SternSternSternStern (0)Kommentare lesen  Tags  Drucken  Beitrag weiterempfehlen

Artikel | Haus & Garten 01/2009

Kalte Luft vertreibt den Moder

In feuchten Keller- und Hobbyräumen können gefährliche Schimmelpilze gedeihen. Dagegen hilft richtiges Lüften – oder ein baulicher Eingriff.

Es riecht modrig, die Wände sind feucht oder überzogen von Schimmelflecken, manchmal bröckelt sogar der Verputz. Die Ursache solcher Schäden in Kellerräumen ist bekannt: Es ist die Feuchtigkeit, die etwa von aussen ans Haus drückt oder aus dem feuchten Erdreich in Fundamente und Bodenplatte gelangt und im Mauerwerk nach oben steigt. Bauliche Massnahmen können helfen, das Problem in den Griff zu bekommen (siehe unten). Häufig ist aber nicht eindringende Feuchtigkeit für den Schimmelpilzbefall verantwortlich, sondern falsches Lüften (siehe auch Haus&Garten 4/07).


Lüften im Sommer schadet meist

Der Trugschluss beruht darauf, dass ein feuchter Keller besonders in der warmen Jahreszeit ordentlich gelüftet werden sollte. Doch wer dies in den Sommermonaten häufig tut, erreicht genau das Gegenteil dessen, was er bezweckt. Denn je wärmer die Luft ist, umso mehr Wasser kann sie aufnehmen. Gelangt nun zum Beispiel nach einem Gewitter feuchtwarme Luft in den Keller, streift sie an den Kelleraussenwänden vorbei und kühlt sich ab. Dabei kondensiert die Luftfeuchtigkeit an den kalten Oberflächen der Kellerwände. Die Folge: An den Mauern schlägt sich noch mehr Wasser nieder. Eine Belüftung macht also im Sommer nur dann Sinn, wenn die zugeführte Aussenluft kühler oder trockener ist als die Raumluft im Keller. Aus diesem Grund sollte man während Hitzeperioden die Kellerfenster nur in den Morgenstunden oder während der Nacht öffnen. Dies gilt auch dann, wenn viel Feuchtigkeit in den Keller gelangt ist – etwa nach einem Sommergewitter. Auch automatische Kellerlüftungsanlagen sollten an Hitzetagen geschlossen oder ausgeschaltet werden.


Kühle Winterluft entzieht dem Keller Feuchtigkeit

Die umgekehrte Wirkung ergibt sich, wenn man die kalte Jahreszeit zur Belüftung von Kellerräumen nutzt. Sie ist in kalten und kühleren Zeiten nämlich deutlich effizienter: Der Keller wird durch das Lüften immer trockener. Dies liegt daran, dass insbesondere im Winter die Aussenluft meistens sehr kühl ist und daher wenig Wasserdampf aufnehmen kann. Gelangt diese Luft in den Keller, erwärmt sie sich. Dies hilft, dem Keller Feuchtigkeit zu entziehen. Im Winter kann man Kellerräume auch tagsüber lüften (im Idealfall je 5 bis 10 Minuten pro Stunde).

Die Stiftung Warentest hat diesen Effekt nachgemessen: Wird beim Lüften im Winter
0 Grad Celsius kalte Luft bei 40 Prozent Luftfeuchtigkeit in den Keller gelassen, so enthält sie 2 Gramm Wasser pro Kubikmeter. Wird diese Luft dort auf 18 Grad Celsius erwärmt, kann sie viel Wasser aufnehmen (auch aus feuchten Wänden). Wird die Luft beim nächsten Lüften bei angenommenen 60 Prozent Luftfeuchtigkeit aus dem Haus befördert, enthält sie 9 Gramm Wasser. Jeder Kubikmeter Luft hat also 7 Gramm Wasser aufgenommen, die sich auf diese Weise aus dem Keller lüften lassen.


Der Keller als Hobbyraum

Nicht selten werden heute Keller als Hobbyräume genutzt. Wer seinen Keller etwas «wohnlicher» machen will, sollte allerdings vorsichtig ans Werk gehen. So ist es zum Beispiel nicht ohne Risiko, Kellerwände mit Holzlatten oder Kartonplatten zu verkleiden, da sich hinter der Verkleidung feuchte Stellen bilden können. Daher sollte man zunächst sorgfältig kontrollieren, wie feucht die Oberfläche ist – zum Beispiel mit einem Hygrometer (Gerät zum Messen der relativen Luftfeuchtigkeit).

Grundsätzlich gilt: Wandverkleidungen nie vor bereits feuchte Wände setzen, da sich Schimmelprobleme dadurch noch verstärken können. Wenn im Keller Material und Geräte benutzt werden, die auf Feuchtigkeit empfindlich reagieren, sollte die Temperatur 15 bis 16 Grad Celsius nicht unterschreiten. Auf der anderen Seite gilt aber auch: Wer im Keller keine feuchte- und schimmelempfindlichen Materialien lagert, kann mit einem gewissen Mass an Feuchtigkeit durchaus leben.


Bauliche Massnahmen

Feuchtigkeit, die von aussen ins Haus eindringt, kann eine Ursache von Schimmelbildung im Keller sein. Das Problem verschärft sich dort, wo Regenwasser in der Nähe des Hauses im Boden versickert oder wo sich aussen an der Hauswand ein Wasserhahn befindet. Daher sollten Regenrinnen, Fallrohre und Bodenabflüsse regelmässig gesäubert werden. Für grössere Eingriffe sollte man in jedem Fall Fachleute beiziehen (Bauphysiker, Mauersanierungs-Firma).

  • Drainagen: Sie bieten in Kombination mit Kiesschichten einen gewissen Schutz vor Sickerwasser. Es empfehlen sich Kontrollschächte, damit sich regelmässig nachprüfen lässt, ob das Wasser gut abfliessen kann.
  • Horizontalsperre: Eine Horizontalsperre hindert Bodenfeuchtigkeit daran, im Mauerwerk aufzusteigen. Sie lässt sich auch nachträglich einbauen. Am gebräuchlichsten und sichersten sind mechanische Verfahren: Aufsägen der Mauer und Einlegen einer Sperrschicht, Einschlagen von Edelstahlblechen (Bild) – oder das Bohrkernverfahren, bei dem Löcher in die Wand gebohrt und mit Mörtel oder Silikonharz gefüllt werden.
  • Sanierputz: Solche Mörtelbeläge lassen Wasserdampf durch und sind offenporiger als normale Wandputze. Sie werden auf feuchtebelastete Wände aufgetragen – oft als Abschlussmassnahme nach der Trockenlegung einer Mauer.
  • Farben: In Kellerräumen nur Farben einsetzen, die Wasserdampf durchlassen, z. B. feuchtigkeitsbeständige Kalkfarben.



Kellerräume trocknen: Geräte und Methoden

  • Heizlüfter: Zum Trocknen einzelner feuchter Stellen kann ein elektrischer Heizlüfter kurzfristig sinnvoll sein. Ansonsten ist der Einsatz aus ökologischen und finanziellen Gründen ungeeignet. Bei grösseren Wasserschäden empfiehlt es sich, professionelle Trocknungsgeräte auszuleihen (z. B. im Hobbymarkt). Solche Geräte sind bei sommerlichen Aussentemperaturen wichtiger als in der kühlen Jahreszeit, wenn sich mit Hilfe der Aussenluft effizient lüften lässt.
  • Kondensationstrockner: Sie funktionieren ähnlich wie Tumbler/Wäschetrockner: Die feuchte Raumluft wird über Kühlschlangen geleitet, das Wasser kondensiert und wird in einem Auffangbehälter gesammelt, der regelmässig geleert werden muss. Für den Privatbereich werden auch kleinere Kondensationstrockner angeboten, die sich je nach Luftfeuchtigkeit an- oder abschalten. Generell gilt: Sind solche Geräte in Betrieb, müssen Fenster und Türen geschlossen bleiben.
  • Belüftungssysteme: Sie messen dauernd die Luftfeuchtigkeit und die Lufttemperatur im und ausserhalb des Kellers. Das Gerät ist so gesteuert, dass der Kellerraum nur dann über einen Ventilator belüftet wird, wenn damit die Luftfeuchtigkeit im Raum nicht weiter ansteigt.
  • Elektro-Osmose: Dabei wird versucht, feuchtes Mauerwerk durch elektrische Kleinspannung trockenzulegen. Elektroden aus verschiedenen Metallen werden im freigelegten, feuchten Mauerwerk und im Boden verankert. Durch einen elektrophysikalischen Prozess soll die Mauer angeblich trocknen. Die Wirksamkeit dieses Verfahrens ist allerdings umstritten. Gemäss wissenschaftlichen Studien an der ETH Zürich/Lausanne sowie an der Universität Wien sind von dieser Methode keine grossen Trocknungseffekte zu erwarten.

 

07. März 2009 | Stefan Christen


Beitrag als PDF
Kalte Luft vertreibt den Moder
Download PDF 36 KB
SternSternSternStern Artikel bewerten Stichwort hinzufügen
Artikel weiterempfehlen Artikel drucken

Kommentare (0)

 
Urheberrechte
Smartphones und Tablet-Computer sollen teurer werden. Grund ist eine neue Gebühr für Urheberrechte. Was halten Sie davon?
...zum Artikel
Das ist Unsinn. Beim Kauf von leeren CDs und DVDs ist die Gebühr schon enthalten.
Richtig so. Damit werden Künstler unterstützt.
Alle Umfragen

Verwandtes Buch
Jetzt unterzeichnen: Volksinitiative
Jetzt unterzeichnen: Volksinitiative
Die Bundesbetriebe sollen nicht Gewinn erwirtschaften, sondern den Bürgern einen guten und bezahlbaren Service bieten.
Verwandte Artikel
Drei Tipps für Plättli-Leger Asbest: Schutz vor giftigem Baustaub Nachgefasst: Betonwerke sauberer als Zementindustrie
Testsieger für Android-Handys
Testsieger für Android-Handys
Hunderte von Tests in der Hosen­tasche: Die neue App «Testsieger» machts möglich. (beide Apps haben den gleichen Inhalt)
Aktueller Ratgeber
Aktueller Ratgeber
Die Steuerabzüge für Angestellte und Selbstständige (16. Auflage 2012)
Aktuelle Beratungstexte
Hat mein Bruder einen Pflichtteil zugut? Muss ich den Vermieter für die Umtriebe entschädigen? Darf mein Chef Beiträge an AHV, IV und EO abziehen? Alle Beratungs-Artikel
Aktuelle Tests
Elektro-Rasenmäher IPL-Enthaarungsgerät Pommes frites Alle Test-Artikel
Aktuelle Diskussionen
24.05.2012, 13:37 | 4 AntwortenWoher kommen die Albträume? 24.05.2012, 13:28 | 7 AntwortenWas hilft gegen Cluster-Kopfweh? 24.05.2012, 13:27 | 3 AntwortenMyom: Welche Operation ist empfehlenswert? 24.05.2012, 13:26 | 4 AntwortenWie bringe ich den Zungenbelag weg?
Benutzer-Favoriten