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Der Computer-Hersteller Hewlett Packard ignoriert fehlerhafte Grafikkarten in seinen Geräten – zum Ärger zahlreicher Kunden.
Computerspezialist Pedro Santos aus Basel ist genervt. Immer wieder bringen ihm Kunden Laptops des Computerherstellers Hew-lett Packard (HP) zur Reparatur. Stets mit den gleichen Schäden: Kaputte Wireless-Adapter, keine Stromzufuhr oder der Laptop will nicht starten. Schuld daran sind defekte Grafikkarten des Herstellers Nvidia. Schon 2007 hatte Nvidia festgestellt, dass die Gehäuse einiger Grafikchips beschädigt waren. Diese Chips verursachen eine Überhitzung, die zu Störungen führt und sogar den Laptop in Brand setzen kann. Vor allem die Laptops von HP sind empfindlich: «Sie überhitzen wegen ihres Designs besonders leicht», weiss Spezialist Pedro Santos.
Ungewiss ist, wie viele und welche Grafikchips genau betroffen sind. Laut HP sind vor allem Chips der Serie Geforce 7200 fehlerhaft. Im Internet spekuliert man aber auch über Fehler bei den Reihen Geforce 6600, 8400, 8600 sowie 9200 und 9400. Sicher ist: Nvidia zahlte seinen betroffenen Kunden sowie den Computerherstellern Apple, Dell, Sony und HP im Juli 2008 wegen der mangelhaften Teile eine erste Entschädigung von 196 Millionen Dollar. Im zweiten Quartal 2009 kamen 119 Millionen Dollar dazu.
HP-Modelle trotz bekannter Fehler noch fast ein Jahr im Verkauf
Weniger grosszügig mit seinen Kunden war HP: Im März 2007 meldeten die ersten HP-Käufer Störungen von Notebooks, ein halbes Jahr später machte Nvidia die Kundschaft auf den Fehler aufmerksam. Trotzdem fand man die fehlerhaften HP-Modelle bis Januar 2008 in den Läden, wie betroffene Nutzer schreiben. Zuerst empfahl das Unternehmen den Kunden ein sogenanntes Bios-Update, das den Laptop veranlasst, die Lüftung dauerhaft laufen zu lassen. Dann offerierte HP eine verlängerte Garantiefrist (siehe unten). Dazu veröffentlichte der Hersteller eine Liste mit potenziell betroffenen Laptops. Laut HP handelt es sich dabei vor allem um einzelne Geräte der Serien dv 2000, dv 6000, dv 9000 sowie den Compaq Presario V 3000 und V 6000.
Die Liste erwies sich aber als unvollständig. In zahlreichen Internetforen schimpfen enttäuschte Kunden über HP, die einen nicht auf der Liste aufgeführten Laptop dieses Herstellers besitzen. Ihre Geräte überhitzen ebenfalls, aber es gibt weder eine verlängerte Garantie noch eine Gratisreparatur.
Nach der Reparatur tauchen wieder die gleichen Schäden auf
Wer sein Gerät repariert – gratis oder nicht —, ist noch nicht aus dem Schneider: Die Laptops funktionieren zwar wieder, aber die Schäden treten erneut auf. «Ich habe meinen Laptop während der Garantiezeit dreimal eingeschickt, immer hatte ich den gleichen Ärger», schreibt ein HP-Kunde in einem Forum, «beim vierten Mal war die Garantie abgelaufen.» Auch Pedro Santos konstatiert unsaubere Arbeit: «Ich habe gesehen, dass HP bei der Reparatur einfach wieder eine identische Grafikkarte verwendete wie zuvor.»
HP schreibt, dem Unternehmen seien keine solchen Fälle bekannt. Und: Man habe zum Zeitpunkt, als man von den Störungen erfuhr, keine betroffenen Geräte mehr auf Lager gehabt. Es sei aber möglich, dass gewisse Geräte bei Geschäftspartnern noch in den Regalen lägen. Zudem sei HP überzeugt, dass man allen fraglichen Notebooks die verlängerte Garantiefrist gewährt habe.
Betroffene Kunden helfen sich nun selbst: In Foren wie Hplies. com beschreiben sie, wie man die Notebooks reparieren kann. Dazu müsse man den Kühlkörper auf der Grafikkarte ersetzen und mit einem Kupferstück für zusätzliche Kühlung sorgen. Das ist aber kompliziert und nur geübten Computerbastlern zu empfehlen.
Garantieverlängerung
Computerspezialist Pedro Santos rät Käufern von HP-Produkten: «Wer ein HP-Gerät kauft, sollte die Garantie möglichst verlängern.» HP gewährt auf alle Notebooks eine Herstellergarantie von 24 Monaten. Man kann sie aber um ein oder zwei Jahre verlängern. Eine Ein-Jahres-Verlängerung für einen HP dv6-1100 kostet 159 Franken.
Neben den Herstellern verkaufen auch die meisten Elektrofachgeschäfte Garantieverlängerungen. Diese sind aber zum Teil teurer als jene der Hersteller. Bei Fust beispielsweise kostet die Verlängerung um ein Jahr für das gleiche HP-Gerät 179 Franken. Und: Während in der Herstellergarantie Holen und Bringen inbegriffen sind, muss man in Elektrogeschäften selbst darum besorgt sein.
19. Oktober 2009 | Jonas Arnold