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825 Millionen Franken Gewinn hat die Post letztes Jahr gemacht. Dennoch baut sie den Service immer weiter ab. Der Postregulator ist empört.
Auf dem Briefkasten am Bahnhof Lenk steht, der nächste Briefkasten, der sonntags geleert werde, sei in Spiez – 50 km entfernt. Das ist eine Zumutung!
Marc Furrer: Den Fall kenne ich nicht im Detail. Aber das führt tatsächlich zu Ärger. Ich sage ja nicht, dass die Post an schlecht frequentieren Standorten keine Änderungen vornehmen dürfe. Aber was jetzt geschieht, ist ein Abbau. Es kann ja nicht sein, dass man das Auto nehmen muss, um zum Briefkasten zu gelangen.
Trotz des Millionengewinns – die Post behauptet, sie müsse rationalisieren.
Natürlich. Aber alles hat Grenzen. Wenn Briefkästen nach 10 Uhr morgens nicht mehr geleert werden, ist diese Grenze überschritten. Die Post macht es sich zu einfach, wenn sie sagt, der Abbau sei durch betriebliche Abläufe bedingt.
Sie spielen auf die Inbetriebnahme der neuen Sortierzentren in Eclépens, Härkingen und Zürich-Mülligen an?
Ja, genau. Aber es kann natürlich nicht sein, dass der Service public wegen betrieblicher Abläufe abgebaut wird. Umgekehrt müsste es sein: Die Post müsste ihre Abläufe den Kundenbedürfnissen anpassen.
Lässt sich die Post von einem Tätigkeitsbericht beeindrucken?
Da müssen Sie die Post fragen. Immerhin führt der Bericht stets zu einer öffentlichen Diskussion. Und ich habe den Eindruck, dass diese Diskussion die Verantwortlichen dazu bringt, ein paar Sachen zu überdenken. Gewisse Entscheidungen lassen sich allerdings kaum mehr rückgängig machen.
Haben Sie schon bei der Post interveniert?
Wir sind in ständigem Kontakt. Wir sind ja zuständig für die Kontrolle der Qualität der Post. Wir werden sicher im Juni in unserem Tätigkeitsbericht etwas dazu sagen.
Neuerdings erhalten Private ihre Post teils erst um 14 Uhr. Finden Sie das in Ordnung?
Die Idee ist sogar, dass die Post in gewissen Gebieten noch später zugestellt werden soll. Einfach, weil die Briefträger sonst am Nachmittag nichts mehr zu tun hätten. Auch das wäre ein Service-Abbau – aber so weit ist es noch nicht, da laufen erst Tests.
Darf die Post den Service so sehr abbauen?
Ja, rechtlich darf sie das. Die Liste des Grundversorgungsauftrags ist diesbezüglich sehr lückenhaft.
Hat die A-Post überhaupt noch einen Sinn, wenn ein Brief, der am Mittag eingeworfen wird, erst am übernächsten Nachmittag ankommt?
Natürlich nicht. Ich gehe jedenfalls davon aus, dass ein Brief am nächsten Tag ankommt, auch wenn ich ihn erst um 16 Uhr einwerfe. Mit ihrer Politik schwächt die Post die A-Post gleich selber.
Das macht die Postreg
Postregulator Marc Furrer ist dem Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) unterstellt. Seine Behörde (Postreg) wacht darüber, dass die Post die Grundversorgung in guter Qualität und zu erschwinglichen Preisen anbietet. Sie behandelt Beschwerden von Konsumenten. Und sie berät das Uvek. Direkten Einfluss auf die Post hat sie nicht.
05. April 2009 | Marco Diener, Redaktion K-Tipp
