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Artikel | saldo 12/2009

Privat und halbprivat kann sich kaum jemand mehr leisten

Immer mehr Schweizerinnen und Schweizer entscheiden sich für eine flexible Spital-Zusatzversicherung. Nicht bewährt hat sich dagegen die Hotelversicherung.

Schuld sind die hohen Prämien in der Krankenkassen-Grundversicherung: Die Anzahl Spital-Zusatzversicherungen in der Schweiz nimmt laufend ab. 1997 hatten gemäss der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht 522'025 Versicherte eine Privat-Zusatzversicherung abgeschlossen, zehn Jahre später waren es nur noch 486090. In der halbprivaten Versicherung sank die Anzahl Versicherter von 1'172'258 im Jahr 1997 auf 996'615 im 2007.

«Die obligatorische Grundversicherung wird immer teurer. Daher lassen die Leute weg, was sie weglassen können», erklärt Stefan Thurnherr vom Vermögenszentrum in Zürich. Diese Tendenz werde sich im Herbst weiter verschärfen.


Flex-Versicherungen: Ältere Prämienzahler häufig abgelehnt

Eine Ausnahme bilden die flexiblen Spital-Versicherungen, die teils markant zugelegt haben. Bei der CSS hatten sich vor fünf Jahren erst 29'944 Versicherte für diese Variante entschieden, heute sind es bereits 86'001 Versicherte. Bei einer Flex-Versicherung entscheidet der Kunde erst beim Spitaleintritt, wo er liegen will: im privaten Einzelzimmer, im halbprivaten Doppelzimmer oder in der allgemeinen Abteilung. Je nach Wahl bezahlen die Patienten einen bestimmten Anteil der Spitalkosten selber. Dafür haben die Flex-Modelle im Vergleich zu Privat und Halbprivat eher günstige Prämien.

Trotzdem sind sie nicht für alle geeignet: Frauen erhalten im ersten Versicherungsjahr bei vielen Kassen keine Mutterschaftskosten erstattet. Zudem kann nicht jeder in eine Flex-Versicherung wechseln: Personen über 60 respektive 65 Jahre oder mit bestehenden gesundheitlichen Problemen werden oft nicht aufgenommen.


Hotelversicherung hat sich nie recht durchsetzen können

Weniger Erfolg war in den letzten Jahren der Hotelversicherung beschieden: Hier erkauft sich der Versicherte das Recht, bei einem Spitalaufenthalt in einem Einer- oder Zweierzimmer zu liegen. Gleichzeitig verzichtet er aber auf die freie Arztwahl und lässt sich weiterhin von Ärzten aus der allgemeinen Abteilung behandeln. «Dieses Modell konnte sich nie richtig durchsetzen», sagt Thurnherr. Das bestätigen die Krankenkassen: «Unsere Hotellerie-Produkte finden nur in bescheidenem Masse Anklang, da die freie Arztwahl einem grösseren Bedürfnis entspricht als die Zimmerwahl», erklärt Matthias Wipf von der Helsana.

Eine geringe Nachfrage verzeichnet auch die Sanitas, die solche Produkte seit einigen Jahren nicht mehr aktiv anbietet. Noch einen Schritt weiter geht die CSS, die ihre Hotelversicherung mittlerweile ganz aus dem Programm gekippt hat. «Das Angebot beschränkte sich auf immer weniger Spitäler, die mit uns einen Vertrag abschliessen wollten. Daher war das Produkt für die Versicherten nicht mehr attraktiv genug », führt Sprecherin Sandra Winterberg aus.

Prämienvergleich zu den Flex-Versicherungen

21. Juni 2009 | Sabine Knosala


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