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Artikel | K-Tipp 07/2009

Besser ist nicht immer gut

8000 Kilometer in fünf Monaten – und die Sommerpneus sind fast «durch». Gut zu wissen: Harte und eher günstige Pneus halten länger, zeigen aber beim Bremsen Schwächen.

Renate Seiber (Name geändert) aus Zürich konnte es kaum glauben, als sie von ihrem Garagisten erfuhr, die Sommerpneus ihres Autos seien bereits abgelaufen. «Ich hatte die vier Continental-Reifen fünf Monate zuvor für 760 Franken gekauft und war mit ihnen gerade mal 8000 Kilometer gefahren», sagt sie.


TCS empfiehlt 3 Millimeter Profil

Ein vom K-Tipp beim TCS in Auftrag gegebenes Gutachten ergab: Seibers Pneus haben vorne eine Profiltiefe von 4 Millimetern, hinten beträgt sie 5 Millimeter. Im Neuzustand warens 8 Millimeter. Das gesetzliche Mindestprofil liegt bei 1,6 Millimetern, der TCS empfiehlt mindestens 3 Millimeter. Das Urteil von TCS-Experte Marcel Bachmann: «Die Pneus kann man problemlos noch einige Monate fahren.» Damit ist auch klar: Die Aussage des Garagisten war falsch.

Richtig ist: Der Pneuverschleiss war sehr gross. Der Verschleiss ist von der Fahrweise und vor allem von der Gummimischung abhängig. Harte und in der Regel günstigere Pneus weisen vielfach gute Eigenschaften beim Abrieb auf, will heissen: Man spart Sprit, und die Pneus nutzen sich weniger schnell ab. Dafür schneiden sie bei den Bremseigenschaften vergleichsweise schlecht ab, einige gar sehr schlecht. Im diesjährigen TCS-Sommerreifentest* war der Bremsweg eines zwar sehr günstigen, aber harten Pneus auf nasser Strasse um 25 Meter länger als beim Testsieger.


Die teuren Continental-Pneus erhielten im Test für die Bremsleistung sehr gute Noten. Weil aber der Verschleiss überdurchschnittlich hoch war, wurden die geprüften Contintental-Produkte im Vergleich zu anderen teuren Reifen bei der Gesamtbeurteilung deutlich schlechter bewertet. Bachmann kann aber entwarnen: «Inzwischen sind diese Pneus im Verschleiss deutlich besser, ohne viel an Sicherheit einzubüssen.» Die Faustregel des Experten lautet: «Mit einem guten und trotzdem sicheren Reifen können bis zu 35’000 Kilometer gefahren werden.»


Darauf müssen Sie bei Pneus achten

  • Die Preisunterschiede bei typengleichen Pneus können bis 40 Prozent betragen. Das haben K-Tipp-Stichproben bei Garagen, Pneuhäusern und im Internet ergeben. Der TCS hält einen Pneukauf per Internet nicht für sinnvoll. Daniel Bachmann, Geschäftsführer des Internetanbieters E-pneu.ch, hingegen ver- sichert: «Wir verkaufen die gleichen Pneus wie die Fachhändler. Alte und Billigst-Pneus führen wir nicht. Zudem beraten unsere Reifen-Fachleute jeden Kunden.»
  • Schreiben Sie vorgängig die Reifendimension auf, zum Beispiel: 195/65 R 15 (H). Holen Sie stets mehrere Offerten ein.
  • Der TCS rät bei Billigst-Pneus zur Vorsicht – aus Sicherheitsgründen: «Ihr Entwicklungsstand entspricht vielfach demjenigen vor 25 Jahren», so Marcel Bachmann.
  • Reifen sollten beim Kauf nicht älter als zwei Jahre sein. Beachten Sie deshalb die aufgedruckte DOT-Nummer. DOT 0807 bedeutet: produziert in der achten Woche des Jahres 2007.
  • Bei unterschiedlicher Profiltiefe die besseren Reifen hinten montieren.
  • Reifendruck regelmässig kontrollieren: Bei zwei Dritteln aller Fahrzeuge ist er laut TCS zu niedrig. Die Folge: Reifenplatzer und höherer Spritverbrauch.
  • Räder hängend oder liegend lagern; Pneus ohne Felgen lassen sich auch stehend übersommern bzw. überwintern.


* Der TCS-Test «Sommerreifen 2009» ist in allen TCS-Geschäftsstellen erhältlich – oder per Internet unter www.infotechtcs.ch.

05. April 2009 | Daniel Jaggi, Redaktor K-Tipp


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