Artikel | Haus & Garten 03/2009
Steinzeit im Garten
Naturstein ist urig, langlebig und schön. Und er eignet sich hervorragend, um Wege, Plätze und Mauern im Garten natürlich zu gestalten.
Zu einem Garten gehören nicht nur gesunde Pflanzen, sondern auch eine klare Aufteilung der unterschiedlichen Bereiche. Bei der Wahl der Materialien für Wege, Sitzplätze und Mauern ist das Spektrum breit. Wer sich für Naturstein entscheidet, muss masshalten können: «Steht der Naturstein in einem guten Verhältnis zu den Pflanzen, wirkt er harmonisch und ausgleichend», sagt Tom Wizemann vom Gartenbauunternehmen Salamandra in Bern, das auf Naturgärten und Trockenmauern spezialisiert ist. Bei der Gestaltung des Gartens stehen meist persönliche Vorstellungen und Wünsche im Vordergrund, doch sind bei der Wahl des Natursteins auch andere Aspekte zu beachten:
- Gartenstil: Bei der Auswahl des Steins gilt es auf die Architektur des Hauses und den angestrebten Gartenstil zu achten. Wurde im Innenbereich ein bestimmter Naturstein verarbeitet, unterstreicht man mit demselben Material im Garten die Linienführung. «Mit einer anderen Gesteinsart kann man hingegen interessante Spannungen erzeugen», erklärt Wizemann.
- Frostbeständigkeit: Nicht alle Gesteinsarten überleben die hiesigen Wetter- und Temperaturschwankungen ohne Bruch. «Die Wahl eines Steins aus der nahen Umgebung hat neben ökologischen Gründen wie kurze Transportwege den Vorteil, dass er garantiert frostbeständig ist», sagt Hans-Jakob Bärlocher, Präsident des Verbands der Schweizer Naturstein-Produzenten. Die Schweiz hat dabei mit Sandstein, Kalkstein, Granit und Quarzit in unterschiedlichen Farben und Strukturen einiges zu bieten.
- Wirkung: Schattige Gärten erhalten mit Plätzen und Wegen aus hellem Gestein eine freundlichere Ausstrahlung. Bei der Wahl sollte man sich jedoch informieren, wie der Stein im Lauf der Zeit verwittert: «Heller Jurakalk etwa wird innerhalb von drei Jahren dunkel, und der gewünschte Effekt geht damit verloren», sagt Landschaftsgärtner Tom Wizemann. Dunkler Stein verfärbt sich kaum, ist aber für Sitzplätze und Wege schlecht geeignet, wie Hans-Jakob Bärlocher erklärt: «An sonnigen Standorten heizt er sich extrem auf und ist ohne Schuhe kaum mehr begehbar.»
Grobe Oberfläche sorgt für Trittsicherheit
Je nach Nutzung können die Steine unterschiedlich bearbeitet sein. «Bei Gartenplatten ist die Oberfläche oft nicht geschliffen oder poliert, sondern eher grob bearbeitet, um rutschhemmend zu wirken», so Bärlocher. Das bedeutet aber auch, dass der Naturstein unter Umständen anders aussieht als die polierte Variante. Vor dem Kauf sollte man sich deshalb unbedingt ein Muster des Steins mit der gewünschten Oberflächenstruktur ansehen. Üblich sind im Garten:
- Unregelmässig: Gebrochene oder grob behauene Natursteine eignen sich kaum für Sitzplätze und Wege: «Die unregelmässige Oberfläche kann zur Stolperfalle werden», sagt Bärlocher. Solche Steine sind deshalb eher für rustikale Wände oder Trockensteinmauern geeignet.
- Geflammt: Beim Flammen wird die geschliffene Oberfläche für kurze Zeit einer grossen Hitze ausgesetzt; härtere Bestandteile werden dabei herausgelöst und es entsteht eine gleichmässige Struktur. Geflammte Oberflächen zeichnen sich durch eine hervorragende Rutschfestigkeit aus und sind deshalb gut für Wege und Sitzplätze geeignet.
- Gesägt: Gesägte Oberflächen ermöglichen eine ebe-ne Lauffläche. Sie können mit unterschiedlichen Schlagflächen wie Spitzeisen und Stockhammer zusätzlich grob bearbeitet werden, sodass verschiedene Strukturen entstehen.
- Patina: Bei der Wahl der Oberflächenbehandlung sollte man nicht nur auf die optische Wirkung achten, sondern auch auf die Pflegeleichtigkeit. Je «offener» die Oberfläche ist, desto höher ist die Gefahr der Verschmutzung und der Aufwand für Schutz und Pflege des Steins. Die Reinigung mit Wasser, Bürste oder Hochdruckreiniger ist jedoch nicht zwingend notwendig. Tom Wizemann: «Naturstein gewinnt durch die natürliche Patina, die sich im Laufe der Zeit bildet, von Jahr zu Jahr an Schönheit.»
«Fair Stone»: Bei Importstein Auf das Label achten
Laut Schätzungen stammen rund 80 Prozent der Natursteine, die in der Schweiz im öffentlichen und privaten Raum eingesetzt werden, aus dem Ausland. Woher genau, das lässt sich nur schwer sagen. Denn auf die Import-Statistiken ist kein Verlass. So werden zum Beispiel Steine aus China als Import aus Deutschland deklariert, weil sie in deutschen Häfen entladen werden.
Das Problem dabei: In den Steinbrüchen der wichtigsten Importländer wie Vietnam, Indien und China herrschen oft unmenschliche Arbeitsbedingungen. Kinderarbeit, ausbeuterische Löhne und 70-Stunden-Wochen gehören vielerorts zum Arbeitsalltag. Seit diesem Jahr werden Steinbrüche, Handels- und Weiterverarbeitungsbetriebe sowohl von exportierenden als auch importierenden Ländern mit dem internationalen Label «Fair Stone» ausgezeichnet. Ähnlich wie die FSC-Zertifizierung beim Holz soll «Fair Stone» einen fairen Abbau und Handel von Natursteinen garantieren.
«Beim Kauf von Natursteinen aus Brüchen ausserhalb Europas sollte man auf dem Label bestehen», rät Christian Engeli, Pressesprecher des Schweizerischen Arbeiterhilfswerks SAH. Allerdings: Das Label ist in der Schweiz noch wenig verbreitet. «Kunden sollten explizit nachfragen», empfiehlt Engeli. Damit steige auch der Druck auf die Schweizer Händler, zertifizierte Steine anzubieten. Oder man wählt einheimische Gesteinsarten. Das macht auch aus ökologischen Überlegungen Sinn. Allerdings: Schweizer Stein ist je nach Art rund 10 bis 50 Prozent teurer als Importware.
Weitere Infos: fairstone
Buchtipps:
- David Reed: «Gartengestaltung mit Naturstein», Callwey Verlag 2009, Fr. 50.90.
- Volker Friedrich: «Alles über Naturstein und seine Verwendung im Garten», Eugen Ulmer Verlag 2007, Fr. 64.90.
15. August 2009 | Helen Weiss
- Beitrag als PDF
-
Steinzeit im Garten
Download PDF 36 KB