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Demnächst kommt eine Impfung gegen die Schweinegrippe auf den Markt. Der neuartige Impfstoff der Schweizer Firma steht in der Kritik.
Novartis ist dick im Geschäft: Zusammen mit der Firma Glaxosmithkline darf sie für die Schweiz 13 Millionen Impfungen gegen die Schweinegrippe herstellen. Dabei setzt Novartis ein neues Verfahren ein, das den Impfstoff rund doppelt so schnell liefern kann. Die Firma produziert die Viren mittels Zellkulturen in grossen Flüssigkeitsbehältern.
Genauer gesagt: in Hundezellen. Je schneller sich die Zellen teilen, desto mehr Viren für den Impfstoff kann Novartis produzieren. Sie setzt deshalb Zellen ein, die Tumoren bilden können. Denn solche Zellen vermehren sich besonders schnell. Glaxo hingegen züchtet die Impfviren noch nach konventioneller Methode in Hühnereiern.
Doch jetzt kommt die Methode von Novartis unter Beschuss. Fachleute sagen, der Impfstoff von Novartis sei ein Risiko für Menschen. Denn im Tierversuch hatte sich gezeigt, dass bereits zwei bis zehn solcher Zellen Krebs auslösen können. Zudem könnten DNA-Bruchstücke, also Bestandteile des Erbgutes der Zellen, in den Impfstoff gelangen. Experten befürchten, diese könnten wiederum im Menschen Krebs auslösen.
Für den deutschen Pharmakologen und Professor Peter Schönhöfer vom Fachblatt «Arznei-Telegramm» ist klar: «Ein Massenimpfen mit diesem neuen Impfstoff ist beim heutigen Stand der Kenntnis ethisch nicht vertretbar.» Bereits vor vier Jahren äusserten US-amerikanische Fachleute an einer Tagung gegenüber den Behörden Bedenken, falls Impfstoffhersteller jemals solche Zellen einsetzen sollten. Bis heute gibt es dazu kein abschliessendes Urteil, weder von Behörden noch von wissenschaftlichen Gremien.
Neuartige Impfstoffe: Zweifel an ausreichenden Tests
Schönhöfer vermutet, dass Novartis die Gunst der Stunde nutzen und im Zug der Pandemie einen neuartigen Impfstoff rasch in die breite Bevölkerung tragen will. Die Zeit fehle aber, den Impfstoff ausreichend zu testen. Novartis weist die Vorwürfe zurück. Sie verweist auf «zahlreiche klinische Studien», die mit diesen Zellen gemacht würden. Es sei zudem «irreführend», wenn man sagt, die Zellen könnten Krebs auslösen. Denn mehr als ein Dutzend Produktionsschritte würden dazu führen, dass «alle» Hundezellen zerstört würden.
Novartis räumt zwar ein, es würden auch DNA-Bruchstücke in den Impfstoff gelangen. Doch deren Gehalt liege innerhalb der Vorschriften und sei nicht mehr aktiv. Die US-amerikanischen Behörden hätten der Firma bestätigt, dass für Geimpfte «praktisch kein Krebsrisiko» bestehe. Auch das Bundesamt für Gesundheit BAG bestreitet, dass der Impfstoff das Risiko für Krebs erhöhen könnte. Aber auch bei den konventionell hergestellten Impfstoffen gegen Schweinegrippe rät Schönhöfer zur Zurückhaltung. Denn nicht nur Novartis, auch Glaxo fügt ihnen neuartige Substanzen zu, die ihre Wirkung verstärken. Schönhöfer warnt: «Die Substanzen können das Risiko erhöhen für Schäden am Nervensystem.»
Glaxosmithkline-Sprecher Urs Kientsch sagt, die Firma habe die Substanzen bereits bei Impfstoffen gegen die Vogelgrippe vor zwei Jahren eingesetzt. Kientsch: «Diese Impfstoffe sind an fast 40'000 Personen getestet. Die europäischen Behörden haben sie auf Sicherheit und Wirksamkeit geprüft und sie auch bewilligt.» Novartis wollte sich dazu nicht äussern. Professor Schönhöfer rät dennoch, sich vorläufig nicht gegen die Schweinegrippe impfen zu lassen: «Solange nicht mehr Sicherheitsdaten vorliegen, kann man den Impfstoffen nicht trauen.»
Tipps: Gesunde können auf Impfung verzichten
07. September 2009 | Tobias Frey, Redaktionsleiter Gesundheitstipp
