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Nicht jede Spende kommt an den richtigen Ort: In der Finanzkrise haben viele Hilfswerke an der Börse hohe Verluste eingefahren.
Rund 33,5 Millionen Franken hat die Heilsarmee Schweiz 2008 mit Wertschriften verloren. Zum Vergleich: Der Spendenertrag betrug letztes Jahr 25 Millionen Franken. Die Organisation betont aber, dass die Spendengelder inklusive Topfkollekte vom Verlust nicht betroffen sind. Aus Legaten, Erbschaften und Immobilienverkäufen hat die Heilsarmee in den letzten Jahren ein grosses Wertschriftenvermögen angehäuft. Trotz massiver Kursverluste betrug dieses Ende 2008 immer noch 141,5 Millionen Franken. Die Heilsarmee begründet die hohe Kapitalreserve mit Projekten, deren Planung mehrere Jahre in Anspruch nehme. Während dieser Zeit werde das Geld an der Börse angelegt, um Mehrwert zu generieren und einen Teil der administrativen Kosten zu finanzieren.
Die Spender erwarten eine möglichst risikolose Anlage des Geldes
Die Börsenverluste der Heilsarmee sind kein Einzelfall. Die meisten grossen Non-Profit-Organisationen (NPO) haben 2008 mit ihren Anlagen hohe Verluste eingefahren. Einige Beispiele:
Dass sich steuerbefreite gemeinnützige Organisationen an der Börse verspekuliert haben, stösst vielen Spendern sauer auf. Erwartet wird, dass Spenden, die nicht sofort Verwendung finden, in möglichst risikolose Obligationen und Festgelder investiert werden. Diesen Weg befolgt etwa Pro Natura: «Der Geldwert des gespendeten und als Mitgliedbeitrag bezahlten Frankens soll erhalten bleiben», sagt Sprecher Roland Schuler. Mit ihrer konservativen Anlagestrategie, basierend auf Staatsanleihen und sicheren AAA-Papieren, hat Pro Natura im Börsenkatastrophenjahr 2008 einen kleinen Gewinn von 726’000 Franken herausgewirtschaftet.
Konservativ nennen auch die anderen gemeinnützigen Organisationen ihre Anlagestrategie. Dennoch gehen viele von ihnen gewisse Risiken ein, um eine Mehrrendite zu erreichen. Hans Krummenacher, Finanzchef Caritas Schweiz, rechtfertigt die Investitionen in risikoreichere Aktien mit der langfristig höheren Rendite. Er rechnet vor, dass die Caritas dank ihrer Anlagestrategie in den letzten sechs Jahren durchschnittlich 4,4 Prozent Gewinn pro Jahr erzielte. Nur mit Obligationen und Festgeldern hätte viel weniger herausgeschaut. Für die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi bieten Aktien und Fonds zudem den Vorteil, in besonders sozial und ökologisch nachhaltige Anlagen investieren zu können.
Zewo sieht keinen Bedarf für schärfere Anlage-Richtlinien
Die NPOs relativieren ihre Wertschriften-Einbussen: Es handle sich bei den ausgewiesenen Verlusten in den Jahresrechnungen grösstenteils um Buchverluste, die dank der Erholung der Börsen teilweise schon wieder wettgemacht worden seien. Die Zewo, Zertifizierungsstelle für gemeinnützige Organisationen, sieht keinen Handlungsbedarf, schärfere Anlage-Richtlinien zu erlassen. Verlangt wird von grösseren NPOs lediglich ein Anlagereglement. Dieses kann sich an den BVV2-Anlage-Richtlinien des Bundes für Vorsorgeeinrichtungen orientieren. Und muss der Risikofähigkeit der eigenen Organisation Rechnung tragen.
Aller Gelassenheit zum Trotz sind einige NPOs aktiv geworden und haben ihre Anlagestrategie geändert: Die Heilsarmee etwa verringerte ihren Aktienanteil von 27 auf 17 Prozent; die Rega hat ihre Aktienquote von 40 auf eine Bandbreite von 21 bis 32 Prozent gesenkt.
07. September 2009 | Thomas Lattmann, Redaktion saldo
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