|
(2) |
Das Bundesamt für Energie propagiert ein neues Label für energieeffiziente Geräte. Doch dieses bringt weder den Konsumenten noch der Umwelt etwas.
Geht es nach dem Bundesamt für Energie (BFE), prangt auf IT- und Unterhaltungselektronik-Geräten bald das Energy-Star-Label. Die blauen Logos sollen laut BFE-Sprecherin Marianne Zünd in den Läden «energieeffiziente Geräte erkennbar machen». Das Label zwinge zudem die Hersteller durch ständig verschärfte Anforderungen, stromsparendere Geräte auf den Markt zu bringen. Falls die Kunden dann im Laden bevorzugt zu Energy-Star-Geräten greifen, führe dies zu «grösseren Einsparungen» beim Verbrauch. Heute entfallen 5 Prozent des Schweizer Elektrizitätsverbrauchs auf Unterhaltungselektronik und Computer.
Wenig Resonanz trotz hohem Werbeaufwand
Das Label ist nicht neu. Das US-Umweltministerium lancierte es 1992, seit 2003 gibt es das Gütesiegel in der EU. Per Vertrag hat sich das BFE gegenüber der US-Behörde verpflichtet, es 2009 in der Schweiz einzuführen. Um den Energy Star zu propagieren, schaltete das BFE TV-Spots und finanzierte mit Steuergeldern unter anderem die Beilage «Blick-Extra» mit, die fragwürdige Werbung enthält (siehe unten). Die von der Branche getragene «Energieagentur Elektrogeräte» steckt gemäss ihrem Sprecher rund 50‘000 Franken jährlich in PR-Massnahmen. Der Erfolg des neuen Labels ist bisher gering: Je rund 20 Händler und Hersteller haben sich beim Verband der Digitalbranche Swico registrieren lassen, um Produkte mit dem Energy-Star-Label zu verkaufen.
«Viel zu lasche Anforderungen an die Geräte»
Schweizer Umwelt- und Konsumentenverbände zweifeln am Nutzen des Labels. «Die Anforderungen an die Geräte sind viel zu lasch», sagt Annette Reiber, Energiesparexpertin von Greenpeace. Das Label formuliert beim Energieverbrauch nur Mindeststandards, die unter dem Strich keine Energieersparnis bewirken. In der EU tragen in einzelnen Gerätegruppen bis zu 60 Prozent der erhältlichen Produkte den Energy Star – also auch viele, die punkto Effizienz nicht mal Mittelmass sind.
Das Label bringt folglich den Konsumenten wenig. «Es vermehrt nur den Label-Salat», sagt Sara Stalder von der Stiftung Konsumentenschutz (SKS). Wer im Laden den Energy-Star-Kleber sieht, weiss nicht, ob es sich bei den Geräten um wirklich sparsame Modelle handelt, um mittelmässige oder sogar unterdurchschnittliche. Kauft man das Falsche, drohen hohe Kosten. Dies veranschaulicht ein Beispiel: Die Multifunktionsdrucker Canon Imagerunner Advance C 5045 und Toshiba E-Studio 451 c sind in ihrer Leistung vergleichbar. Im normalen Bürobetrieb bei 20 Rappen pro Kilowattstunde verursacht das Toshiba-Modell in fünf Jahren 610 Franken Stromkosten. Der Canon-Drucker braucht lediglich Strom für 140 Franken, da er drei Viertel weniger Energie frisst als das Toshiba-Gerät. Beide tragen den Energy Star.
Täuschung der Käufer mit mittelmässiger Ware
Die Verbände kritisieren das Engagement von Bund und Industrie. «Das BFE geht den Weg des geringsten Widerstands», sagt Felix Meier vom WWF. Die Behörde erwecke den Anschein, etwas für die Umwelt zu tun, vermeide aber Ärger mit der Industrie. Jürg Buri von der Schweizerischen Energie-Stiftung (SES) hält «Energy Star für eine überflüssige Allerwelts-Auszeichnung». Mit dem Label wollen die Hersteller vor allem striktere Energievorgaben verhindern. «Zudem täuschen sie die Konsumenten, indem sie viel Mittelmass als Ressourcen schonend verkaufen.» Zugleich benutzen EU und USA aus Buris Sicht das Label, um ihre Märkte gegenüber Importen aus Fernost abzuschotten, die teilweise noch schlechtere Energiebilanzen aufweisen als heimische Produkte.
Umwelt- und Konsumentenverbände fordern echte Transparenz bei der Energieeffizienz: «Der Kunde soll beim Kauf wissen, ob sein Fernseher viel Energie braucht und die Umwelt stark belastet oder nicht», sagt Buri. Jedes Gerät sollte eine Energieetikette haben, welche seinen Verbrauch zeigt. Die Energieetikette gibt es schon bei diversen Haushaltsgeräten und Autos. Und die Händler sollten die sparsamsten Geräte extra auszeichnen. Auch sollte der Gesetzgeber verschwenderische Modelle verbieten.
Werbung für Energy Star: Irreführende Propaganda
Eine Lobeshymne auf Energy Star sang das vom Bundesamt für Energie (BFE) mitfinanzierte «Blick-Extra» vom 22. Oktober. Im Artikel «A shining Star is born» finden sich einige Falschinformationen:
15. November 2009 | Eric Breitinger, Redaktion saldo
Kommentare (2) |
|