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Im nächsten Jahr schlagen die Krankenkassen-Prämien besonders stark auf. Dabei wäre dies gar nicht nötig. Der K-Tipp nennt die Gründe.
1. Die Reserven der Krankenkassen genügen
Jahrelang haben die Versicherten zu hohe Prämien gezahlt. Die Kassen konnten so gewaltige Reserven äufnen. Von 2002 bis 2007 wuchsen diese von 1,96 auf 3,97 Milliarden. Im Jahr 2008 sanken die Reserven der Kassen wegen der laufenden Kosten und Verlusten an der Börse auf 3,2 Milliarden. Das entspricht einer Reservequote von 16,5 Prozent. Das vom Departement Couchepin vorgeschriebene Minimum liegt bei 11,5 Prozent. Zur Besorgnis besteht also kein Anlass. Trotzdem begründen die Kassen einen Teil der Prämienaufschläge des kommenden Herbstes mit der weiteren Erhöhung der Reserven.
2. Die Medikamenten-Preise könnten sofort gesenkt werden
Der Krankenkassenverband Santésuisse untersuchte in sieben europäi- schen Ländern, was Medikamente kosten. Ergebnis: Die Schweizer zahlen noch immer viel zu viel. Der Preis eines Medikaments entsteht nicht auf dem freien Markt – er wird staatlich festgelegt. Bis anhin wurden die Hochpreisstaaaten Dänemark, Deutschland, Grossbritannien und die Niederlande als Referenzländer herangezogen, um die Preise festzulegen. Doch dieser Vergleich hinkt.
In den günstigeren Nachbarländern Italien, Frankreich und Österreich liegen die Fabrikabgabepreise 17 bis 25 Prozent unter dem Schweizer Niveau. Was heisst das? Santésuisse kommt bei den umsatzstärksten Produkten auf ein Sparpotenzial von 340 Millionen. Hochgerechnet nicht nur auf die umsatzstärksten, sondern auf alle Originalprodukte wären es gar 500 Millionen.
Auf weitere 400 Millionen Franken Einsparungen kommt Santésuisse bei den Generika. Auch sie sind in der Schweiz teurer als im Ausland. Zudem: Würden alle Patienten das günstigste Generikum kaufen, liessen sich pro Jahr weitere rund 135 Millionen Franken einsparen. Das heisst: Unter dem Strich liegt das Sparpotenzial bei Medikamenten bei über einer Milliarde Franken.
3. Auch für neue Mittel zahlen die Kassen zu viel
Viel zu teuer sind vor allem neue Medikamente. «Sie kosten etwa zehnmal mehr als ältere», so Xaver Schorno, Chefapotheker am Luzerner Kantonsspital. Die Pharmafirmen könnten ihre Preise nach eigenem Gusto festlegen: «Bei neuen Medikamenten gibt es keine Konkurrenz.» Schorno sieht die Lösung des Problems auf politischer Ebene. Da in der Schweiz die Arzneimittelkommission die Medikamente bestimme, die die Grundversicherung zahle, schlägt er vor: «Nur jene Arzneien aufnehmen, bei denen der Preis stimmt.»
4. Tarife für ambulante Behandlungen im Spital könnten reduziert werden
Die Kosten für eine ambulante Spitalbehandlung steigen seit Jahren überdurchschnittlich. Sie betragen mehr als 15 Prozent der Gesamtkosten in der Grundversicherung. Gleiche Behandlungen sind aufgrund unterschiedlicher Tax-Punkte (sprich Tarife) im Spital meist teurer als beim Hausarzt. Die Tax-Punkte legt der Bund fest. Gesundheitsminister Pascal Couchepin machte jüngst im Nationalrat die Rechnung: Im Schnitt koste der erste Besuch beim Hausarzt inkl. Medikamenten 150 Franken, die ambulante Behandlung im Spital aber 350 Franken.
5. Keine Jagd mehr auf junge Gesunde
Die Kassen machen Jagd auf junge, gesunde Kunden. Die Kassenwechsler kosten viel Geld, das letztlich die Prämienzahler belastet. Ständerätin Simonetta Sommaruga schätzt, dass Krankenkassen den Maklern fürs Anwerben junger, gesunder Versicherter rund 200 Millionen Provisionen zahlen. Auch hier besteht bei den Kassen somit ein Sparpotenzial.
15. August 2009 | Werner Fischer
