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Artikel | K-Tipp 09/2009

Der grosse Bruder ist überall

Ob man telefoniert, surft, mailt oder mit einem Navigationsgerät unterwegs ist: Stets hinterlässt man lesbare Spuren, die aufgezeichnet werden. Doch man kann sich wehren.


Videoüberwachung wird flächendeckend

Immer mehr öffentlicher Raum wird per Video überwacht. Das System «Catch Ken» erkennt sogar Autonummern und vergleicht diese mit den Daten des nationalen Fahndungssystem Ripo. Allerdings: Wenn der Staat zur Videoüberwachung greift, muss die Verhältnismässigkeit gewahrt werden. Detaillierte Informationen zur rechtlichen Lage finden sich auf Datenschutz.ch mit dem Suchwort «Videoüberwachung». Wollen Private überwachen, gelten strengere Regeln.

Tipp: Informationen zum Thema Videoüberwachung findet man auf der Internetseite des Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten in der Rubrik Dokumentation unter >Datenschutz > Merkblätter > Videoüberwachung.   


Mail- und Internetdaten werden gespeichert

Telefon- und Internetanbieter sind verpflichtet, die Daten aller Kunden während 6 Monaten zwecks «rückwirkender Überwachung» aufzubewahren. Bei den Telefonaten werden die gewählten Nummern gespeichert, beim Internet der Zeitpunkt der Einwahl ins Internet und die sogenannte IP-Nummer, mit der sich der Computer bei jeder Webseite identifiziert. Bei E-Mails werden Empfänger und Betreffzeile gespeichert.

Tipps: Will man dies verhindern, muss man einen Mail-Anbieter im Ausland wählen. Kostenlos ist zum Beispiel der kanadische Provider Hushmail.com. Anonyme Mails lassen sich zum Beispiel bei Anonymouse.org versenden. Will man der Internetüberwachung entgehen, muss man seinen Internetverkehr verschlüsseln. Kostenlos funktioniert das – bei eingeschränktem Surftempo – mit den Anonymisierungsdiensten Torpark und Jondofox. Mehr Tempo bietet die kommerzielle Lösung Surfsolo.


Überwachung des PC aus der Ferne ist möglich

Der Dienst zur Überwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs des Eidgenössisches Justiz- und Polizeidepartements ist technisch in der Lage, mittels sogenannter OnlineDurchsuchung sämtliche Vorgänge auf einem Computer aus der Ferne zu überwachen. Ein in der Schweiz entwickeltes Programm kann sämtliche Daten und Tastatureingaben des Computers von verdächtigten Personen an die Ermittlungsbehörden versenden.

Darüber hinaus kann die Software auch das Mikrofon des Computers aktivieren, um Raumgespräche gezielt zu belauschen. Dies berichtet die juristische Fachzeitschrift «SIC! online» (Stichwort «Remote Forensic» eingeben). Aber: Die eidgenössischen Räte haben eine Revision des Bundesgesetzes über Massnahmen zur Wahrung der inneren Sicherheit abgelehnt, die den Einsatz exakt solcher Spionageprogramme vorsah. Ähnliche Fähigkeiten werden auch Trojanerprogrammen zugeschrieben, die von Kriminellen verbreitet werden.

Tipp: Abhilfe gegen all diese Arten von Zugriff schafft nur das Ausschalten des Computers.


Software kann Handys ausspionieren

Bei Flexispy.com kann jedermann eine Software kaufen, die das Ausspionieren von Handys ermöglicht. Hat man sie auf ein Handy geladen, sendet sie danach automatisch und unbemerkt Kopien sämtlicher SMS, gewählter Telefonnummern und sogar Gesprächsaufzeichnungen an eine E-Mail-Adresse. Wer diese Software auf fremden Handys installiert, macht sich strafbar.

Tipps: Es gibt Antivirus-Software für Handys, welche die meisten dieser Spionageprogramme erkennt und entfernt, zum Beispiel bei Mobile.f-secure.de. Vorsichtshalber sollte man sein Handy aber nie in fremde Hände geben.


Handy-Überwachung durch Swisscom

Für den Verkehrsinformationsdienst HD-Traffic zeichnet die Swisscom die Bewegungsdaten einer unbestimmten Anzahl Handybesitzer auf. Stehen viele Handys auf einer Strasse still, wird ein Autostau erkannt. Swisscom versichert, dass die Daten anonymisiert werden.

Tipp: Will man sein Bewegungsprofil nicht aufzeichnen lassen, muss man für die Mobiltelefonie zum Beispiel zu Sunrise oder Orange ausweichen.


Fahrtenschreiber im Navigationsgerät

Einige Navigationsmodelle des Herstellers Tomtom zeichnen die gefahrene Strecke und die dabei benötigte Zeit im Gerät auf. Die Informationen werden später per Internet an Tomtom übermittelt und sollen der Optimierung der Routenberechnung dienen. Tomtom versichert, dass nur anonymisierte Daten verwendet werden. Aber: Es ist durchaus denkbar, dass die Untersuchungsbehörden nach einen Unfall Einblick in die im Navigationsgerät gespeicherten Daten fordern, um das Tempo zu ermitteln.


Bewegungsüberwachung mit Kleinstgeräten

Mittels Geo-Fencing lässt sich der Bewegungsspielraum von Kindern steuern. Dabei wird am Computer ein Ausschnitt auf einer digitalen Landkarte als «eingezäuntes Gebiet» definiert, und dessen Koordinaten werden auf einem akkubetriebenen Überwachungsgerät gespeichert.

Dieses Gerät von der Grösse einer Baumnuss wird dem Kind in die Hosentasche gesteckt. Es überprüft mittels GPS permanent, ob sich das Kind noch innerhalb des «Zaunes» (Fence) aufhält. Verlässt es das definierte Gebiet, wird bei den Eltern per SMS oder über einen Internetdienst Alarm ausgelöst.

Das kleinste Gerät für solche Rayonmeldungen (Sanav MT-101) ist inklusive GPS-Empfänger und Handy-Elektronik für den SMS-Versand nur 5 x 4 x 2 Zentimeter gross und kostet rund 650 Franken. Es zeichnet bis zu 50 Stunden lang alle Bewegungen auf, wenn es beispielsweise in einem Auto versteckt wird (Geotracking). Sein Standort lässt sich zudem jederzeit per Handy-Anruf abfragen.


Lokalisierung von Handys mit GPS

Wer an seinem Handy die Internetadresse google.com/ latitude eintippt, kann ein kleines Programm installieren. Dieses zeigt Dritten permanent den Aufenthaltsort des Handy-Besitzers in Google-Maps an. Kostenlose Verfolgung von GPS-Handy-Besitzern bieten auch Quoox.net und Gpsgate.com an.

Tipp: Wem eine solche Überwachungssoftware – zum Beispiel vom Arbeitgeber – aufgezwungen wird, kann Google Latitude aushebeln, indem er an seinem Handy manuell eine fixe Position eintippt. Übrigens: Die Polizei kann schon jetzt jedes Mobiltelefon lokalisieren. Dazu ermittelt der Netzbetreiber den vom Handy aktuell verwendeten Sendemast und berechnet den Abstand des Handys davon.

Diskussion im Forum «Totale Überwachung»

03. Mai 2009 | Kurt Haupt


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Kommentare (1)

 
  • Nendaz | 05.06.2009, 17:46

    Wer hat Angst vor dem grossen Bruder....(Videoüberwachung)

    Manchmal muss ich ab sovel Angst den Kopf schütteln. Es gibt
    bereits tausende von Eidgenossen,die an Verfolgungswahn leiden. Leider
    können diese Leute nichts für ihre Krankheit,auch
    bezichtigen sie nicht die öffentliche Hand,sie zu beschatten,
    filmen oder abzuhöhren.Daneben gibt es gesunde Bürger, die
    im Hinterstübchen böses ahnen.Vielleicht haben sie nicht so
    eine saubere Weste, viele ihre Untaten werden von ihnen als
    Kavaliersdelikt angesehen.Man könnte doch die Aufzeichnungen
    gegen mich verwenden-Manchmal glaub ich, im falschen Film zu sitzen.
    Liebe Ängstliche, analisiert doch einfach einmal die ganze Sache
    mit gesundem Menschenverstand, dann werdet ihr erfahren, das diese
    sogenannte "Bespitzelung" auch noch gute Seiten hat.Werdet
    ihr, was ich nicht hoffe,z.B. nach einem Kinobesuch gegen eueren
    Willen angehalten,beraubt oder bestohlen, Gott sei Dank, wenn
    vielleicht gerade eine Kamera läuft-es wird nur zu euerem Vorteil
    sein. Dürftet ihr aber zu besagter Zeit gar nicht dort sein, dann
    hat das Schicksal zugeschlagen. Wir wollen immer mehr
    ausgeklügelte Technik, zum Wohle der Menscheit. Da haben wir ja
    eine, aber sie wird gleich in den Boden verdammt. Manche Menschen
    haben Janusköpfe - die Kameras können leider noch nicht
    diese Spezies sichtbar machen. Haben sie manchmal Angst unter die
    Menschen zu gehen? Früher, zu meiner Jugendzeit hatte es an jeder
    Ecke einen uniformierten Polizisten, die zum Rechten sahen und unsere
    Anwesenheit sicher machte. Heute sind sie bald unbezahlbar, darum
    finden wir sie rund um die Uhr, gut versteckt, auch für unsere
    Sicherheit.
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Coop-Kunden sollen nicht mehr erfahren, aus welchem Land Importprodukte kommen. «Hergestellt in der EU» genüge. Was halten Sie davon?
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