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Getarnt hinter einem «Präventionsprojekt» wirbt die Nidwaldner Kantonalbank in öffentlichen Schulen für ihre Produkte und Dienstleistungen. Den Behörden ists egal.
Seit fünf Jahren bietet die Nidwaldner Kantonalbank (NKB) den Oberstufenschulen im Kanton ein «Präventionsprojekt» an. Thema: Jugendverschuldung und Budgetberatung. Ingesamt 1500 Schülerinnen und Schüler haben bis heute an diesen Vorträgen teilgenommen. Das Projekt ist fester Bestandteil des regulären Unterrichts, wie die Schulverantwortlichen dem K-Tipp versichern. Zwei Stunden dauert die Informationsveranstaltung «Was kostet das Leben?» jeweils, die von Mitarbeitern der NKB geleitet wird.
Pikant: Während der letzten 30 Minuten geht es in diesen Vorträgen nicht mehr um Budgetberatung und Aufklärung über drohende Schuldenfallen. Dann referiert der NKB-Verkaufsberater der jeweiligen Region persönlich vor den Jugendlichen. Dabei geht der NKB-Vertreter ohne Umschweife in die Werbeoffensive: Die Schüler werden mit den Vorteilen der NKB-Konten und weiteren Dienstleistungen wie E-Banking vertraut gemacht. Seine Ausführungen gipfeln im Versprechen, dass es bei der Eröffnung eines Kontos gratis eine NKB-Tasche gibt. Kommt hinzu: 11 der total 22 Vortragsfolien, die dem K-Tipp vorliegen, sind den NKB-Konten gewidmet.
NKB-Sprecherin Nicole Hermann sieht darin kein Problem. Gegenüber dem K-Tipp sagt sie: «Das ist keine Werbeveranstaltung.» Auch die Nidwaldner Bildungsdirektorin Beatrice Jann (FDP) hat keine Bedenken: «Es ist gut, wenn Fachexperten auf die Gefahren der Überschuldung hinweisen.» Dass die NKB diese Plattform zur Eigenwerbung nutzt, stört die Regierungsrätin nicht: «Die Werbung der Kantonalbank ist nicht verwerflich.» Gar nicht erst äussern mochten sich die im Kantonsparlament vertretenen Parteien, obwohl sie für die Aufsicht der Schulen und der Kantonalbank mitverantwortlich sind. Sie haben sich untereinander abgesprochen und teilen dem K-Tipp in einem gemeinsamen E-Mail mit: «Die kantonalen Fraktionen und Parteien äussern sich nicht zu diesem Thema und zum Vorgehen der Nidwaldner Kantonalbank.»
Deutlich wird dagegen Beat W. Zemp. Der Präsident des Dachverbandes Schweizer Lehrerinnen und Lehrer hat die im Internet abrufbare PowerPoint-Präsentation gesehen. Sein Fazit: «Der erste Teil der Veranstaltung ist sicherlich gut und auch notwendig. Aber dem zweiten Teil fehlt der Bildungswert. So etwas hat wegen der Produktewerbung im obligatorischen Unterricht auf der Volksschulstufe nichts zu suchen.» Seiner Ansicht nach müsste die Schulbehörde eingreifen.
Selbst der Präventionsteil ist nicht über alle Zweifel erhaben. Eva Schätti von der kantonalen Budget- und Schuldenberatung Plusminus in Basel kritisiert: «Die Schuldenspirale und die daraus resultierenden Folgen scheinen wichtiger zu sein als eine gründliche Vertiefung in ein durchdachtes Budget.» Dass es auch anders geht, zeigt die Raiffeisenbank Region Thun. In Zusammenarbeit mit der Berner Schuldenberatungsstelle schuf sie den über 100 Seiten starken Arbeitsordner Moneymix. Werbung sucht man hier vergeblich. Moneymix soll demnächst allen Schulen in der Schweiz angeboten werden.
19. Mai 2009 | Daniel Jaggi, Redaktor K-Tipp
