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Seit kurzem verkauft die Fluggesellschaft Ryanair ihren Passagieren rauchlose Zigaretten. Fachleute warnen: Die Passagiere wissen nicht, was sie damit alles inhalieren.
Sie sehen ähnlich aus wie echte Zigaretten. Doch sie geben Nikotin ab, ohne dass man sie anzünden muss: Seit kurzem verkauft die irische Fluggesellschaft Ryanair auf ihren Flügen rauchlose Zigaretten der Marke Similar. Ein Zehnerpack kostet sechs Euro. Ryanair bietet die Ersatz-Glimmstängel auch in Flügen ab der Schweiz an. Doch hier dürfen sie nicht verkauft werden. Mona Neidhart vom Bundesamt für Gesundheit stellt klar: Bei solchen Produkten sei «der Zusatz von Substanzen wie Nikotin verboten».
Zwar gilt das Schweizer Recht nicht mehr, sobald ein Flugzeug die Grenze überquert hat. Doch Fachleute melden gesundheitliche Bedenken an. Karl Klingler, Lungenspezialist an der Zürcher Hirslanden-Klinik: «Es ist völlig unklar, welche Stoffe solche Zigaretten ausser Nikotin noch abgeben.» Verlässliche Untersuchungen gebe es noch nicht. Klingler: «Ich rate niemandem zu solchen Ersatz-Zigaretten, solange nicht bekannt ist, was wirklich drin ist.»
Ebenfalls unklar ist, wie viel Nikotin nach dem Ausatmen in die Umgebung gelangt – ob also die anderen Passagiere mitrauchen, ohne es zu wollen. Jürg Barben, Lungenarzt am Kinderspital St. Gallen: «Ich werde nicht mehr Ryanair fliegen, bis diese Frage geklärt ist.» Ryanair behauptet, die Zigaretten «enthalten keine Giftstoffe oder Chemikalien» und seien für die Benutzer sowie die Mitmenschen «harmlos». Lungenarzt Barben widerspricht: «Nikotin ist ein starkes Nervengift.»
Ryanair schreibt dem Gesundheitstipp, die rauchlose Zigarette «gewährt Rauchern wie Nichtrauchern einen stressfreieren Flug, zumal Raucher weniger nervös sein können und ihr Umfeld nicht belasten».Hersteller der Zigaretten ist die Firma AHN Biotechnologie in Deutschland. Zum Nikotin in der Raumluft äusserte sie sich nicht. Die Firma schreibt zudem, die rauchlose Zigarette enthalte Nanopartikel aus Klinoptolyt, einem Mineral. An diesen winzigen Teilchen sei das Nikotin «angelagert».
Wer an einer Similar zieht, befördert diese Nanopartikel in die Lunge. AHN Biotechnologie behauptet, die Partikel seien «absolut unbedenklich», muss aber einräumen: «Es gibt keine Untersuchung darüber, wie sich diese Partikel in der Lunge verhalten.» Die Belastung durch Feinstaub in einer Grossstadt sei viel höher. Laut Arie Bruinink, Nano-Experte der Empa in Dübendorf, beweist diese Studie nichts. Es sei ein grosser Unterschied, ob man Nanopartikel verschlucke oder einatme: «Die Lunge kann nicht erkennen, ob ein Stoff giftig ist.»
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04. Oktober 2009 | Christian Egg, Redaktor
