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Artikel | saldo 09/2009

Buch-Tipps: Die weltweite Krise lässt sich nur gemeinsam bewältigen

Der bekannte Ökonom Paul Krugman analysiert in seinem neuen Buch die Wirtschaftskrise und fordert eine globale Rettungsaktion.

Der Wirtschaftsnobelpreisträger von 2008, US-Professor Paul Krugman, warnte bereits vor zehn Jahren im Buch «Die grosse Rezession» vor einer Art Wiederholung der Weltwirtschaftskrise der 30er-Jahre. Jetzt ist die Krise eingetroffen und Krugman zeigt in der Neufassung seines Buches, wie und warum es dazu kam.

Einen Hauptgrund erkennt er in der mangelnden Regulierung der Finanzmärkte, besonders des «Schattenbankensystems». Im Gegensatz zu normalen Banken unterliegen Trusts oder Hedgefonds nur einer rudimentären Aufsicht. Banken beispielsweise müssen flüssige Reserven bereithalten, Schattenbanken agieren ohne finanzielles Sicherheitsnetz. Die fehlende Regulierung verleitet zu grossen Risiken. Im Zuge der geplatzten US-amerikanischen Immobilienblase krachte dieses Schattenbankensystem zusammen.

Krugman erklärt, was seiner Ansicht nach zu tun ist: «Es muss Kapital ins System gepumpt werden, damit die Kredite wieder fliessen – und zwar ohne ideologische Scheuklappen.» Nichts sei schlimmer, als Aktionen zur Rettung des Finanzsystems zu unterlassen. Zumindest die USA und England haben milliardenschwere staatliche Investitionen angekündigt, um die Nachfrage anzukurbeln. Zu wünschen übrig lässt laut Krugmann indes die globale Koordination der Rettungsaktionen unter den «hoch entwickelten Ländern»: Die Verflechtungen der Finanzwelt seien so stark, dass ein einzelner Staat allein kaum etwas erreiche. Krugman plädiert für eine Strukturbereinigung, um nicht bald in die nächste Krise zu schlittern: Die Staaten müssten «Schattenbankensysteme» regulieren und beaufsichtigen.

Krugmans hellsichtige Analyse erklärt verständlich, fundiert und pointiert die Hintergründe der aktuellen Erschütterung des Weltwirtschaftssystems.

Paul Krugman, «Die neue Weltwirtschaftskrise», Campus, ca. Fr. 45.–


Buch-Tipps

Ökonomie einfach erklärt

Wirtschaft ist für viele ein Buch mit sieben Siegeln. Dabei verbergen sich hinter ökonomischen Ideen oftmals einfachere Konzepte, als es die Fachausdrücke erahnen lassen. Der Autor Hanno Beck veranschaulicht ökonomische Begriffe mit Beispielen, die jeder versteht. So erklärt er den Break-even-Point mit der Frage, ab welchem Zeitpunkt sich Falschparken lohnt, weil eine Busse günstiger kommt, als die Parkuhr zu füttern. Oder Diversifikation ist laut Beck die Kunst, den Inhalt seines Portemonnaies auf verschiedene Taschen aufzuteilen – ein grosser Vorteil, wenn die Brieftasche gestohlen wird. Das Buch mit seinen fast 50 Beispielen gibt Lesern das Gefühl, endlich bei Wirtschaftsthemen mitreden zu können.    

Hanno Beck, «Das kleine Wirtschafts-Heureka. Ökonomische Geistesblitze für zwischendurch», Verlag Neue Zürcher Zeitung, ca. Fr. 29.–

Einblick in die Welt des Kunstmarkts

Für Karl Marx war der Kunstmarkt im 19. Jahrhundert eine «Quantité négligeable». Das trifft heute noch auf dessen Wertschöpfung zu, dennoch ist der Kunstmarkt im gesellschaftlichen Leben wichtiger als jede Börse. Denn «das Handeln der Beteiligten ist von hoher Emotionalität geprägt», wie der deutsche Kunstexperte Dirk Boll in seinem neuen Buch feststellt. Er kennt die Mechanismen des Kunstmarktes genau und versteht es, sie unterhaltend zu erklären, auch wenn er sich mitunter in den Einzelheiten des Auktionsbetriebs verirrt. Sein Buch ist eine plausible Einführung in das Geschäft, das recht einfach funktioniert: Im Wesentlichen geht es um die Interaktion zwischen Künstler oder Besitzer der Ware, Verkäufer und Kunde. Störend an seinem Buch ist das ziemlich schlampige Lektorat.

Dirk Boll, «Kunst ist käuflich», Rüffer & Rub, ca. Fr. 39.–

Komplementärmedizin unter der Lupe

Was taugt die Komplementärmedizin? Diese Frage beantworten der Professor für Alternativmedizin Edzard Ernst und der Autor Simon Singh, indem sie klinische Wirkungsstudien zu den einzelnen Alternativmethoden analysieren. Ihr Fazit: Nur etwa 5 Prozent der Methoden haben einen nachweisbaren Nutzen. Hypnose wirke etwa bei Reizdarm, Massage gegen Ängste und Depressionen. Mit dem Gros der Verfahren gehen sie hart ins Gericht: Ob Homöopathie, Feng Shui oder Bachblüten – biologisch halten die Autoren diese für wenig plausibel. Ihre Wirkung würden diese Methoden nur dem Placeboeffekt verdanken, der bei ihnen nicht grösser sei als bei Scheinmedikamenten oder Scheinverfahren. Eine Pflichtlektüre für Verfechter und Gegner der Komplementärmedizin.    

Simon Singh und Edzard Ernst, «Gesund ohne Pillen», Hanser, ca. Fr. 40.–

10. Mai 2009 | Petra Stöhr, mmn, hü, eb


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