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Chili, Pfeffer und Senfgewächse sind scharf und gesund: Sie regen die Durchblutung des Magens an, fördern den Stoffwechsel und steigern erst noch das Wohlbefinden.
Scharf essen ist in. Pommes-Chips mit Chili-Zusatz werden auf der Verpackung angepriesen mit «höllische Hitze in der Tüte». Andere Chips sind mit dem scharfen asiatischen Rettich Wasabi angereichert. Lebensmittelhersteller verwenden Wasabi auch, um Erdnüssen oder Würstchen Schärfe zu verleihen. Im Angebot findet man auch schwarze Schokolade oder Ketchup mit Chili-Stückchen.
Schärfe entsteht durch Pflanzenstoffe, welche die Schmerz- und Wärmerezeptoren in den Schleimhäuten reizen. Das Gehirn reagiert auf den Schmerz mit dem Ausschütten von Endorphinen, die das Wohlbefinden steigern. Chili-Fans bezeichnen diesen Zustand als «Pepper-High». Die Schärfe der Chilis ist vom Gehalt an Capsaicin und verwandten Stoffen abhängig. Schwarzer Pfeffer wiederum enthält Piperin, das weniger stark wirkt. Senfgewächse wie der Wasabi oder die Brunnenkresse enthalten scharfe Öle. Im Gegensatz zum Capsaicin verflüchtigen sich diese Öle rasch und wirken beim Essen wohltuend auf verstopfte Nasen. Senfgewächse sind deshalb am schärfsten, wenn sie ganz frisch konsumiert werden.
Bei empfindlichem Magen und Sodbrennen ist Vorsicht geboten
Auf der Haut und den Schleimhäuten, beispielsweise an Händen und Augen, kann der Kontakt mit frischen Chilis zu Rötungen und brennendem Schmerz führen. Diese Symptome verschwinden jedoch von selbst. Auch die Angst vor einer Schädigung der Magenschleimhaut durch scharfes Essen ist unbegründet. Im Gegenteil: Laut Peter Holzer, Professor für Neurogastroenterolo-gie der Universität Graz, trägt scharfes Essen zu einer besseren Durchblutung der Magenschleimhaut bei. Das erhöhe den Schutz gegen Säuren und Gifte.
Reinhard Saller, Direktor des Instituts für Naturheilkunde am Universitätsspital Zürich, bestätigt die positive Wirkung scharfer Gewürze. Das sei durch verschiedene Studien belegt. So untersuchten britische Wissenschafter der Arthritis Research Campaign vierzig Mittel der Alternativmedizin, die Gelenkschmerzen verringern sollen. Capsaicin-Gel schnitt dabei am besten ab. Chilischoten regen zudem laut Studien den Stoffwechsel an und helfen bei Gewichtsproblemen, da scharfes Essen länger satt hält. Senf, Meerrettich, schwarzer Pfeffer und Ingwer wirken ähnlich.
Günstige Effekte haben sich laut Saller auch bei Diabetes-Patienten gezeigt, denn Capsaicin hemmt die Insulinausschüttung. Zudem gibt es Hinweise, dass Chili Nebenwirkungen von Medikamenten abschwächen kann. Laut Peter Holzer zeigen Studien auch, dass Aspirin zusammen mit Capsaicin dem Magen weniger schadet. «Wer keinen empfindlichen Magen hat oder an starkem Sodbrennen leidet, kann problemlos scharf essen», meint auch Nathalie Metzger, Sprecherin des Verbandes diplomierter Ernährungsberater. Vorsicht ist ihrer Meinung nach im Umgang mit einzelnen sehr scharfen Saucen geboten, wenn diese hohe Chili-Konzentrationen enthalten und mit Capsaicin-Extrakten versetzt sind.
Scharfes Essen öffnet zudem die Poren und fördert das Schwitzen, was den Körper kühlt. Dies ist gemäss Ernährungsberaterin Metzger mit ein Grund, warum in warmen Ländern scharf gekocht wird. Im Gegensatz zur landläufigen Meinung stumpft scharfes Essen übrigens den Geschmackssinn nicht ab. Es fördert eher das Schärfeempfinden.
Die wichtigsten Tipps bei der Zubereitung von scharfen Speisen
Die Schärfe einer Speise lässt sich beim Kochen schwer abschätzen. Soll ein Gericht geschmacklich nicht zu scharf sein, helfen folgende Tipps:
Links: Für Fans scharfer Speisen
Scoville: Das Mass für Schärfe
Die Schärfe von Chili, Pfeffer und daraus hergestellten Produkten wird meistens mittels Scoville-Einheiten gemessen. Der US-amerikanische Pharmakologe Wilbur L. Scoville führte diese Einheit zu Beginn des letzten Jahrhunderts ein. Scoville liess Probanden mit Wasser verdünnte Capsaicin-Lösungen kosten, bis sie die Schärfe nicht mehr feststellen konnten. Das Problem: Jeder Mensch reagiert auf Schärfe unterschiedlich empfindlich. Durch Übung lässt sich zudem die Toleranz erhöhen. Der Scoville-Grad ist deshalb nur bedingt aussagekräftig. Als schärfste Chilisorte gilt mit einer Million Scoville die Bhut-Jolokia-Frucht. Die klassische Tabasco-Sauce wird mit 2500 bis 5000 Scoville angegeben.
23. August 2009 | Andreas Schildknecht, Redaktion K-Tipp/saldo
