|
(0) |
Die 81-jährige Margrith Zwahlen wollte sich auf Elba erholen. Doch schon am Tag der Ankunft landete sie im Spital. Ärzte warnen: Für Senioren ist Reisen anstrengend und gefährlich. Wichtig ist eine gute Vorbereitung.
Sonne, Sand und Meer wollte die 81-Jährige geniessen – doch Margrith Zwahlen aus Interlaken BE kam im letzten September auf Elba nicht einmal bis zum Strand. Nach der langen Carfahrt wollte sie aufs Hotelzimmer gehen, den Rollkoffer zog sie hinter sich her. Eine wackelige Stufe, die provisorisch aus Holz gezimmert war, kam ihr dazwischen. Sie verlor den Halt – und stürzte auf den Steinboden.
«Mein Bein war völlig verdreht», erinnert sich Margrith Zwahlen. Die Hüfte war zertrümmert, auch Kopf und Arm waren verletzt. Sanitäter brachten die Verunglückte in ein Spital auf Elba. Ihr Partner rief die Rega. So flog ein Ambulanzjet die Patientin zurück nach Interlaken, wo die Ärzte sie mehrfach operierten. Heute kann sie wieder gehen – allerdings nur an einer Krücke.
Senioren unterschätzen die Anstrengungen von Reisen
Wie Margrith Zwahlen geht es vielen Senioren. Sie finden auf Reisen keine Erholung – sondern haben Unfälle oder werden krank. Im letzten Jahr holte die Rega 430 über 65-Jährige zurück in die Schweiz – jedes Jahr sind es mehr. Rega-Arzt Urs Kemmler sagt: «Immer wieder überschätzen sich Senioren.» Denn Pensionäre von heute fliegen in den Süden oder gönnen sich eine Kreuzfahrt in der Karibik. Sie wandern Hunderte von Kilometern über den Jakobsweg oder besteigen den Berg Sinai in der ägyptischen Wüste. Weniger rüstige Senioren steigen gern in den Reisebus, um etwas zu erleben. Doch: «Sie machen sich falsche Vorstellungen von Städtefahrten und Carreisen», sagt Rega-Arzt Kemmler. Auch Busfahrten sind anstrengend und bergen Risiken für die Gesundheit. Schlimmstenfalls sind die Folgen lebensgefährlich.
Medikamente können bei Klimawechsel anders wirken
Denn älteren Menschen setzten die Strapazen einer Reise mehr zu als jüngeren – selbst wenn sie sich fit fühlen. Auf Gluthitze, grosse Höhe oder schlechte hygienische Umstände reagiert der Körper empfindlicher. Die Gründe:
Im Notfall ist Hilfe oft weit weg. Rega-Arzt Urs Kemmler berichtet: «In den meisten Ländern, sogar in Europa, entspricht die medizinische Versorgung nicht dem in der Schweiz gewohnten Standard – besonders ausserhalb grosser Städte.» Auch bei komfortablen Pauschal-Angeboten sind Reisende nur so lange rundum versorgt, wie sie gesund sind. Die Zürcher Reiseärztin Danielle Gyurech: «Wer in eine Touristen-Hochburg in Ägypten oder Tunesien fliegt, reist in ein Entwicklungsland, das medizinisch nicht gut versorgt ist.»
Auch wenn ein Arzt da ist, steht oft die Sprache im Weg. Das könne zum Beispiel in Spanien passieren, so die Erfahrung Urs Kemmlers: «Im Hotel sprechen viele Angestellte Deutsch – im Krankenhaus aber sprechen Ärzte und Pfleger nur Spanisch und allenfalls etwas Englisch.» Trotz dieser Risiken müssen Senioren nicht auf das Reisen verzichten, sagt Christoph Hatz, Leiter der Abteilung für übertragbare Krankheiten und Reisemedizin der Universität Zürich: «Aber sie sollten sich gründlich auf die Reise vorbereiten.» Wichtig sei es, frühzeitig zum Hausarzt zu gehen: «Er kann die möglichen Probleme des Patienten am besten einschätzen.»
So gut vorbereitet geniesst auch Beatrice Hirzel aus Wetzikon ZH noch weite Reisen. Als 86-Jährige flog sie nach Chile. Ihr Trick: «Ich reise nur dahin, wo ich Freunde habe. Bei ihnen wohne ich und sie kennen sich aus im Land.» Derzeit plant Beatrice Hirzel bereits wieder eine weite Reise: nach New York.
Tipps: So schützen sich Senioren auf Reisen
Informationen im Internet:
29. Juni 2009 | Ines Vogel, Redaktion Gesundheitstipp