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Artikel | saldo 07/2009

Tabakindustrie warnt vor den eigenen Produkten

Was saldo-Leser seit langem wissen, gibt nun in Inseraten der Tabakkonzern Japan Tobacco zu: Jede Zigarette ist schädlich, «mild» oder «light» schont die Gesundheit nicht.

Sollten Sie die Gesundheitsrisiken des Rauchens reduzieren oder eliminieren wollen, dann ist Aufhören die beste Lösung», rät der drittgrösste Tabakkonzern der Welt, Japan Tobacco International (JTI), in Zeitungsinseraten. Damit warnt die Tabakindustrie erstmals explizit vor den eigenen Produkten. Das ist die erstaunliche Wandlung einer Branche, die lange sämtliche Gefahren des Rauchens leugnete.

Rauchen macht süchtig, kann Krebs- und Herzkrankheiten auslösen. Unwichtig, ob der Raucher zu einem normalen Glimmstängel greift oder zu einem mit «light» beziehungsweise «mild» angeschriebenen. Die Tabakindustrie hat solche Fakten jahrzehntelang bestritten. Obwohl ihre eigenen Forscher bereits seit den 1960er-Jahren wussten, wie schädlich Zigaretten sind (saldo 8/00). Vor zehn Jahren räumten vereinzelte Firmen zwar nach erdrückenden Forschungsergebnissen erstmals ein, dass Rauchen Lungenkrebs verursachen kann. Aber sie wollten nicht gelten lassen, dass alle Zigaretten krank machen.

JTI lässt die Raucher wissen: Zigarettenproduzenten würden verschiedene Zigaretten produzieren, um den Konsumenten eine Wahl zu ermöglichen. Dazu gehören Bezeichnungen wie «light» oder «mild» respektive unterschiedliche Packungsfarben. «Keines dieser Elemente des Packungs- und Produktdesigns inklusive Markennamen und Geschmack unserer Zigaretten beabsichtigen, eine Zigarette weniger schädlich als eine andere darzustellen», schreibt JTI.


Hinweise auf Sucht- und Krebsrisiko fehlen in den Anzeigen

Irritierend ist aber: Bezeichnungen wie «light» oder «mild» sind in der Schweiz seit Mai 2006 verboten. JTI-Sprecher Robert Watts: «Die Kampagne läuft in mehreren Ländern; darum führten wir verschiedene Verpackungselemente auf.» Hintergrund der Anzeigen sei nicht ein hängiger Gerichtsfall, sondern der Vorwurf, die Branche sei zu wenig transparent. Deshalb publiziere JTI immer wieder solche Inserate. Watts: «JTI will seine Verantwortung wahrnehmen und die Konsumenten über die Risiken des Rauchens umfassend informieren.»

Umfassend ist die Information aber auch in diesen Anzeigen nicht, Hinweise auf das Suchtpotenzial und die Krebsgefahr von Zigaretten fehlen. Immerhin warnt der Konzern aber vor dem Irrglauben, der Wechsel auf Glimmstängel mit weniger Teer, Nikotin und Kohlenmonoxid würde Gesundheitsrisiken reduzieren. Grund dafür: Viele Raucher ziehen stärker an der Zigarette, um den geringeren Anteil an Nikotin, das für die Sucht verantwortlich ist, auszugleichen. Deshalb, so die Folgerung im JTI-Inserat: «Wechseln ist keine Alternative zum Aufhören.» Rauchern, die nicht ohne Hilfe aufhören können, rät der Tabakriese, einen Arzt zu konsultieren.

13. April 2009 | Petra Stöhr, Redaktion saldo


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