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Wenn im Gotthardgebiet eine Lawine niedergeht, sucht Stefan Regli mit seinem Hund verschüttete Skifahrer. Dabei setzt er sein Leben aufs Spiel.
Stefan Regli, wie viele Menschen haben Sie gerettet?
In 22 Jahren als Lawinenhundeführer befreite ich drei Menschen lebend aus Lawinen. Die meisten Verschütteten sterben, bevor mein Hund Lacky sie findet. Die Überlebens-Chancen in einer Lawine sind sehr klein.
Sehen Sie sofort, ob ein Verschütteter noch lebt?
Als mein Hund zum ersten Mal einen Skifahrer fand, war sofort klar, dass er am Leben war. Er rief: «Nehmen Sie Ihren verdammten Köter weg!»
Eine undankbare Reaktion.
Ich konnte den Verschütteten verstehen. Mein Hund hatte ihn mit der Pfote an der Backe gekratzt, das war für ihn unangenehm. Oft kann ich aber nicht abschliessend beurteilen, ob die Verschütteten noch leben. Wenn ich ihren Puls nicht spüre, heisst das nicht zwingend, dass sie tot sind. Nur der Arzt kann das sagen.
Belastet Sie diese Ungewissheit?
Solange die Rettung läuft, habe ich keine Zeit, darüber nachzudenken. Doch wenn ich heimkomme, habe ich oft ein beklemmendes Gefühl. Dann beschäftigen mich viele Fragen: Habe ich mein Bestes gegeben? Habe ich den ganzen Lawinenkegel abgesucht? Hätte ich anders vorgehen sollen?
Fühlen Sie sich verantwortlich für das Schicksal der verschütteten Menschen?
Ja, ein Stück weit fühle ich mich dafür verantwortlich. Aber ich muss auch darauf achten, dass ich bei einem Rettungseinsatz nicht selber verschüttet werde. Denn wenn an einer Stelle eine Lawine niedergegangen ist, können jederzeit weitere Lawinen kommen – sogenannte Nachlawinen.
Haben Sie Angst um Ihr Leben, wenn Sie in einem Lawinenkegel Verschüttete suchen?
Ja. Wenn ich mich in einen gefährlichen Bereich begebe, bin ich so angespannt, dass ich fast die Flöhe husten höre. Wenn der Wind um die Felsen pfeift, oder wenn ein Flugzeug kommt, denke ich: Das könnte eine Nachlawine sein.
Haben Sie schon einmal eine Rettungsaktion abgebrochen, weil die Situation für Sie zu gefährlich war?
Nein, das habe ich noch nie gemacht. Wenn ich einen Lawinenkegel sehe, weiss ich: Jemand wartet auf Hilfe. Für mich ist es etwas vom Schönsten, wenn ich jemanden aus einer Lawine retten kann.
Und wie ist es für Ihren Hund?
Wenn Lacky einen Verschütteten findet, kriegt er ein Stück Cervelat zur Belohnung. Er hat aber normalerweise keinen direkten Kontakt mit den Lawinenopfern. Wenn wir diese ausgraben, sucht Lacky bereits an einer anderen Stelle nach weiteren Verschütteten.
Hatten Sie nie Lust, in der warmen Stube zu bleiben, statt Ihr Leben bei einem Rettungseinsatz zu riskieren?
Doch, das kam auch schon vor. Aber für mich überwiegt das Positive. Die Beziehung zu meinem Hund macht mir viel Freude. Lacky ist mein bester Freund. Menschen enttäuschen einen manchmal – aber Lacky hat mich noch nie enttäuscht. Er ist schon zehn Jahre alt, aber er rennt noch immer wie eine Rakete.
Zur Person: Stefan Regli
Im Winter ist Stefan Regli ehrenamtlicher Lawinenretter. Mit seinem Schäferhund Lacky ist er für die «Alpine Rettung Schweiz» im Gotthardgebiet unterwegs. Lacky riecht Menschen, die unter mehreren Metern Schnee verschüttet sind. Im Hauptberuf ist Stefan Regli Qualitätsleiter einer Fabrik in Altdorf UR. Mit seiner Frau und seinen zwei Kindern wohnt er in Realp UR.
14. Februar 2009 | Andreas Gossweiler, Redaktion Gesundheitstipp
