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«Love-Scam» boomt: Mit dieser fiesen Betrugsmasche werden ahnungslose Partnersuchende über den Tisch gezogen.
Die Trennung von ihrem Mann lag über ein Jahr zurück, als sich die 53-jährige Lydia Sachs (Name geändert) bei einer Internet-Partneragentur einschrieb. Sie schien Glück zu haben. Nach kurzer Zeit trat ein Mann mit ihr in Kontakt. Er nannte sich Julius Wayne, gab an, aus den USA zu stammen, in Südafrika aufgewachsen zu sein und jetzt in der Schweiz zu wohnen. «Er war sehr einfühlsam», erinnert sich Sachs. «Das hat mir gut getan, weil unmittelbar zuvor meine beste Freundin an einer Krankheit gestorben war.»
Zwischen Lydia Sachs und Wayne entwickelte sich ein reger Austausch, der bald einmal nicht mehr über die Online-Partnerbörse, sondern per Telefon, SMS und E-Mail stattfand. Sachs war sich zunehmend sicher, mit Wayne das grosse Los gezogen zu haben. Nach einigen Wochen teilte Wayne ihr mit, er reise nach Ghana. Er wolle dort investiertes Geld, das er von seinem Vater geerbt habe, in die Schweiz transferieren. Damit wolle er ihnen beiden einen sorgenfreien Start in die gemeinsame Zukunft ermöglichen.
Doch dann meldete er sich wieder: Es gebe Probleme mit Behörden und Bankenvertretern vor Ort. Mehrmals und mit immer wieder neuen Begründungen bat er Sachs in der Folge, ihm Geld nach Ghana zu schicken, damit er endlich an sein Vermögen herankommen und bis dahin die laufenden Kosten bezahlen könne. Um die Echtheit seiner Angaben zu beweisen, sandte er ihr Kopien offiziell anmutender Dokumente und liess auch einen «Finanzberater» dafür bürgen.
Über 10’000 Franken überwiesen
Als sich Lydia Sachs schliesslich eingestand, einem Betrüger auf den Leim gekrochen zu sein, hatte sie über 10’000 Franken nach Afrika überwiesen. Wo Wayne sich jetzt aufhält, weiss sie nicht. Natürlich sei sie sehr naiv gewesen, räumt Sachs offen ein. Man dürfe aber die Professionalität, mit der der Betrug über Wochen aufgebaut und unter Anwendung immer wieder neuer Tricks durchgezogen worden sei, nicht unterschätzen. Das trifft zu. Der K-Tipp kennt diverse weitere Fälle von «Love-Scam» oder «Romance-Scam», wie diese neue Masche genannt wird. Letztlich handelt es sich um eine perfide Variante von Vorschussbetrug (Stichwort «Nigeria Connection»), dem seit Jahren ahnungslose Adressaten zum Opfer fallen (siehe K-Tipp 2/07, 16/06 und «K-Geld» 3/06).
Infos, wie man solche Fallen erkennen und umgehen kann, finden sich zum Beispiel unter www.contra-romance-scam.de und www.stoppbetrug.ch. Wichtigster Tipp: Kontakt sofort beenden, wenn um Geld gebeten wird – egal wofür!
21. Februar 2009 | Gery Schwager, Redaktion K-Tipp
