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Artikel | Haus & Garten 03/2009

Wertvolle Möbel – sanft gepflegt

Wer lange Freude an seinen Möbeln haben möchte, sollte sie fachgerecht pflegen. Das beginnt bereits beim Einrichten.

Egal, ob Jugendstil-Sekretär, Biedermeier-Kommode oder alter Bauernschrank: Ein Möbelstück aus Holz darf seine Altersspuren ruhig zeigen. Das heisst aber nicht, dass man auf Reinigung und Pflege verzichten kann. Schliesslich möchte man die Antiquität trotz Patina in gutem Zustand erhalten.

  • Konstantes Raumklima: Die wichtigsten Voraussetzungen dafür, dass antike Möbel lange schön bleiben, sind ein konstantes Raumklima und vor allem eine gleichbleibende Luftfeuchtigkeit. Nichts setzt dem Holz mehr zu als zu trockene Luft. Sie entzieht der Umgebung und damit auch dem Holz Feuchtigkeit. Die Folge: Es verzieht sich, es entstehen Risse. Das passiert vor allem im Winter, weil die relative Luftfeuchtigkeit durch das Heizen oft nur noch zwischen 20 und 30 Prozent liegt. Für das Holz ideal wären aber rund 50 Prozent. In Räumen mit wertvollen  Holzmöbeln sollte man deshalb im Winter einen Hygrometer aufhängen und der Luftfeuchtigkeit allenfalls mit einem Luftbefeuchter nachhelfen. Gute Hygrometer gibts in Bau- und Hobbymärkten schon für weniger als 100 Franken.
  • Richtige Platzierung: Natürlich stellt man das edle Stück nicht vor einen Heizkörper oder neben das Cheminée. Schränke und andere grosse Möbel sollten auch nicht direkt an eine Aussenwand platziert werden, weil sich Schimmel bilden könnte. Damit die Luft genügend zirkulieren kann, lässt man einen Zwischenraum von einigen Zentimetern zwischen Wand und Möbel. Die Möbelstücke sollten möglichst nicht direktem Sonnenlicht ausgesetzt sein, da es Holzoberflächen ausbleichen kann. Aus diesem Grund stellt man Bücher, Nippes und Ähnliches besser nicht über eine längere Zeit auf eine sonnenbeschienene Fläche, weil Muster und Ränder entstehen können.
  • Verschiedene Holz-Feinde: Ganz allgemein ist ein sorgfältiger Umgang mit den Oberflächen wichtig. Scharfkantige Gegenstände können hässliche Kratzer verursachen. Unter massive Kerzenständer beispielsweise gehört ein Untersatz – zum Schutz der empfindlichen Oberfläche. Ein weiterer Feind des Holzes ist der Holzwurm. Er kann alten Möbeln grossen Schaden zufügen. Wichtig ist deshalb, dass man die Schubladen von Kommoden und die Rückwände von Schränken immer mal wieder kontrolliert. Ist der Holzwurm am Werk, hinterlässt er kleine Häufchen aus Holzmehl.

    Um die Holzschädlinge zu bekämpfen, gibt es in Baucentern oder Drogerien verschiedene gebrauchsfertige Produkte. Als wirksames Hausmittel gelten Eicheln, weil deren Geruch die Holzwürmer anlockt. Trotzdem muss das Möbel auch dann regelmässig auf Holzwürmer kontrolliert werden. Die Eier sind nämlich wesentlich resistenter als die Holzwürmer. Und kaum sind die Larven ausgeschlüpft, geht es mit der Plage von Neuem los.
  • Trocken abstauben: Die regelmässige Reinigung des Möbels ist keine grosse Sache: Ein sauberes, trockenes oder wirklich nur nebelfeuchtes Tuch zum Abstauben genügt. Möbel mit reliefartigen Schnitzereien können auch sorgfältig mit dem Staubsauger vom Staub befreit werden. An schlecht zugänglichen Stellen hilft ein Pinsel. Von handelsüblicher Möbelpolitur, Abstaubsprays und Ähnlichem sollte man besser die Finger lassen. Viele Produkte enthalten Stoffe, die sich möglicherweise nicht mit den älteren Rezepturen auf antiken Möbeln vertragen.
  • Oberfläche prüfen: Falls man das Möbel aufpolieren will, muss man wissen, womit die Holzoberflächen behandelt wurden. Längst nicht jeder Überzug verträgt sich mit jedem Polier- oder Auffrischungsmittel. Und auf Universalprodukte, die gemäss Packungsangabe für jede Möbeloberfläche geeignet sind, verzichtet man gerade bei wertvollen Möbeln ohnehin besser. Für einen Laien ist es allerdings oft nicht einfach zu erkennen, womit das Holz einst behandelt wurde. Grundsätzlich unterscheidet man gewachste, geölte und lackierte Möbel.
  • Gewachste Möbel: Gewachste Oberflächen erkennt man an ihrem matten Glanz. Fährt man darüber, fühlen sie sich wie Samt an. Im Gegensatz zu Öl zieht Wachs nicht so tief in das Holz ein und bildet auf der Oberfläche eine schützende Schicht. Diese erträgt keine hohen Temperaturen etwa von heissen Kochtöpfen. In Sachen Wasser sind gewachste Oberflächen nicht so empfindlich wie geölte, sollten aber trotzdem nicht zu feucht gereinigt werden. Regelmässiges Nachwachsen ist nur nötig, wenn die Oberfläche intensiv gebraucht wird.

    Allfällige Griffspuren, beispielsweise an Schubladen, lassen sich meist mit einem harten Radiergummi entfernen. Wird eine neue Wachsschicht aufgetragen, geht man folgendermassen vor: Festes Wachs mit einem Tuch in die Holzoberfläche einarbeiten, danach mit einem Tuch oder einer weichen Bürste polieren. Flüssiges Holzwachs wird je nach Herstellerangaben ein- bis zweimal aufgetragen. Danach überschüssiges Wachs entfernen und mit Tuch oder Bürste nachbehandeln.
  • Öl – fast wie unbehandelt: Geölte Holzoberflächen zeichnen sich dadurch aus, dass sie ganz ähnlich aussehen wie unbehandeltes Holz. Oft wird die Wirkung der natürlichen Maserung durch die Behandlung verstärkt. Öl macht die Oberflächen widerstandsfähiger gegen Feuchtigkeit und andere Beanspruchungen. Um diesen Schutz zu erhalten, sollte man diese Möbel keinesfalls mit Spülmitteln reinigen. Auch stehendes Wasser auf der Oberfläche zerstört den Schutz.

    Stark beanspruchte Möbel wie Esstische sollten ein- bis zweimal pro Jahr nachgeölt werden. Im Handel sind verschiedene Produkte erhältlich. Meist muss man solche Mittel mit einem weichen Lappen in Faserrichtung ins Holz einarbeiten. Nach einigen Minuten kann überschüssiges Öl entfernt werden. Vorsicht: Ölgetränkte Materialien können sich selber entzünden. Deshalb muss man den Lappen nach Gebrauch in einem verschliessbaren Metallgefäss aufbewahren – oder im Freien auf nicht brennbarem Untergrund trocknen lassen. Danach entsorgt man ihn mit dem normalen Hauskehricht.
  • Lackierte Holzoberflächen: Sie sind recht unempfindlich, denn der Lack versiegelt das Holz, sodass weder Schmutz noch Feuchtigkeit in die Poren eindringen können. Man darf diese Möbel also auch mit einem feuchten – aber niemals nassen – Tuch reinigen. Allerdings vertragen solche Oberflächen keine scheuernden Mittel. Besonders heikel ist Hochglanzlack. Auf diesen Möbeln sieht man den kleinsten Kratzer. Zum Auffrischen verwendet man eine spezielle Hochglanzpolitur. Manche Produkte können kleine Kratzer oder Flecken sogar unsichtbar machen.

    Eine Versiegelung des Holzes mittels Schellack kennt man heute vor allem bei Klavieren und Flügeln. Schellack wird aus Ausscheidungen der Lackschildlaus hergestellt. Dann wird durch mehrfaches Auftragen und Polieren des Lacks eine spiegelglatte, harte und hochglänzende Oberfläche geschaffen. Sie reagiert empfindlich auf Alkohol, deshalb sollte auf alkoholhaltige Pflegemittel verzichtet werden. Öl- und silikonhaltige Pflegemittel sind ebenfalls ungeeignet, weil die Inhaltsstoffe durch kleinste Haarrisse in die Holzoberfläche eindringen und dort Flecken bilden können.



Grössere Schäden und ihre Ursache

  • Oberfläche mit Graustich: Zu viel Feuchtigkeit  –  beispielsweise durch zu häufiges feuchtes Reinigen – hinterlässt Kalkrückstände unter der Politur.
  • Haarrisse im Lack: Spröder Lack bewegt sich nicht mit, wenn das Holz arbeitet, und reisst. Möglicherweise ist aber auch die Luft so trocken, dass selbst elastischer Lack den Schwund nicht mitmacht.
  • Der Lack ist vergilbt: Trifft zu viel Sonnenlicht auf die Oberfläche, kann sich der Lack gelblich verfärben.
  • Weisse Flecken oder Ränder: Sie entstehen durch konzentriertes Einwirken von Feuchtigkeit, etwa durch eine nicht hundertprozentig dichte Blumenvase oder Wassergläser.


All diese Schäden kann man nicht selber reparieren. Die Möbel gehören in die Hand  erfahrener Fachleute. In der Regel sind das Schreiner mit einer Weiterbildung als Möbelrestaurator.

15. August 2009 | Marianne Siegenthaler


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