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Verena Enzler, 59, arbeitet in der Sicherheitskontrolle am Flughafen Zürich.
«Wo habe ich nur meine Bombe hingepackt?» Diese Frage würde ich niemandem empfehlen, der bei mir vorbeikommt. Manche Passagiere wollen mit solchen Sprüchen witzig sein. Doch da bin ich heikel. Ich untersuche in einem solchen Fall das Handgepäck gleich ein zweites Mal. Ein Passagier erhielt deshalb schon einmal Flugverbot. Ich muss in diesem Punkt streng sein, allein schon wegen der herumstehenden Fluggäste, die den Spruch auch gehört hatten. Ich beginne meinen Arbeitstag meist kurz vor 5 Uhr. Die Frühschicht mag ich am liebsten. Meine Crew besteht aus fünf Leuten und ist jeden Tag neu zusammengestellt. Jeder muss alle Arbeitsschritte ausführen können, da wir regelmässig den Arbeitsbereich wechseln.
Der erste Bereich heisst «Laden». Hier nehmen wir den Passagieren das Gepäck ab und legen Jacken, Handys oder Gürtel aufs Förderband. Geht der Flug in die USA, müssen die Leute auch die Schuhe ausziehen. Danach gehen die Passagiere durch den Detektorbogen. Selbst wenn der Apparat keinen Alarm schlägt, mache ich manchmal Stichproben und schicke die Personen in die Kabine. Besonders, wenn sich jemand seltsam verhält und ich denke, dass da was nicht stimmt. Die Passagiere machen bei der Körperkontrolle meist gut mit. Die Kabinen sind geschlechtergetrennt. Ein Kollege überprüft die Männer, ich die Frauen.
Mit der Polizei oder dem Sicherheitsbereich hatte ich früher beruflich nichts zu tun. Eigentlich bin ich gelernte Telefonistin. Zwischendurch arbeitete ich in einer Skischule. Als die Kinder gross waren, wollte ich etwas Neues machen. Mein Mann arbeitete damals im Gate Gourmet Catering, meine beiden Töchter im Duty-free-Bereich. Ein Job am Flughafen lag daher nahe. Im Jahr 2000 besuchte ich die vierwöchige Ausbildung bei der Sicherheitskontrolle der Kantonspolizei. Ich lernte, wie man Passagiere und deren Handgepäck untersucht. Man testete mein Farbsehvermögen und meine Sprachkenntnisse. Sprachen sind einfach für mich. Mit Deutsch, Italienisch, Französisch, Rätoromanisch, Spanisch und Englisch komme ich gut durch.
Meine Arbeit hat sich nach dem 11. September 2001 verändert. Seit den Terroranschlägen stockten die Flughafenbetreiber in Zürich die Sicherheitskontrolle um 500 Mitarbeiter auf. Heute arbeiten rund 900 Angestellte in diesem Bereich. Nachdem wir das Gepäck durchleuchtet haben, kommt der Bereich «Auspacken». Dies ist der anstrengendste Teil meiner Arbeit. Schon wegen der vielen Flüssigkeiten, die wir den Fluggästen abnehmen müssen. Einige reagieren locker, andere aggressiver. Einem Mann nahmen wir Mayonnaise ab. Er schlug wütend auf die Tube und beschmutzte meinen Kollegen. Einem anderen mussten wir den Champagner wegnehmen. Er wollte die Flasche aber lieber austrinken. Das durfte er nicht. Manche müssen teure Waren zurücklassen. Einige weinen, andere schreien. Ich muss ruhig bleiben, wenn sie schimpfen. Das kann ich. Zumindest, solange sie mich nicht beleidigen. Bevor es eskaliert, rufe ich die Patrouille.
Meine Arbeit wurde mit den neuen Regeln definitiv stressiger. Ich arbeite trotzdem gerne hier. Ich mag die Atmosphäre am Flughafen, die vielen Menschen auf dem Weg in ihre Ferien. Ausserdem gibt es immer wieder Überraschungen. Wie die zwei Schildkröten, die ein Mann in seiner Aktentasche schmuggeln wollte. Oder die Asiatin, die ich in der Kabine untersuchen musste. Sie stellte sich beim Abtasten als Mann heraus. Er reagierte schüchtern, blieb aber höflich und nett.
28. Februar 2009 | Marc Mair-Noack, Redaktion saldo
