11.2009, 14:29

    Hundezüchter oder Hundeverkäufer

    Leider gibt es kein Gesetz in der Schweiz das nicht jeder einfach
    Hunde Verkaufen kann wie eine Wahre. Die Hunde werden von uns Menschen
    agressiv gemacht Hunde werden durcheinander gekreuzt Schäfer mal
    Pudel Schnauzer mal Dobermann selber erlebt dieser Hund wurde agressiv
    starb aber mit 4 Jahren Schilddrüssen überfunktion Herz sie
    hatte keinen schönen Tod wann wird unsere Gesellschaft wieder
    normal es könnte viel dazu beitragen Schaut den Züchtern auf
    die Finger es geht ihnen nur um das Geld Ich habe wieder einen
    Riesenschnauzer auch der ist krank Schilddrüsen unterfunktion ein
    kranker Hund wird auch von anderen gesunden Hunden nicht akzebtiert
    und wird angegriffen Wann erwacht unser Tierschuz Gesetz
  • Raffaela | 18.11.2009, 11:51

    Nicht jeder ist fähig einen Hund zu erziehen

    Es gibt leider Hundehalter, die nicht fähig sind einen Hund zu
    erziehen. Sind sie doch selbst nicht erzogen worden. Wenn sie die anti
    autoritäre Erziehung dem Hund weiter geben, dann macht er
    natürlich was er will. Seine tierischen Instinkte werden durch
    diese Halter nicht in die richtigen Bahnen gelenkt. Ein gut erzogener
    Hund kann soviel Positives leisten, dagegen ein nicht oder zum Kampf
    erzogener Hund sehr viel Unheil anrichten kann.
    Eigentlich sollte jeder, der sich einen Hund anschaffen möchte,
    gezwungen sein, einen Kurs zu besuchen, in dem aufgezeigt wird,
    wieviel Arbeit so ein Hund gibt, welche Bedürfnisse er hat, was
    sein Unterhalt kostet, wieviel Zeit man investieren sollte u.s.w.
    Dann gäbe es weniger ausgesetzte Hunde. Auch bin ich der Meinung,
    man sollte nie einen Hund schenken, ohne vorher mit dem
    zukünftigen Besitzer gesprochen zu haben. Vielleicht will er gar
    keinen....! Man sollte sich wirklich überlegen, ob man so ein
    Tier auch tiergerecht halten kann.
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