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«Die nervöse Braut ablenken und beruhigen.» Das ist einer der vielen Heiratstipps, die sich in Hochzeits-Zeitschriften finden.
Das Magazin «Bräutigam» trimmt den Junggesellen für die Ehe fit. Viele Seiten sind mit Bildern von Spielrennautos dekoriert. Denn: Der Mann im heiligen Stand der Ehe bleibt ein Kind. Daran ändert der Treueschwur fürs Leben offenbar nichts. «Bräutigam» ist übrigens nichts für flauschige Wattebürschchen, sondern richtet sich an die hartgesottene männliche Spezies. Da werden «Socken für Superhelden» propagiert. Und, fast leicht frivol, ein «Hochzeitsgefährt mit Bums». Worunter ein Porsche 911 zu verstehen ist.
Jetzt ist die Zeit der Hochzeitsmagazine, jener Hefte, die Heiratswillige auf den schönsten Tag ihres Lebens vorbereiten. Ein halbes Dutzend davon liegt in den Kiosken. «Braut», «Weddingstyle», «Swisswedding» oder schlicht «Hochzeit» heissen die Publikationen. Sie verkaufen ihre Ratschläge teuer, zwischen 8 und 15 Franken kostet so ein Magazin. Wobei der Kauf eines einzigen Heftes genügt – überall steht das Gleiche drin.
«Traumzyt» heisst das wichtigste Schweizer Hochzeitsmagazin. Es erscheint jeweils zum Jahresbeginn. Das Heft enthält eine ausführliche Fotostrecke mit Bildern von Hochzeitskleidern. Der Laie wundert sich, wie viele Varianten es gibt: Züchtig oder sexy, altertümlich oder futuristisch. Fast alles in Weiss – denn die Farbe der Jungfräulichkeit gehört offenbar zur Hochzeit wie das Gebimmel der Kirchenglocken.
Mit Werbung gespickter redaktioneller Teil
Die redaktionellen Texte von «Traumzyt» sind unverfroren mit Werbung durchzogen. So propagiert ein Schmuckladen sein Angebot unter dem Titel «Das neue Gesicht des Luxus». Oder «Trauringe aus Platin – der Inbegriff des Besonderen». Besonders insofern, als sich diese Ringe im Notfall auch als Schlagringe einsetzen lassen. Damit ja nichts vergessen geht, brilliert die «Traumzyt» mit einer Checkliste. «Datum der Hochzeit festlegen», liest man da. Ebenso hilfreich ist der Hinweis «Budget verteilen». Denn eine anständige Hochzeit mit Klimbim kostet heute 20’000 bis 30’000 Franken.
Der Inhalt der Hefte wiederholt sich
Die «Traumzyt» besticht jedes Jahr mit dem mehr oder weniger gleichen Inhalt. «Ich kann die Hochzeit ja nicht neu erfinden», sagt Chefredaktor Thomas P. Strütt treuherzig. Und anscheinend suchen alle Paare Antworten auf die gleichen Fragen. Wie etwa: «Darf in der Kirche während der Hochzeit fotografiert werden?» Da der Allmächtige darauf kaum selbst eine Antwort gibt, fragt man am besten den Pfarrer. Den muss man laut «Traumzyt» ohnehin mindestens sechs Monate vor dem Termin kontaktieren. Wer zu spät kommt, kanns gleich vergessen. Und hat wenigstens genügend Zeit, sich die Sache noch einmal gut zu überlegen.
15. Februar 2009 | Rolf Hürzeler, Redaktionsleiter saldo
