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Artikel | saldo 14/2009

Heilsarmee, Caritas & Co.: Riesige Verluste an der Börse

Nicht jede Spende kommt an den richtigen Ort: In der Finanzkrise haben viele Hilfswerke an der Börse hohe Verluste eingefahren.

Rund 33,5 Millionen Franken hat die Heilsarmee Schweiz 2008 mit Wertschriften verloren. Zum Vergleich: Der Spendenertrag betrug letztes Jahr 25 Millionen Franken. Die Organisation betont aber, dass die Spendengelder inklusive Topfkollekte vom Verlust nicht betroffen sind. Aus Legaten, Erbschaften und Immobilienverkäufen hat die Heilsarmee in den letzten Jahren ein grosses Wertschriftenvermögen angehäuft. Trotz massiver Kursverluste betrug dieses Ende 2008 immer noch 141,5 Millionen Franken. Die Heilsarmee begründet die hohe Kapitalreserve mit Projekten, deren Planung mehrere Jahre in Anspruch nehme. Während dieser Zeit werde das Geld an der Börse angelegt, um Mehrwert zu generieren und einen Teil der administrativen Kosten zu finanzieren.


Die Spender erwarten eine möglichst risikolose Anlage des Geldes

Die Börsenverluste der Heilsarmee sind kein Einzelfall. Die meisten grossen Non-Profit-Organisationen (NPO) haben 2008 mit ihren Anlagen hohe Verluste eingefahren. Einige Beispiele:

  • Die Schweizerische Rettungsflugwacht Rega erlitt letztes Jahr einen Verlust von 33 Millionen Franken (minus 18 Prozent) auf ihren Wertschriften. Laut eigenen Angaben muss die Rega für die periodisch wiederkehrende Erneuerung ihrer Fliegerflotte derart viel Geld horten.
  • Die Caritas musste 2008 12,3 Prozent an Wertpapieren streichen, die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi 16,5 Prozent.


Dass sich steuerbefreite gemeinnützige Organisationen an der Börse verspekuliert haben, stösst vielen Spendern sauer auf. Erwartet wird, dass Spenden, die nicht sofort Verwendung finden, in möglichst risikolose Obligationen und Festgelder investiert werden. Diesen Weg befolgt etwa Pro Natura: «Der Geldwert des gespendeten und als Mitgliedbeitrag bezahlten Frankens soll erhalten bleiben», sagt Sprecher Roland Schuler. Mit ihrer konservativen Anlagestrategie, basierend auf Staatsanleihen und sicheren AAA-Papieren, hat Pro Natura im Börsenkatastrophenjahr 2008 einen kleinen Gewinn von 726’000 Franken herausgewirtschaftet.

Konservativ nennen auch die anderen gemeinnützigen Organisationen ihre Anlagestrategie. Dennoch gehen viele von ihnen gewisse Risiken ein, um eine Mehrrendite zu erreichen. Hans Krummenacher, Finanzchef Caritas Schweiz, rechtfertigt die Investitionen in risikoreichere Aktien mit der langfristig höheren Rendite. Er rechnet vor, dass die Caritas dank ihrer Anlagestrategie in den letzten sechs Jahren durchschnittlich 4,4 Prozent Gewinn pro Jahr erzielte. Nur mit Obligationen und Festgeldern hätte viel weniger herausgeschaut. Für die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi bieten Aktien und Fonds zudem den Vorteil, in besonders sozial und ökologisch nachhaltige Anlagen investieren zu können.


Zewo sieht keinen Bedarf für schärfere Anlage-Richtlinien

Die NPOs relativieren ihre Wertschriften-Einbussen: Es handle sich bei den ausgewiesenen Verlusten in den Jahresrechnungen grösstenteils um Buchverluste, die dank der Erholung der Börsen teilweise schon wieder wettgemacht worden seien. Die Zewo, Zertifizierungsstelle für gemeinnützige Organisationen, sieht keinen Handlungsbedarf, schärfere Anlage-Richtlinien zu erlassen. Verlangt wird von grösseren NPOs lediglich ein Anlagereglement. Dieses kann sich an den BVV2-Anlage-Richtlinien des Bundes für Vorsorgeeinrichtungen orientieren. Und muss der Risikofähigkeit der eigenen Organisation Rechnung tragen.

Aller Gelassenheit zum Trotz sind einige NPOs aktiv geworden und haben ihre Anlagestrategie geändert: Die Heilsarmee etwa verringerte ihren Aktienanteil von 27 auf 17 Prozent; die Rega hat ihre Aktienquote von 40 auf eine Bandbreite von 21 bis 32 Prozent gesenkt.

07. September 2009 | Thomas Lattmann, Redaktion saldo


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Kommentare (3)

 
  • RobinHood | 11.09.2009, 14:21

    Irrtum, angeeignete Volksweisheit=anerzogene und gelehrte Dummheit durch die Finanzinstitute

    Lieber Waldrand
    Leider irren Sie sich. Ich rede nicht vom Sparheft oder anderen nicht
    rentierenden Anlagemöglichkeiten, wenn es darum geht eben nicht
    in spekulative Papiere wie Aktien, Hedgefunds und andere derivative
    Anlagen zu investieren. Es gibt Anlagen im Primärmarkt, die ab
    einer Anlagesumme von USD 50 Millionen mit 15 und mehr % in Form von
    Kapitalgewinn, also nicht Zinsgewinn rentieren. Das Risiko ist gleich
    null, da das angelegte Kapital durch eine AA+ bewertete Bank
    abgesichert ist. Die absichernde Bank hat das Kapital gesondert
    sichergestellt, so dass sie faktisch bankrott gehen könnte und
    das angelegte Geld eben nicht in die Konkursmasse fällt.
    Bei Aktien, Hedgefonds und Derivaten werden deren Wert oder eben
    Gewinn/Verlust durch die Finanzinstitute bestimmt. Der Anleger ist
    aussenvor und kann nur das als Gewinn kassieren, was ihm die
    Finanzinstitute abtreten. Die Preise der Aktien werden also durch die
    Banken und nicht wie fehlbarerweise gelernt durch den Finanzmarkt,
    Angebot und Nachfrage bestimmt. Der Boden- und Immobilienpreis wird
    auch durch die Finanzinstitute bestimmt. Die Mietpreise auch, da die
    Banken bei einer Hausfinanzierung auch den anzufallenden Zinsertrag
    dem Gebäudeeigentümer vorschreiben. Sonst wird nicht
    finanziert. Das ganze soziale Kapital liegt auch bei den Banken und
    eben nicht in der Bank des Schweizervolkes/-bürgers, der
    Nationalbank. Die ist leer.
    Die Vermögensverwalter der Caritas, der Heilsarmee und der
    übrigen Sozialwerke sind alles Abgesandte der Banken, welche den
    Auftrag haben, möglichst und aussschliesslich die Interessen der
    Banken und nicht die ihrer Arbeitgeber, der Sozialwerke zu vertreten.
    Genauso läuft es auch beim National- Stände und Bundesrat.
    Die vertreten auch nicht die Interessen des Volkes sondern diejenigen
    der Finanzinstitute und mächtigen Industrien. Ich bin kein Sozi
    oder Grüner oder Schwarzer oder Gelber. Bin Parteilos und eben
    nicht in ein Schema, ein Viereck eingebunden. Denken Sie bitte
    ausserhalb den Normen, dem Viereck und Sie werden erwachen.
  • Waldrand | 11.09.2009, 13:12

    Professionell heisst auch Aktienengagement

    Nur auf aus Sparheft zu setzten, könnte zum Bumerang werden, wenn
    die Inflation steigt. Zudem muss man dann noch schauen, bei welchem
    Finanzinstitut das Sparheft ist. Es wäre also eher ein
    grösseres Risiko, gar keine Aktien zu halten. Eine professionelle
    Anlage beinhaltet deshalb sowohl Aktien als auch Obligationen.

    Nur ein Jahr anzuschauen, ist auch falsch, im Mehrjahresschnitt muss
    der Ertrag stimmen. Der ist ja offensichtlich bei den meisten
    Hilfswerken positiv, und es sind keine Spenden verloren gegangen.

    Die seriösen Hilfswerke machen sehr wichtige und gute Arbeit.
    Dass sie nicht alle Einnahmen sofort ausgeben, sondern nach Verlauf
    des Projektfortschritts, macht Sinn. An den Finanzmärkten gibt es
    Schwankungen. Wichtig ist, dass es mehr gute als schlechte Jahre
    gibt.
  • RobinHood | 10.09.2009, 00:11

    Die Börse= der einarmige Bandit

    Auch die Hilfswerke arbeiten für die Finanzinstitute und nicht
    für die Hilfebedürftigen. Ob jetzt Herr Hans Krummenacher
    oder der Verwaltungsrat des Ausgleichsfonds der AHV Herr Netzer. Sie
    haben beide keinerlei Ahnung von Finanzen oder gar sicheren
    Anlagemöglichkeiten, welche auch keinerle Risiko beinhalten. Sie
    gehen alle den einfachsten Weg, nämlich zu den Banken und warten
    die Verluste ab. Es sind die wahren Verbrecher, die
    Vermögensverwalter grosser Kapitalgesellschaften, welche als
    Handlanger der Banken ihr Amt ausüben. Weg von den Obligatorien,
    hin zu den freien Möglichkeiten der Selbstvorsorge und -anlage.
    Wann erwacht der Schweizerbürger und verlangt eine sofortige
    Änderung dieses "einarmigen Banditen" in eine
    sogennante mündelsichere Anlage?
    Sehen Sie sich www.ahv-ch.info an und Sie werden alles verstehen.
    Anlschliessende Kontaktnahme ist gewünscht.
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