|
(0) |
Ärzte verschreiben Männern bei Erektionsproblemen schnell und häufig Potenzpillen wie Viagra. Dabei liegen die Ursachen für die gestörte Sexualität oft auf einer psychischen Ebene.
Bei Erektionsproblemen verschreiben neun von zehn Ärzten in der Deutschschweiz Medikamente wie Viagra, Levitra und Cialis. Aber nur jedem 25. Patienten schlagen sie auch eine Sexualberatung vor. Das zeigen diverse Studien. Experten warnen vor dieser einseitigen Behandlung. Der Psychiater und Sexualtherapeut Kurt April aus Horgen ZH sagt zum Beispiel: «Nur selten lassen sich die sexuellen Probleme des Mannes mit Medikamenten allein bessern.»
Denn in der Sexualität spielt auch die seelische Befindlichkeit eine wichtige Rolle. Bezeichnend ist: In Studien halfen sogar Scheinmedikamente fast jedem zweiten Mann gegen Erektionsschwäche. Die Churer Paartherapeutin Christina Casanova bestätigt, dass sexuelle Probleme ihre Ursache oft auf einer psychischen Ebene haben – zum Beispiel in Erfahrungen während der Kindheit oder Pubertät, in Beziehungsproblemen oder in übersteigerten Erwartungen.
«Medikamente lösen diese Probleme nicht», sagt Casanova. Sie warnt: «Die Sexualität verkommt zu einer technischen Sache. Der Druck, funktionieren zu müssen, wird immer grösser.» In einer Beratung bei einem Paar- oder Sexualtherapeuten können Betroffene laut Casanova hingegen die seelischen Probleme, die einer Sexualstörung zugrunde liegen, nachhaltig lösen. Zudem fühlten sich Frauen von einer Sexualität überfordert, die sich auf das Eindringen reduziere.
Potenzmittel bei körperlichen Krankheiten sinnvoll
Fachleute sind sich anderseits einig, dass Potenzmittel durchaus sinnvoll sein können: «Zum Beispiel wenn körperliche Krankheiten oder Medikamente die Erektionsschwäche hervorgerufen haben», so Casanova. Die Hersteller der Potenzmittel berufen sich darauf, dass diese besser wirken als Scheinmedikamente. Der Viagra-Hersteller Pfizer räumt aber ein, dass bei jedem zweiten Mann unter 40 Jahren seelische Gründe vorliegen.
Pfizer und der Levitra-Hersteller Bayer behaupten aber, auch diesen Patienten hülfen Potenzmittel. Auch die meisten Frauen profitierten von der Behandlung ihres Partners. Liliane Pieters vom Levitra-Hersteller Bayer empfiehlt, «die Partnerin in das Gespräch mit dem Arzt einzubeziehen».
06. Juni 2009 | Ines Vogel, Redaktion Gesundheitstipp
