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Artikel | Haus & Garten 02/2009

Das tut der Erde gut

Düngen mit organischem Material hat viele Vorteile für Pflanzen, Boden und Lebewesen. Man kann aber auch des Guten zu viel tun.

Am besten gedeihen Pflanzen in einem krümeligen, lockeren Boden, der Luft und Regenwasser optimal speichert. Hier können sie mit ihren Wurzeln weit vordringen und die in Wasser gelösten Nährstoffe aufnehmen. Baumeister einer solch günstigen Grundlage sind die unzähligen kleinen und kleinsten Organismen, die unter der Oberfläche leben und das organische Material umbauen, das mit Streu, Pflanzenresten und organischen Düngern in den Boden gelangt.

Wichtigster Vorarbeiter für die Krümelbildung ist der Regenwurm. Gleichzeitig sorgen die Bodentierchen beim Umbau des organischen Materials dafür, dass Nährstoffe in einer Form entstehen, dass Pflanzen sie aufnehmen können.

Kompost ist ein idealer organischer Dünger: Wer mineralischen Dünger einsetzt, nährt die Pflanzen direkt. Das geht auf Kosten der Regenwürmer, Asseln, Milben, Springschwänze usw. Denn ihnen fehlt damit ein Teil ihrer organischen Nahrung. Bei reduzierter Aktivität dieses Bodenlebens wird der Boden mangelhaft erneuert. Er leidet stärker unter der Bearbeitung, die Krümelstruktur zerfällt, die Erde ballt sich zu Klumpen.

Für den Garten gibt es zwar kaum mehr rein mineralische Dünger, sondern viele organisch-mineralische Mischprodukte. Besser ist es aber, den Boden vorwiegend mit organischem Material zu versorgen, allem voran mit Kompost. Er enthält wichtige Spurenelemente und Verbindungen, die für die Abwehrkräfte der Pflanze wichtig sind. Kompost hat aber auch Nachteile: Er liefert viel Phosphor, Kalium und Kalzium. Zu Stickstoff aber muss man nährstoffbedürftigen Pflanzen zusätzlich verhelfen, speziell im Frühling. Man kann dies mit selbst hergestellter Brennesseljauche oder mit einem stickstoffreichen Dünger tun. Geeignet ist Hornmehl oder ein anderer vollorganischer Dünger, der viel Stickstoff und wenig Phosphor enthält.

Den Boden mit richtiger Fruchtfolge aufwerten: Stickstoff lässt sich auch mit Hülsenfrüchtlern (Leguminosen) in den Boden bringen. Denn diese Pflanzengruppe sammelt mit Hilfe von Bakterien in Wurzelknöllchen Luftstickstoff. Es lohnt sich also, im Gemüsegarten Kefen und Bohnen in die Fruchtfolge einzubeziehen. Zudem lässt sich mit Zwischenfrüchten wie Ackerbohnen und Luzerne gezielt Stickstoff gewinnen. Ferner sollte man mit Gründüngungen im Herbst (z. B. Nüsslisalat) dafür sorgen, dass gelöster Stickstoff über den Winter möglichst nicht ausgewaschen wird.

Die Dünger richtig kombinieren: Wurde zum Beispiel Kompost und Mist im Übermass gegeben, kann der Boden mit Phosphor und Kalium angereichert sein. Eine Bodenprobe bringt Klarheit. In diesem Fall empfiehlt es sich, die Kompostgaben über einige Jahre zu reduzieren und stattdessen mehr phosphorarmen organischen Dünger einzusetzen. Mist mischt man am besten zu den Pflanzenresten im Komposthaufen. Hühnermist sollte man wegen seines hohen Phosphorgehalts vermeiden.


Braucht es Spezialdünger?

In den Läden stapeln sich die Spezialdünger. Es handelt sich dabei meist um organisch-mineralische Dünger. Braucht es dieses Arsenal für gutes Gedeihen? Spezialprodukte vereinfachen das bedarfsgerechte Düngen, sagt dazu Gartenexperte Markus Gut. Konkret:

  • Rosendünger enthält mehr Kali, was die Knospenbildung fördert.
  • In Laub- und Nadelholzdünger hat es wenig Stickstoff, damit Heckensträucher dicht und nicht in die Länge wachsen.
  • Beerendünger soll mit dem Spurenelement Bor den guten Geschmack fördern.
  • Rasendünger lässt mit viel Stickstoff das Gras wachsen. Wer Wert auf einen schönen Zierrasen legt, muss diesen auch mit einigem Einsatz pflegen.


Der grösste Teil des Gartens lasse sich aber durchaus mit einem Allgemeindünger versorgen, räumt Gut ein. Für Rhododendren und Wintergartenpflanzen (Zitrus, Palmen) hingegen empfiehlt der Experte Spezialdünger.

Den unterschiedlichen Bedürfnissen der Pflanzen soll man Rechnung tragen, findet auch Hans Peter Althaus, Gartenberater bei der Biogartenorganisation Bioterra. Das soll in erster Linie beim Pflanzen geschehen: Zusatzdünger brauche es kaum, wenn der Boden mit Kompost gepflegt und genährt werde, erklärt Althaus. Damit erübrigten sich auch die Spezialdünger, denen der Naturgartenfachmann wegen der mineralischen Komponente ohnehin kritisch gegenübersteht.


Düngerbedarf je nach Pflanze

Im Privatgarten reicht es, die Kulturen nach Gruppen zu unterscheiden, die schwach, mittel oder stark genährt werden wollen. Die Übergänge sind allerdings fliessend. Deshalb unterscheiden sich die Einteilungen je nach Quelle. Die Empfehlungen auf den Düngerpackungen sind je nach Kompost- oder Misteinsatz zu reduzieren. Als Faustregel gilt: 60 l Kompost (1 Karrette) ersetzt 1,5 kg Volldünger.

26. Mai 2009 | Beatrix Mühlethaler


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