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Artikel | K-Tipp 07/2009

Die Tricks der Mineralwasser-Hersteller

Adelbodner-Mineralwasser kostet halb so viel – wenn nicht «Adelbodner» draufsteht. Der K-Tipp zeigt die zweifelhaften Tricks von Mineralwasser-Herstellern.

Das Adelbodner-Mineralwasser kostet in der 1,5-Liter-Flasche Fr. 1.25, jenes von Denner Fr. –.55. «Na und?», könnte man fragen. Die Antwort: Auch das Denner-Wasser ist Adelbodner. Adello aus dem Getränkemarkt übrigens auch. Und Farmer von der Landi ebenfalls. Die vier Wässer unterscheiden sich kaum. Das beweisen die offiziellen Laboranalysen, welche die Hersteller auf die Etiketten drucken müssen (siehe Tabelle im pdf-Artikel). Einen wesentlichen Unterschied gibts nur beim Nitrat – einem Düngemittel, das im Mineralwasser an sich unerwünscht ist.


Wenn aus einer Quelle sechs werden

Dass die vier Wässer praktisch die gleiche Mineralisation aufweisen, ist kein Wunder. Die vier Fassungen befinden sich alle am gleichen Ort, rund 500 Meter von der Abfüllanlage entfernt. Ebenso wie zwei weitere Fassungen, die aber gegenwärtig nicht genutzt werden. Den Bau der verschiedenen Fassungen hatte der damalige Berner Kantonschemiker Urs Müller verlangt. Denn in der Mineralwasser-Verordnung steht klar: «Natürliches Mineralwasser der gleichen Quelle darf nicht unter mehreren Marken- oder Fantasienamen in den Handel gebracht werden.»

Die sechs verschiedenen Fassungen gelten als sechs Quellen. Also dürfen die Mineral- und Heilquellen Adelboden das Wasser unter sechs verschiedenen Namen vermarkten. Allerdings muss bei den Wässern mit Fantasienamen «der Name der Quelle mindestens gleich gross und gleich auffällig angegeben» sein. Die Adelbodner haben deshalb eine Fassung «Adello-Quelle» und die andere «Farmer-Quelle» getauft. Und schon ist der Quellname auf der Etikette.

Nur haben sie offenbar vergessen, die «Wildstrubel-Quelle» in «Denner-Quelle» umzutaufen. Das Denner-Wasser dürfte jedenfalls mit dem winzigen Etiketten-Aufdruck «aus der Wildstrubel-Quelle» nicht verkauft werden. Denner sieht das anders: «Look for the best» sei kein Fantasiename, «die Etikette ist korrekt und marktüblich». Für den Berner Kantonschemiker Otmar Deflorin ist «Look for the best» jedoch ganz klar «ein Fantasiename». Erich Arter, Adelbodner-Geschäftsführer, hat festgestellt, dass offenbar jeder Kantonschemiker das Gesetz anders interpretiert und  das Bundesamt für Gesundheit (BAG) das akzeptiert. «Wir freuten uns jedenfalls nicht, dass wir sechs Fassungen bauen mussten», sagt Arter, «das ist nicht billig.»


Eptinger: Zwei Wässer aus einer Quelle

Erstaunlich ist, dass andere Hersteller aus der gleichen Quelle verschiedene Wässer vertreiben dürfen. Etwa Eptinger: Die Firma füllt in Lostorf aus der Cristalloquelle das Cristallo-Mineralwasser ab – und auch das günstigere Prix-Garantie-Wasser von Coop. Zulässig ist dies – wie schon erwähnt – nicht. «Prix Garantie verstehen wir nicht als Marken- oder Fantasiename, sondern als Label», sagt Coop-Sprecher Nicolas Schmied. Nicht viel anders tönt es bei Eptinger-Direktor Jörg Buchenhorner: Prix Garantie sei «eine Warengruppen-Bezeichnung».

Konsequenzen ziehen könnte allenfalls der Solothurner Kantonschemiker Martin Kohler. Er hat dem K-Tipp angekündigt, er werde gemeinsam mit seinem Baselbieter Amtskollegen «die Situation vor Ort abklären». Gleiches Wasser zu zwei Preisen gibts übrigens auch aus Zurzach. Spar verkauft 1,5 Liter Original-Zurzacher für 80 Rappen, Otto’s für 45. Zur Preisdifferenz schreibt Spar: «Das Zurzacher ist bei uns ein Randartikel. Der Einstandspreis lässt es nicht zu, dass wir es für Fr. –.45 verkaufen.» Immerhin trägt das Wasser bei Otto’s und Spar den gleichen Namen. So wird die Kundschaft wenigstens nicht hinters Licht geführt.

05. April 2009 | Marco Diener, Redaktion K-Tipp


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Kommentare (1)

 
  • Nendaz | 08.04.2009, 16:38

    Mineralwasser für Jedermann...

    Was will der Mineralwasserhersteller schon machen, um an mehr Geld
    heranzukommen? Ändern kann der das Getränk nicht, aber
    Etikette und Preis. Dabei bleibt er nicht alleine. Wer heute nicht
    kritisch nachfragt, wird m.u.A übers Ohr gehauen. Wir sollten
    langsam die arabische Kaufmentalität annehmen, wo um Waren
    gefeilscht, nachgeforscht und kritisch begutachtet wird, ansonsten das
    Portemonnaue darunter leidet.
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