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Gesundheitsapostel predigen gerne Selbstdisziplin und Verzicht. Das Buch «Das gesunde Bisschen» rät, diesen Ratschlägen für ein gesundes Leben nicht verbissen, sondern mit Augenmass zu folgen.
Eine Tanzstunde bringt mehr als die Quälerei im Fitnessstudio
Wer im Restaurant das panierte Schnitzel statt den Gemüseteller bestellt, hat vor allem eines: ein schlechtes Gewissen. Gesund leben bedeutet für viele Experten vor allem Verzicht und Disziplin. Der Spass bleibt auf der Strecke. Die deutsche Journalistin Petra Apfel zeigt, dass man mit wenig Anstrengung viel für seinen Körper tun kann. Ihr Motto lautet: Von allen Gesundheitsregeln ein gesundes Bisschen reicht aus.
So ist die bekannte Regel «5 Obst- oder Gemüseportionen am Tag» für die meisten Menschen eine hohe Hürde. Petra Apfel macht dagegen Mut, klein anzufangen. Ein Fruchtsaft am Morgen sowie eine Gemüsebeilage auf dem Mittagsteller bringen schon viel: 200 Gramm «Grünzeug» pro Tag senken das Herzinfarktrisiko um 60 Prozent. Doch Ernährungssünden sind erlaubt: Manchmal bringt ein Schokoladenpudding der Seele mehr, als er dem Körper schadet.
In zwei Kapiteln geht die Autorin auf weitere gesundheitliche Aspekte ein. So stärkt bereits ein bisschen Sport das Wohlbefinden massiv – jedoch nur, wenn er Spass macht und man deshalb am Ball bleibt. Eine Tanzstunde bringt daher oft mehr als die Quälerei im Fitnessstudio. Apfels Buch ist motivierend. Ihre Tipps werden jedem aus dem Herzen sprechen, dem all die Ratschläge zur gesunden Ernährung schwer auf dem Magen liegen.
Petra Apfel, «Das gesunde Bisschen. Mit kleinen Schritten zu mehr Wohlbefinden», Campus, ca. Fr. 30.–
Buch-Tipps
Ungenügender Schutz vor Datenhaien
Wer lebt, hinterlässt Spuren: im Internet, beim Zahlen per Kreditkarte oder Telefonieren. Fügt man alle Schnipsel zusammen, verraten diese Spuren unsere Vorlieben, Arbeitsabläufe und Wege. Mathematiker und Informatiker, sogenannte «Numerati», sind in der Lage, diese Muster zu deuten und zu nutzen, schreibt Autor Stephen Baker. Antworten lesen die Strategen aus riesigen Datenmengen heraus. Ihre Erkenntnisse sind für Marketingstrategen und manchmal gar für Geheimdienste von Interesse. Das Buch erklärt, wie Daten gewonnen und ausgewertet werden. Baker blendet dabei die Risiken weitgehend aus. Dabei wären ein kritischer Blick und mehr Datenschutz für die Konsumenten wünschenswert.
Stephen Baker, «The Numerati. Datenhaie und ihre geheimen Machenschaften», Hanser, ca. Fr. 36.–
Entlarvte Managersprache
Von A wie Aktionismus bis Z wie Zielvereinbarung: Autor Hans Rudolf Jost demaskiert über 150 Mode-worte aus der Managersprache, von denen viele in den allgemeinen Sprachgebrauch eingesickert sind. So bedeutet «anspruchsvoll» laut Jost «unmöglich». Oder «gesamtheitlich» heisst so viel wie «all das, was auf einer Powerpoint-Folie Platz hat». Und «hier besteht dringender Anpassungsbedarf» ist eine Ausrede für «weitermachen wie bisher». Und der Begriff «State of the Art» ist das Eingeständnis, es nicht besser zu können. Der Autor ist seit über 30 Jahren als Managementberater tätig. Das Buch hinterlässt den Eindruck einer persönlichen Abrechnung mit der Teppichetage – entlarvende Anekdoten und böse Witze inklusive. Unterhaltsame Lektüre.
Hans Rudolf Jost, «Best of Bullshit. Worthülsen aus der Teppichetage», Orell Füssli, ca. Fr. 25.–
Ungehörte Warnungen
Statt 50 Milliarden Dollar in den Sand zu setzen, hätte die UBS die Finanzkrise mit nur 500 Millionen Verlust durchstehen können. Diese These formuliert die Westschweizer Wirtschaftsjournalistin Myret Zaki. Im Frühling 2007 warnte der hauseigene Hedge-Fonds Dillon Read Capital vor dem riskanten Engagement in US-Hypotheken. Es wäre früh genug gewesen, die Ramschhypotheken zu Marktpreisen abzustossen. Doch die Führungsriege um Marcel Ospel wollte noch grössere Risiken eingehen. Die Ursachen sieht Zaki in einer verfehlten Wachstumsstrategie im Investmentbanking, dem Versagen der Risikokontrolle und einem Bonussystem mit falschen Anreizen. Aufgrund von Fakten und Gesprächen mit Insidern liefert die Autorin Erklärungen, wie es zum Schlamassel kommen konnte.
Myret Zaki, «UBS am Rande des Abgrunds», Tobler, ca. Fr. 29.–
26. April 2009 | Marc Mair-Noack, mif, sr, thl
