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Mit ihren neuen Titeln «Grün» und «Natur» reiten Ringier und der Beobachter auf der grünen Welle.
Die beiden jüngsten Titel im Schweizer Blätterwald belegen, dass viele Produkte auf dem Markt nicht zwingend Meinungsvielfalt bedeuten. Denn sie zeigen exemplarisch, wie Chefredaktoren hierzulande ticken – allesamt gleich. «Wir brauchen ein gutes Interview für die erste Nummer, nehmen wir Moritz Leuenberger, das ist der Umweltminister», sagt so ein Chefredaktor. Und darum passiert es, dass das People-Öko-Magazin «Grün» von Ringier und das Ratgeber-Öko-Magazin «Natur» aus dem Hause Axel Springer je ein braves Frage-Antwort-Spiel mit Leuenberger führten, in dem sich der Magistrat im grünlichen Strahlenlicht präsentieren darf.
Ringiers «Grün» fragt besorgt: «Können wir Komfort geniessen und dennoch gute Menschen sein?» Und alle Leser können ruhig weiterschlafen, weil der Bundesrat sie tröstet:«Umweltgerecht leben bedeutet nicht Komfort-Einbusse.» Wer jetzt glaubt, Springers «Natur» frage im Vergleich dazu frech, täuscht sich: «Wie macht ein Umweltminister heute erfolgreich Umweltpolitik?», lautet eine der gefälligen Erkundigungen. Leuenberger lässt sich nicht zwei Mal bitten und verkauft seine Politik wie ein Staubsauger-Vertreter.
Prominente von Mike Horn bis Tanja Frieden
Zugegeben, die beiden Titel unterscheiden sich in Teilen, besonders was ihre Helden angeht: Bei «Grün» sind das Olympiasiegerin Tanja Frieden, Extremsportler Mike Horn (bei allen Ringier-Titeln beliebt) oder Schauspieler Harrison Ford. Bei «Natur» Autor Fritjof Capra, Meteo-Chef Thomas Bucheli und das Schneehuhn («Tier in der Todeszone»). «Grün» und «Natur» treffen auf einen Markt, der gesättigt erscheint. Am Kiosk finden sich mindestens ein halbes Dutzend ähnliche Publikationen. Darunter das verkappte PR-Blatt «Bio Schweiz» oder «Natürlich». Letzteres kam schon vor fast 30 Jahren im AZ Fachverlag auf den Markt. Der Titel erscheint in einem konservativen Layout und kultiviert einen Hang zum Esoterischen. Mit Geschichten wie «Essen nach Ying und Yang» oder einer Reportage über den chinesischen Raupenkeulenpilz, der das Liebesleben animieren soll.
Trotz der starken Konkurrenz sind Ringier und Springer optimistisch. «Wir setzen mit überraschenden Themen auf den kritischen Leser der ‹Schweizer Illustrierten›, sagt Stephan Sutter, Mitglied der Chefredaktion. Und der publizistische Leiter des «Beobachters», Balz Hosang, befriedigt ein «Bedürfnis unserer natur-affinen Leserschaft, zumal wir unabhängig sind». Das kann man von einer weiteren Publikation nicht sagen: vom Magazin «Umwelt» des Bundesamtes für Umwelt. Das Blatt erscheint in einer Auflage von 51’000 Exemplaren und wird vom Steuerzahler finanziert. Und wer erinnert uns dort an prominenter Stelle auf Seite 3 der aktuellen Ausgabe, mit den Ressourcen sparsam umzugehen? Moritz Leuenberger. Richtig, er ist unser Umweltminister.
28. Februar 2009 | Rolf Hürzeler, Redaktionsleiter saldo
