SternSternSternStern (0)Kommentare lesen  Tags  Drucken  Beitrag weiterempfehlen

Artikel | saldo 10/2009

Die Beratung in Baumärkten ist oft nur durchschnittlich

Tiefe Preise, breites Sortiment und beste Beratung: Damit buhlen die grossen Baumärkte um Kundschaft. In einer saldo-Stichprobe bei zehn Filialen konnte aber kein Berater alle Fragen richtig beantworten.

Schlechte Beratung in Baumärkten kann ärgerlich sein. Das musste saldo-Leserin Sarah S. merken. Sie  versuchte, in ihrem Badezimmer ein Glastablar an der Gipswand zu montieren. Doch die Schrauben waren zu kurz.  Durch das Gewicht des Glases und der daraufstehenden Deko-Pflanzen wurden sie samt den Dübeln aus der Wand gerissen. Resultat: Hässliche Löcher im weissen Gips.

Sarah S. suchte Hilfe im nahen Baumarkt. Dort drückte ihr ein Verkäufer überlange Schrauben in die Hand. Dass es dazu einen entsprechend langen Bohrer braucht, sagte er ihr nicht. Das merkte Sarah S. erst zu Hause. Die langen Schrauben waren nutzlos.


Baumärkte werben mit «kompetenter Beratung»

saldo wollte wissen, wie es um die Beratungsqualität in den Baumärkten steht  und schickte im Sinne einer Stichprobe je drei Testpersonen  in zehn Baumarkt-Filialen in Basel, St. Gallen, Bern Luzern und Zürich. Dort gaben sie sich als Heimwerker ohne Erfahrung aus und erzählten, sie würden ihren Grosseltern bei der Renovation ihres Hauses helfen. Die Berater hatten jeweils fünf Fragen zu beantworten. Mit richtigen Antworten konnten sie in den Themenbereichen Bohren/Dübeln sowie Malen/Oberflächenbehandlung punkten.  
 
Die Tester durften einiges Fachwissen erwarten: Denn alle grossen Baumarkt-Ketten werben mit kompetenter Beratung. Coop Bau + Hobby schreibt im Internet: «In den Preisen inbegriffen ist die kompetente und freundliche Beratung durch erfahrene Fachleute.» Bei Bauhaus steht «zuverlässige Beratung an erster Stelle». Hornbach wirbt mit dem Slogan «Professioneller Service statt leerer Versprechen», während in der Unternehmensphilosophie von Jumbo gar von «höchster Fachkompetenz» die Rede ist.

Beinahe alle Fragen beantworten konnten zwei Mitarbeiter des Do it + Garden von Migros in Reinach BL. Ihre Kollegen in der Filiale Bern stellten sich nur wenig schlechter an. Sie versuchten jedoch – wie die Mitarbeiter in weiteren sechs geprüften Baumärkten –, dem Kunden eine teure, speziell mit Anti-Schimmelmittel ausgestattete Badfarbe zu verkaufen. Dabei hätte es eine atmungsaktive Wohnraumfarbe getan. Denn bei Bädern mit Fenster und Bädern, die nie von Schimmel befallen waren, ist laut ausgebildeten Malern eine Farbe mit Fungizid-Zusatz unnötig.

Genügende bis gute Teilnoten erreichten die Bauhaus-Filiale in Schlieren ZH, Obi und Jumbo in St. Gallen, Hornbach in Littau LU und Jumbo in Emmenbrücke LU.

Die Leistungen der Berater in den Bau-+-Hobby-Filialen von Coop in Bern-Bethlehem und Zürich-Oerlikon sind gesamthaft nur genügend. Einer der drei befragten Coop-Angestellten in Oerlikon empfahl, mit einer Aale die Plättli im Bad vorzulochen, um zu verhindern, dass der Bohrer abrutscht. Ein riskanter Tipp; viel einfacher wäre es, die Bohrstelle mit Klebebändern abzukleben oder das Plättli mit einem Vorlocher, einem sogenannten Körner, zu bearbeiten. Deshalb gab es hier eine ungenügende Teilnote.


Viele falsche Tipps zur Oberflächenbehandlung

Etliche Baumarktmitarbeiter hatten auch Mühe mit der Frage nach der passenden Oberflächenbehandlung eines alten, bereits abgeschliffenen Nussbaum-Esstisches. Nur vier Berater klärten fachgerecht über die Vor- und Nachteile der diversen Oberflächenbehandlungsmethoden auf.

Ungenügend schnitt die Obi-Filiale in Basel ab. Dieter Wullschleger, Pressesprecher der Migros Basel, bedauert das schlechte Resultat. In Zukunft werde man Fachberater in den Obi-Märkten für die Kunden deutlicher kennzeichnen. So sollen Kunden nicht an Mitarbeiter geraten, die vor allem für das Auffüllen der Gestelle zuständig sind.

26. Mai 2009 | Andreas Schildknecht, Redaktion K-Tipp/saldo


Beitrag als PDF
Die Beratung in Baumärkten ist oft nur durchschnittlich
Download PDF 68.89 KB
SternSternSternStern Artikel bewerten Stichwort hinzufügen
Artikel weiterempfehlen Artikel drucken

Kommentare (0)

 
Urheberrechte
Smartphones und Tablet-Computer sollen teurer werden. Grund ist eine neue Gebühr für Urheberrechte. Was halten Sie davon?
...zum Artikel
Das ist Unsinn. Beim Kauf von leeren CDs und DVDs ist die Gebühr schon enthalten.
Richtig so. Damit werden Künstler unterstützt.
Alle Umfragen

Jetzt unterzeichnen: Volksinitiative
Jetzt unterzeichnen: Volksinitiative
Die Bundesbetriebe sollen nicht Gewinn erwirtschaften, sondern den Bürgern einen guten und bezahlbaren Service bieten.
Verwandte Artikel
Jumbo knapp vorn Bequem, aber nicht billig Preisvergleich: Jumbo an der Spitze
Testsieger für Android-Handys
Testsieger für Android-Handys
Hunderte von Tests in der Hosen­tasche: Die neue App «Testsieger» machts möglich. (beide Apps haben den gleichen Inhalt)
Aktueller Ratgeber
Aktueller Ratgeber
Die Steuerabzüge für Angestellte und Selbstständige (16. Auflage 2012)
Aktuelle Beratungstexte
Hat mein Bruder einen Pflichtteil zugut? Muss ich den Vermieter für die Umtriebe entschädigen? Darf mein Chef Beiträge an AHV, IV und EO abziehen? Alle Beratungs-Artikel
Aktuelle Tests
Elektro-Rasenmäher IPL-Enthaarungsgerät Pommes frites Alle Test-Artikel
Aktuelle Diskussionen
24.05.2012, 13:37 | 4 AntwortenWoher kommen die Albträume? 24.05.2012, 13:28 | 7 AntwortenWas hilft gegen Cluster-Kopfweh? 24.05.2012, 13:27 | 3 AntwortenMyom: Welche Operation ist empfehlenswert? 24.05.2012, 13:26 | 4 AntwortenWie bringe ich den Zungenbelag weg?
Benutzer-Favoriten