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Artikel | saldo 12/2009

Erzwungener Fonds-Ausstieg: Geprellt sind die Anleger

Immer mehr Fonds rentieren für die Banken nicht mehr und werden aufgelöst. Die Folgen für die Anleger: Sie müssen ihre Verluste realisieren und verlieren oft zusätzlich durch einen schlechten Wechselkurs.

Die Fonds tragen schwer verständliche Namen: Zum Beispiel der «Mi-Fonds (CH) Smaller Stock Europe (EUR) B». Er hat im Jahr 2008 fast 54 Prozent an Wert eingebüsst. Und auch im laufenden Jahr verlor der Fonds für Aktien von europäischen Kleinunternehmen weiter an Wert: Bis Ende April nochmals 1 Prozent. saldo-Leser Urs Keller ist einer der betroffenen Anleger.

Er ärgert sich über die massiven Verluste. Aber nicht nur das: Der Berater der Migros Bank hatte Keller zwar seinerzeit empfohlen, den Fonds 10 Jahre zu halten. Doch so weit kommt es nun nicht – durch einen Entscheid der Bank: Ende Mai teilte sie Keller mit, dass sein Fonds aufgelöst wird. «Grund für die Liquidation ist das zu kleine Volumen, das ein kostengünstiges Fondsmanagement nicht mehr gewährleistet», so die Erklärung der Bank. Das Fondsvolumen betrug am Schluss noch 10 Millionen Euro.


Alternativangebot: Fonds in einer anderen Währung

Die Migros Bank schlug Keller vor, sein restliches Anlagevermögen in einen anderen Fonds mit «vergleichbarem Profil» umzuschichten. Keller lehnte das Angebot ab. Denn er würde durch den Transfer nochmals Geld verlieren. Die Referenzwährung des alten Fonds ist nämlich der Euro, die des neuen der Franken. Seine Euro-Anteile hatte Keller im April 2007 zu einem Kurs von 1.65 erworben – deutlich weniger als der jetzige Devisenkurs von 1.51. Zudem missfällt Urs Keller, dass beim vorgeschlagenen Aktienfonds die UBS für die Fondsleitung zuständig ist.

Die Liquidation des Mi-Fonds Smaller Stock Europe B ist kein Einzelfall. Swisscanto, die Anlagepartnerin der Kantonalbanken, hat am 12. Juni die Schliessung von vier Aktienfonds bekannt gegeben. Die tiefen Fondsvermögen würden diesen Schritt erforderlich machen, behauptet Swisscanto. Auf lange Sicht könnten sonst «die effiziente Verwaltung und nötige Risikodiversifikation für die Anleger leiden». Auch hier wird den betroffenen Kunden der Transfer ihres Restgeldes in einen bestehenden Aktienfonds mit Schweizer Franken als Referenzwährung vorgeschlagen. Allerdings weist der neue Fonds ein deutlich anderes Profil auf als die vier bisherigen. Und ein Wäh-rungswechsel ist ebenfalls nötig.


Fondsleiter liquidieren lieber, als eine Zeit lang Verluste zu schreiben

Genaue Zahlen über die geschlossenen Fonds gibt es nicht. Der Geschäftsführer der Branchenorganisation Swiss Funds Association (SFA) Matthäus Den Otter schätzt, dass in den vergangenen Monaten sicher ein Dutzend Fonds liquidiert wurden. Die Finanzmarktaufsicht als zuständige Behörde verfügt nach eigenen Angaben über keine Zahlen. Die Gründe für die Liquidationen sind praktisch immer die gleichen: Als Folge der Finanzkrise verloren die meisten Fonds massiv an Wert. Viele Anleger zogen deshalb ihre Mittel aus dem Fonds ab, um noch grössere Verluste zu vermeiden.

Das schmälert die Rendite für die Betreiberbanken.Denn aktiv gemanagte Fonds finanzieren sich durch eine jährlich erhobene Verwaltungskommission. Die Fondsleitungen ziehen es vor, einen unrentablen Fonds zu liquidieren oder mit anderen zu fusionieren, statt eine gewisse Zeit Verluste zu schreiben und auf eine Erholung der Märkte zu setzen. Die Kunden haben dazu nichts zu sagen, auch wenn sie lieber langfristig anlegen und die Krise überstehen wollen. Bei einer Fondsliquidation werden die Buchverluste eines Anlegers vorzeitig realisiert. Einmal mehr gilt: Die Gewinne den Banken, die Risiken und Verluste den Anlegern.

Laut Artikel 96 des Bundesgesetzes über die kollektiven Kapitalanlagen darf eine Fondsleitung einen Fonds mit unbestimmter Laufzeit tatsächlich jederzeit kündigen. Nach der Schliessung sind Ausgabe und Rücknahme von Fondsanteilen untersagt. «Ein solcher Entscheid kann die Anleger unangenehm treffen», räumt SFA-Geschäftsführer Den Otter ein.


Anlagekapital bleibt während der Liquidation blockiert

Die Dauer des Auflösungsprozesses ist abhängig vom Anlageprodukt. Bei Aktien ist die Liquidation in der Regel innert weniger Wochen abgeschlossen, bei Hedge Fonds und Immobilienfonds kann dies aber Jahre dauern. Während dieser Zeitspanne ist das verbliebene Kapital der Anleger blockiert, Teilauszahlungen sind jedoch möglich. Für die Liquidation berechnet die Fondsleitung eine Gebühr von 0,3 bis 0,5 Prozent, die den Restbetrag nochmals schmälert. Wie viel Geld ein Kunde ausbezahlt erhält, erfährt er erst mit der Schlussabrechnung.


Je grösser das Volumen, desto sicherer der Fonds

In der Regel bieten die Fondsherausgeber den betroffenen Investoren einen vergünstigten oder spesenfreien Wechsel in einen anderen Fonds an. Swisscanto beispielsweise übernimmt für wechselwillige Kunden die Stempelsteuer und weitere Kosten. Was aber, wenn ein Anleger sich mit der angebotenen Alternative nicht anfreunden kann und andernorts investieren will? Dann muss er für den Erwerb neuer Fondsanteile wieder Courtagen und Steuern zahlen.

Rolf Biland, Anlagechef beim VZ Vermögenszentrum, rechnet damit, dass bis Ende Jahr ein paar weitere Fonds aus Rentabilitätsgründen aufgelöst werden. Er empfiehlt, vor dem Kauf von Fondsanteilen auf die Höhe des verwalteten Vermögens zu achten: «20 bis 30 Millionen Franken sind die Mindestgrösse. Bei kleineren Fonds sind die internen Kosten zu hoch und das Risiko zu gross, dass sie geschlossen werden.»

21. Juni 2009 | Thomas Lattmann, Redaktion saldo


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