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Die Dokumentation «Stress – SOS der Seele» zeigt, welche gesundheitlichen Auswirkungen Stress auf den Körper hat.
Stress macht alt und krank
Stress war einst eine sinnvolle Reaktion des Menschen: Stand man überraschend vor einem Raubtier, konzentrierte sich der Körper augenblicklich aufs Wesentliche, hob den Blutdruck und den Kreislauf an und war bereit zur Flucht. Heute machen solche Stresssymptome krank, wenn sie zu häufig auftreten. Die Dokumentation «Stress – SOS der Seele» aus der Reihe National Geographic schildert wissenschaftliche Versuche, Ursachen und Folgen von Stress zu untersuchen.
Hierarchische Stellung ist entscheidend
Im Zentrum steht der US-amerikanische Neurobiologe Robert Sapolsky, der vom Verhalten der Pavian-Gruppen in der ostafrikanischen Serengeti-Savanne Rückschlüsse auf das menschliche Stressverhalten zieht. Paviane in einer niederen hierarchischen Stellung wiesen deutlich mehr Stresshormone im Blut auf als bessergestellte Artgenossen. Sie litten vermehrt unter erhöhter Herzfrequenz und hohem Blutdruck.
Gleiches gilt laut den Filmemachern für den Menschen: Wer in einer tiefen sozialen Schicht lebt und am Arbeitsplatz nichts zu sagen hat, zeigt vermehrt Stresssymptome wie innere Unruhe, Konzentrationsschwäche, Antriebslosigkeit, Schlafstörungen oder Resignation. Kommt es zu chronischem Stress, nimmt man an Gewicht zu und kann an Gefässkrankheiten und Herzmuskelschäden leiden. Ausserdem verändert Stress die DNS, was zu einer vorzeitigen Alterung führt.
Der Film kritisiert, dass Stress gesellschaftlich als Leistungsfaktor gilt: Dazu gehört die Unsitte, Leute zu bewundern, die fünf Dinge gleichzeitig tun können. Bessere und gesündere Vorbilder wären ausgeglichene Menschen, die ein ruhiges Leben führen. Die Dokumentation macht klar, dass man sich nicht einfach in sein Schicksal fügen muss. Wer neben dem Job ein Hobby hat, mit dem er sich die nötige Selbstbestätigung holt, kann dem Stress ein Schnippchen schlagen.
«Stress – SOS der Seele». Film der Reihe National Geographic. USA 2009. Impuls Home Entertainment.
CD-Tipps
Pop/Rock: Ein verschrobenes Trio
Eingängiger, dahinplätschernder Dream-Pop à la Pet Shop Boys – dieses Urteil könnte man nach oberflächlichem Anhören des fünften Longplayers der dänischen Band Mew fällen. Doch bei genauerem Hinhören stellt man fest, dass die Songs immer wieder von schrägen Harmonien und sperrigen Gitarren durchbrochen werden und faszinierend komplex sind. Hier ist ein verschrobenes Trio am Werk: Darauf deutet bereits der Albumtitel hin, dessen rekordverdächtige 23 Worte den Rahmen dieser Kritik sprengen würden. Das zeigt sich auch beim Eröffnungsstück, das mit irritierenden Rückwärtsspuren experimentiert. Ein Album, das Eingewöhnungszeit braucht – sie aber wert ist.
Mew, «No more Stories are told today…», Columbia/Sony
Klassik: Atemberaubende Klangkultur
Sie ist keine Diva, die portugiesische Pianistin Maria João Pires, obwohl ihr Klavierspiel göttlich ist. Mit dem kürzlich erschienenen Chopin-Album liefert sie einen neuerlichen Beleg dafür. Reife Musik – alle eingespielten Werke auf der Doppel-CD stammen aus Chopins letzten Lebensjahren – in einer ebensolchen Interpretation: So klar und deutlich wurden diese kühnen musikalischen Kompositionen schon lange nicht mehr interpretiert. In souveräner Manier legt Pires den dramatischen Gehalt der Musik frei. Dabei sitzt jeder Ton perfekt. Das gilt auch für die Cellosonate, die Pires mit ihrem Partner Pavel Gomziakov interpretiert – so viel Klangkultur ist atemberaubend.
Maria João Pires. Chopin. Deutsche Grammophon.
Jazz: «Heldentenor» aus Boston
Der Beitrag der Italo-Amerikaner zum Jazz ist nicht zu unterschätzen. Drei der ausdrucksstärksten Tenorsax-Virtuosen unserer Zeit sind Italo-Amerikaner: Joe Lovano, George Garzone und Jerry Bergonzi. Während Lovano längst zum Jazz-Jet-Set gehört, sind Garzone und Bergonzi, beide in Boston als Lehrer tätig, vor allem innerhalb der amerikanischen Jazz-Szene bekannte Namen. Jerry Bergonzi hat für das Label Savant seit 2006 vier tolle Alben eingespielt, die mehr Beachtung verdienen würden: Hier ist nicht nur ein «Heldentenor» mit einem wunderbar fetten Sound am Werk, sondern auch ein Komponist, dessen Stücke inhaltlich überzeugen und überraschen.
Jerry Bergonzi, «Simply Put», Savan
22. September 2009 | Marc Mair-Noack, thl, trü, tom
