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Artikel | saldo 12/2009

CD- / DVD-Tipps

Der Spielfilm «It’s a free world» ist eine spannende und vielschichtige Sozialkritik. Nun erscheint das Werk von Regisseur Ken Loach auf DVD.


Das System macht korrupt

Im Zentrum dieser Geschichte des 72-jährigen englischen Regisseurs Ken Loach steht die alleinerziehende Mutter Angie (Kierston Wareing). Von einem Tag auf den anderen verliert sie ihren Job als Arbeitsvermittlerin, weil sie sich den sexuellen Belästigungen ihres Chefs widersetzt. Angie beschliesst deshalb, zusammen mit ihrer Kollegin Rose (Juliet Ellis) eine eigene Agentur zu gründen.

Die beiden versuchen, billige Arbeitskräfte aus Osteuropa als Taglöhner zu vermitteln. Doch das grosse Geld bleibt aus. Nach und nach kommt Angie selber in Versuchung, sich mit gesetzwidrigen Geschäftspraktiken zu behaupten. Sie stellt illegale Arbeitskräfte ein und behält das Geld für sich und ihren Sohn. Damit schafft sie sich schnell Feinde.

«It’s a free world» ist eine überzeugende Kapitalismuskritik, weil sich Ken Loach keinen hohen Firmenboss oder Banker als Zielscheibe ausgesucht hat. Angie ist selbst ein Opfer des Systems und setzt sich durch, da sie auf die gleichen Strategien setzt, unter denen sie selbst leidet.

Regisseur Loach macht deutlich, wie sehr die gesellschaftlichen Zwänge Menschen korrumpieren können. Der Einzelne trägt zwar eine Verantwortung für sein Handeln, letztlich kann ihn jedoch das System zur Rücksichtslosigkeit zwingen. Entstanden ist ein vielschichtiges Filmporträt, das durch seine authentische Erzählweise besticht: Es lebt besonders dank der ausdrucksstarken Hauptdarstellerin Kierston Wareing. Sie spielt die Figur Angie hart und kompromisslos, ohne dass sie dafür ihre Rolle als Sympathiefigur verliert.

«It’s a free world». Ein Film von Ken Loach. England, Italien, Deutschland, Spanien 2007. 92 min. Anbieter: Impuls, 2009.


CD-Tipps

Pop/Rock: Altherren lassen es krachen

Was tun alternde Rockstars, die an Unterbeschäftigung leiden? Richtig, sie gründen zusammen mit anderen Rocklegenden eine neue Supergruppe. So geschehen bei der Band Chickenfoot, bestehend aus dem Saitenvirtuosen Joe Satriani (ex Deep Purple), der Rockröhre Sammy Hagar und dem Bassisten Michael Anthony (beide ex Van Halen) sowie Drummer Chad Smith (Red Hot Chili Peppers). Die Erwartungen kann das US-Quartett auf seinem Debüt mühelos erfüllen: elf kraftvolle Hardrock-Nummern, die der Tradition verpflichtet sind und zugleich mit moderner Politur glänzen. Zum Glück hält sich Ausnahmegitarrist Satriani mit Kabinettstückchen zurück. Ein Vergnügen für Genre-Fans.

Chickenfoot, «Chickenfoot», Ear/Phonag


Klassik: Röntgenblick auf Händel

Händels Musik diente im Barock oftmals zur Untermalung pyrotechnischer Spektakel. So auch «The Musick for the Royal Fireworks», die bei der Feier für den Frieden von Aachen 1749 in London uraufgeführt wurde, ein Anlass, der mit einem Brand endete. Das italienische Ensemble Zefiro lässt mit der neuen Einspielung der «Feuerwerksmusik» und der drei Chor-Konzerte allerdings nichts anbrennen. Auf Genauigkeit und schlanke Klanggebung bedacht, sorgt es für Klarheit und Verständlichkeit. Zwischenstimmen werden plötzlich überdeutlich, die üblicherweise im tumultuösen Klangspektakel untergehen: «Zefiro» musiziert mit einer Art Röntgenblick.    

G. F. Händel, «The Musick for the Royal Fireworks», Zefiro, Deutsche Harmonia Mundi


Jazz: Freunde fürs Leben

Bei dieser vom Pop-Art-Künstler Peter Max verunzierten CD-Hülle lautet die Devise: Augen zu, Ohren auf! Gary Burton gehörte zu den ersten Jazzmusikern, die sich für Einflüsse aus Pop, Rock und Country öffneten. 1974 holte der Vibrafonist den Gitarristen Pat Metheny in seine Band. 2007 unternahmen die virtuosen Mega-Melodiker eine Reunion-Tournee: Mit Steve Swallow, der den Bass-Part in den Bands von Burton von 1966 bis 1987 übernahm, und dem Schlagzeuger Antonio Sanchez. Ihnen gelang das Kunststück, nahtlos an alte Zeiten anzuknüpfen, ohne alt zu klingen. Damit schufen sie einen wichtigen Beitrag zur Rehabilitierung des vielgeschmähten Jazz der 70er-Jahre.    

Burton, Metheny, Swallow, Sanchez, «Quartet Live», Concord/Universal

21. Juni 2009 | Marc Mair-Noack, thl, trü, tom


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CD- / DVD-Tipps
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