Artikel | Haus & Garten 03/2009
So wird Gartenarbeit nicht zur Qual
Gärtnern tut der Seele gut. Mit den richtigen Geräten und einer guten Körperhaltung sind Arbeiten im Garten auch für den Rücken kein Problem.
on Frühling bis Herbst gibt es für viele Gartenbesitzer nichts Schöneres, als in ihrem grünen Paradies zu werkeln. Sie jäten und graben, schaufeln und pflanzen, giessen und schneiden – und muten ihrem Körper und vor allem dem Rücken einiges zu. Für diesen ist nämlich das ständige Bücken und Schleppen recht anstrengend und oft mit Schmerzen verbunden. Häufig wiederkehrende Fehlbewegungen können mit der Zeit zu Verspannungen, Muskelverhärtungen und Sehnenscheidenentzündungen führen.
Besonders für den Rücken ist die Haltung von entscheidender Bedeutung: Alle Bewegungen sollten mit möglichst geradem Rücken verrichtet werden (siehe unten). Sorgfältig ausgewählte Gartengeräte können Schmerzen beim Gärtnern vermeiden helfen. In Garten- und Hobbycentern sowie Fachgeschäften gibt es inzwischen eine grosse Auswahl an rücken- und gelenkschonenden Geräten (siehe unten).
- Unkrautstecher: Geradezu ein Klassiker in Sachen Ergometrie ist der rund ein Meter lange Unkrautstecher, auch Gartenkralle genannt. Mit diesem Gerät braucht man sich zum Jäten nicht zu bücken. Die Greifarme dringen tief in die Erde ein, und mit einer leichten Drehung wird das Unkraut samt Wurzel ausgerissen. Besonders effizient rückt man damit dem Löwenzahn zu Leibe.
- Die richtige Schere: Nebst dem Jäten ist das Schneiden eine der häufigsten Arbeiten im Garten. Umso wichtiger ist deshalb eine leistungsfähige Gartenschere. Dies kommt auch der Pflanze zugute, denn mit einer zu schwachen Schere gelingt kein sauberer Schnitt. Vielmehr quetscht man das Pflanzenteil zusammen und schafft damit Angriffsflächen für Schimmel, Fäulnis und Schädlinge.
Um Schmerzen in Sehnen und Nerven zu vermeiden, wählt man eine Gartenschere mit ergonomisch geformten Griffen. Diese liegen sicher in der Hand und verteilen den Druck grossflächig. Damit kann einer Sehnenscheidenentzündung vorgebeugt werden. Der abgewinkelte Schneidekopf nimmt Rücksicht auf die natürliche Haltung von Hand und Arm und ermöglicht den Zugang auch zu schwierigen Schnittstellen. Manche Hersteller bieten auch Gartenscheren speziell für Linkshänder an.
Für dickere Zweige und Äste sind zweihändige Scheren mit langem Stiel ideal. Einerseits braucht man sich damit weniger zu strecken oder zu bücken. Anderseits hat man mehr Kraft, weil man mit beiden Händen zupackt. Für höher gelegene Äste gibt es auch Astscheren mit ausziehbaren Teleskopgriffen. So kann man möglicherweise auf eine Leiter verzichten und damit auch das Risiko von Stürzen vermindern.
- Obstpflücker: Wer beim Ernten von Obst auf eine Leiter verzichten möchte, sollte sich einen sogenannten Obstpflücker anschaffen. Das Gerät besteht aus einem kreisförmigen, meist gezackten Metallring mit einem kleinen Sack, der den Apfel oder die Birne auffängt. Der Obstpflücker wird auf eine Teleskopstange montiert, mit der man Höhen bis zu fünf Meter erreichen kann.
- Der richtige Stiel: Bei Spaten, Schaufeln, Besen, Rechen usw. ist die Stiellänge entscheidend für das Arbeiten in aufrechter Haltung. In den Gartencentern gibt es Teleskopstiele, die sich der Körperlänge individuell anpassen und auf verschiedene Geräte montieren lassen. Bei länger dauernden Arbeiten spielt auch das Gewicht eine Rolle. Schwerere Geräte lassen einen schneller ermüden, weil mehr Kraftaufwand nötig ist.
Alu- statt Holzgriffe und ganz allgemein etwas kleinere Geräte können Abhilfe schaffen. Etwas gewöhnungsbedürftig ist eine Neuentwicklung einer deutschen Firma: Statt eines geraden Stiels wird die Schaufel, der Spaten oder die Gartengabel mit einem mehrfach gebogenen Stiel gehandhabt. Die verschiedenen Greifhöhen haben den Vorteil, dass man sich unabhängig von der Körpergrösse und Arbeitshöhe nicht bücken muss. Zudem dämpft die spezielle Stielform alle Schlag- und Stossbewegungen. Und man hat die Möglichkeit, Bewegungsabläufe zu variieren und damit den Rücken zu entlasten.
- Bewässern: Am einfachsten bewässert man den Garten mit einem Schlauch. Falls dies nicht möglich ist, sollte man den Weg lieber zweimal gehen, als eine randvolle und entsprechend schwere Giesskanne durch den Garten zu schleppen. Die Alternative: Zwei Giesskannen benutzen, diese jedoch nur halb füllen. Es gibt auch spezielle Giesskannen, die einen zweiten, beweglichen Griff haben, sodass man die Kanne mit beiden Händen tragen kann.
- Schubkarre: Für Hebe- und Transportarbeiten im Garten ist eine Schubkarre unerlässlich. Besonders leicht sind die faltbaren Modelle aus Aluminium, die mit einem strapazierfähigen Gewebe bespannt sind.
- Hocker und Hochbeete: Arbeiten am Boden wie zum Beispiel das Anpflanzen lassen sich bequemer erledigen, wenn man einen kleinen Hocker zu Hilfe nimmt. Diese gibt es auch als Rollhocker mit grossen Reifen für unebenes Gelände. Praktisch sind Hochbeete, an denen man sämtliche Pflanz-, Pflege- und Erntearbeiten stehend ausführen kann (siehe auch Haus & Garten 2/09).
Mähen: Ums Rasenmähen kommt kein Hobby-Gärtner herum. Ein Rasenmäher mit geringem Eigengewicht erleichtert die Arbeit ebenso wie ein individuell einstellbarer Holm. Auch das Gewicht des Auffangkorbes darf nicht unterschätzt werden. Allenfalls lässt man diesen einfach weg. Kurzer Rasenschnitt kann nämlich auch liegen gelassen werden. Die Grasspitzen verrotten sehr schnell und wirken so als Dünger.
Grundsätzlich gilt ohnehin: Zu häufiges Mähen tut dem Rasen nicht gut, denn wenn die Halme zu kurz sind, verliert der Boden Feuchtigkeit und trocknet schneller aus.
Vor dem Kauf testen: Auch wenn Geräte unter der Bezeichnung «ergonomisch», «rückenschonend» oder ähnlich angepriesen werden, sollte man sie vor dem Kauf immer erst testen. Konkret: Simulieren Sie die Bewegungen eines Arbeitsganges und prüfen Sie dabei, wie das Gerät in der Hand liegt, wie schwer es ist und wie sich der Umgang damit anfühlt.
Auf die richtige Haltung kommts an
- Gerader Rücken: Den Rücken immer gerade halten. Wer sich bücken muss, tut dies nicht mit durchgestreckten Beinen, sondern geht mit geradem Rücken in die Hocke.
- Abwechslung: Ständig gleiche Bewegungen sind nicht gut für den Rücken. Besser, man wechselt mit den Tätigkeiten ab. Also zwischen dem Umgraben der Beete den Rasen mähen, um den Rücken weniger oder anders zu belasten.
- Abstützen: Langes Arbeiten in den Knien oder in der Hocke vermeiden. Arbeiten in gebückter Position belasten die Bandscheiben. Und beugt man den Kopf zu sehr nach unten, kann die Halswirbelsäule überstrapaziert werden. Für Arbeiten in Bodennähe den einen Fuss aufstellen und den Arm auf dem Oberschenkel abstützen. Das entlastet den Rücken. Um den Druck vom Knie des anderen Beines zu nehmen: Kissen oder speziellen Knieschoner verwenden.
- Richtige Position: Der Körper sollte immer frontal dem Arbeitsfeld zugedreht sein – also dem Busch, der geschnitten werden muss, oder dem Beet, das bepflanzt werden will. Verrenkungen des Oberkörpers vermeiden, ebenso plötzliche, ruckartige Bewegungen.
- Nahe am Körper: Gewichte körpernah tragen. Dazu geht man aus der Schrittstellung in die Knie, fasst den Gegenstand und streckt dann die Beine. Schwere Lasten zu zweit heben. Bei der Schubkarre stellt man sich zwischen die Holme, fasst diese, geht in die Knie und hebt die Karre mit geradem Rücken.
- Arbeit dosieren: Statt an einem Weekend einen «Gartenmarathon» zu veranstalten, Arbeiten über die Woche verteilen. Das schont den Rücken.
Bezugsquellen der Geräte
- Unkrautstecher zum Beispiel von Bakker, ca. Fr. 80.–, www.bakker.ch
- Rollgriff-Gartenschere PowerGear von Fiskars, ca. Fr. 40.–, www.fiskars.ch
- Teleskop-Ratschen-Astschere von Westfalia, ca. Fr. 40.–
Faltbare Schubkarre Fr. 80.– (nicht das zugehörigen pdf-Artikel abgebildete Modell).
Astschere und Schubkarre bei: www.westfalia-versand.ch
- Combisystem-Obstpflücker von Gardena, ca. Fr. 24.–, www.gardena.ch
- Schaufel mit S-förmigem Griff von Ergobase, ca. Fr. 120.–, zu bestellen über www.ergobase.com (in der Schweiz nicht erhältlich)
- Gartenschürze gewachst von Manufactum, ca. Fr. 85.–, www.manufactum.ch
- Giesskanne Ergo Can von Waschbär, ca. Fr. 33.–, www.waschbaer.ch
Die meisten Geräte oder ähnliche Modelle gibts auch in Bau- und Gartencentern.
15. August 2009 | Marianne Siegenthaler
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