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Artikel | Haus & Garten 03/2009

Aprikosen, Blattläuse, Kräuter und Gemüse

Hilfe vom Fachmann für Hobby-Gärtnerinnen und -Gärtner: Kurt Meister von der Gartenbauschule Oeschberg in Koppigen BE beantwortet Fragen aus der Leserschaft von Haus & Garten.


Wächst ein Baum aus dem Kern?

Kann ich aus einem Aprikosenkern selber einen Baum ziehen? Mein Kern stammt von sehr guten Früchten und ist ca. ein Jahr alt. Kann ich ihn noch verwenden? Falls es klappt, erhalten Sie einige Aprikosen aus der ersten Ernte.
Evangelina Steinbacher, Tägerwilen TG

Kurt Meister: Grundsätzlich können Sie aus einem Kern einen Aprikosenbaum ziehen. Aber meist ist man später enttäuscht, weil die Früchte nicht den Erwartungen entsprechen. Denn im Handel erhältliche Obstbäume sind immer veredelt, das heisst: Das Wurzelwerk (die Unterlage) stammt von einem anderen Baum als die Krone. Durch diese Veredelung ist die Wuchskraft und demzufolge auch die Qualität besser und die Anzahl der Früchte um ein Vielfaches grösser als von einem wurzelechten Aprikosenbaum: Dessen Früchte sind in der Regel kleiner und weniger aromatisch. Sie sind eher wie Früchte von Wildbäumen. Je älter die Kerne sind, umso mehr nimmt die Keimfähigkeit ab. Deshalb kann ich nicht garantieren, dass Ihr einjähriger Kern noch keimen wird. Einen Versuch ist es allemal wert.


Was tun gegen Läuse am Apfelbaum?

Mein Apfelbaum hatte vor einem Jahr viele Läuse. Falls sie wieder auftauchen: Wie bekämpfe ich sie – mit Schmierseife?
Heinrich Brunner, Biel BE


Meister:
Ein kaltnasser Frühling fördert den Läusebefall in der ganzen Natur – nicht nur auf Apfelbäumen. So litten auch die Rosen sehr stark unter Läusen. Ein gut wirkendes Mittel ist zum Beispiel Belrose von der Firma Maag. Es schont die Nützlinge und wirkt nur gegen die verschiedenen Blattlausarten. Belrose kann man auch bei Rosen, Zierpflanzen, Obst und Beeren sowie Gemüse verwenden. Achtung: Nach einer Spritzung darf man Obst erst nach mindestens drei Wochen ernten. Bei Gemüse beträgt die Wartefrist sieben Tage.


Hilft Fingerhut gegen Tierfrass?

Ich wohne im Tessin und bei uns fressen Hirsche und Gemsen alles Essbare im Garten: Blumen, Gemüse, Früchte, ja sogar Tannenbäume. Nun habe ich in einen Blumentopf Fingerhut gepflanzt. Seither verschonen die Tiere alle anderen Blumen im selben Topf. Kann ich Fingerhut auch zwischen das Gemüse setzen, um den Frass zu verhindern?
Verena Späti, Salorino TI


Meister: Der Fingerhut (Digitalis purpurea) ist eine giftige Pflanze. Der Zellsaft enthält Digitalisglykoside. In hohen Dosen wirken diese Glykoside als Gift, das Herzrhythmusstörungen verursacht. Deshalb wird diese Pflanze auch von den Wildtieren gemieden. Ob die Fingerhüte auch in einem Gemüsebeet ebenso auf  die Wildtiere wirken, habe ich noch nie getestet. Auf jeden Fall ist Vorsicht geboten, damit die Digitalis nicht mit dem Salat auf den Tisch kommt. Weil die Wirkung der Pflanze nicht zu unterschätzen ist, rate ich Ihnen von einem solchen Frassschutz dringend ab. Vielleicht können Sie Ihren Gemüsegarten einzäunen, um ihn vor den Wildtieren zu schützen.


Vertragen sich Petersilie und Schnittlauch?

Ist es wahr, dass sich Schnittlauch und Peterli im gleichen Beet nicht vertragen? Angeblich können sie sich dann nicht gut entwickeln.   
Walter Beyeler, Gerlafingen SO


Meister: Schnittlauch und Peterli sind meines Wissens gegenseitig neutral. Beispielsweise ist die Kombination Peterli mit Tomaten zusammen mit Kapuzinerkresse und Schnittsellerie ertragsfördernd – Peterli zusammen mit Kopfsalat jedoch ungünstig. Schnittlauch fördert die Bodenstruktur – wie alle Zwiebelgewächse. Er verträgt sich aber nicht gut mit diversen Erbsengewächsen. Grundsätzlich kann man folgende Regeln beachten:

  • Kreuzblütler vertragen sich nicht mit ihresgleichen, zum Beispiel Blumenkohl, Broccoli, Chinakohl, Goldlack, Kohlrabi, etc.
  • Hülsenfrüchtler haben Probleme mit ihresgleichen: etwa mit Bohnen, Erbsen, Linsen, Lupinen, Puffbohnen und Wicken.
  • Auch Doldenblütler vertragen «Verwandte» nicht: Beispielsweise Dill, Fenchel, Ker-bel, Kümmel, Liebstöckel, Pastinaken, Petersilie, Rüebli und Sellerie.

Allgemein laugen Kulturpflanzen den Boden aus: Ihre Wurzelausscheidungen beeinträchtigen das Wachstum, der Boden ermüdet. Und bei Monokultur wächst die Gefahr von Infektionen und Schädlingsbefall. Durch Fruchtfolge und Mischkulturen kann man dem abhelfen. Gute Nachbarn unter den Pflanzen halten dafür Schädlinge fern und verbessern Ertrag sowie Qualität von Gemüse und Kräutern. Über Mischkulturen gibt es eine ganze Reihe guter Literatur.


Gurken und Melonen – eine Platzfrage?

Ich pflanzte je einen Gurken- und Melonensetzling, die ich geschenkt bekam. Nur: Soviel ich weiss, brauchen diese kriechenden Gewächse viel Platz, den ich jedoch nicht habe. Darf ich sie während des Wachstums zurückschneiden? Falls ja, wie gehe ich vor?
Marianne Wydler, Winterthur ZH

Meister: Gurken- und Melonenpflanzen brauchen wirklich  viel Platz. Sie machen lange, kriechende Triebe. Diese kann man problemlos kürzen. Der Ertrag wird aber entsprechend kleiner. Schneiden Sie die Triebe erst, wenn sie bereits Blüten angesetzt haben, sonst tragen sie möglicherweise keine Früchte. Gurken lassen sich auch sehr gut an einem Gitter in die Höhe ziehen. Das hat den Vorteil, dass die Früchte gleichmässig reifen, von der Erde nicht verschmutzt werden und der Platzbedarf stark sinkt.

Für Melonen ist diese Zieh-Art ungeeignet, weil die Früchte zu schwer werden. Alternative: Gurken oder Melonen an einem nicht oder schlecht genutzten Platz im Garten pflanzen – sehr gut eignet sich der Kompost. Mit dieser Methode erreicht man zwei Ziele: Erstens ist der Komposthaufen oder -korb gut genutzt – die Pflanzen werden vom Kompost gut ernährt –, und zweitens wird dieser durch die Blattmasse schattiert.

15. August 2009


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Aprikosen, Blattläuse, Kräuter und Gemüse
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