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Ein Ehepaar verlor mit dem Raiffeisen Pension Portfolio viel Geld. Obwohl die Bank «grösstmögliche Sicherheit» und den «Kapitalerhalt» in Aussicht stellte.
Die Verdienstchancen herausstreichen, das Risiko herunterspielen – dieses Vorgehen der Banken ist bekannt. Auch die Raiffeisenbanken sind davor nicht gefeit. Das hat ein Ehepaar aus einem Bündner Bergdorf erlebt.
Es vertraute der Raiffeisenbank Surselva in Ilanz GR 203 100 Franken an. Auf dem Höhepunkt der Börsenkrise verlor das Paar die Nerven, verkaufte die Anlage wieder und erhielt nur noch 170800 Franken. So kam es zu einem Verlust von rund 32000 Franken.
Gemäss Werbeunterlagen und Verkaufsprospekten hätte ein solcher Verlust gar nicht eintreten dürfen. Denn das Ehepaar kaufte ein Pension Portfolio, das sich vor allem an Rentnerinnen und Rentner richtet. Und so funktioniert es: Die Bank nimmt das Geld entgegen, legt es an und zahlt dem Anleger regelmässig eine bestimmte Summe aus – bis das Geld komplett aufgebraucht ist. Das Ehepaar aus dem Bündnerland wünschte eine künftige Auszahlung von 1000 Franken pro Monat.
«Wir wollten mit Pension Portfolio Sicherheit»
In der Mitgliederzeitung von Raiffeisen wurde das Produkt in den höchsten Tönen gelobt. Da war von «attraktiven Renditechancen» die Rede, und das Portfolio biete ein «hohes Mass an Sicherheit».
Zudem komme bei diesem Produkt die «Multi-Asset-Class»-Anlagestrategie zur Anwendung, die «auch in schwierigen Marktphasen den Erhalt des Kapitals und positive Renditen ermöglichen» solle.
Mehr noch: In ihrem Kundenmagazin empfahl Raiffeisen angehenden Pensionierten auch, die eine Hälfte des Pensionskassenguthabens als sichere Rente zu beziehen, die andere Hälfte in das Pension Portfolio einzuzahlen. So erweckte Raiffeisen den Eindruck, der Ertrag aus dem Portfolio sei ähnlich stabil wie die garantierte und feste Auszahlung der Pensionskassen-Rente. All dies überzeugte auch das Bündner Paar. «Wir wollten Sicherheit.»
Es kam anders. Seit der Lancierung im Juli 2007 verlor das Portfolio wegen der Finanzkrise rund 20 Prozent an Wert. Der Grund liegt vor allem darin, dass die Anlagestrategie nicht so auf Sicherheit angelegt ist, wie es die Beteuerungen von Raiffeisen nahelegen würden. Denn 15 Prozent des Geldes stecken in Aktien, weitere 20 in einem hochriskanten und gebührenintensiven Dach-Hedge-Fund.
Dazu kamen hohe Kosten. Gleich zu Beginn gingen auf einen Schlag 3000 Franken für Gebühren, Fonds- und Abwicklungskosten weg. Dazu verlangt Raiffeisen eine jährliche Gebühr von 1 Prozent auf die gesamte Anlagesumme.
Raiffeisen: «Risiko liegt beim Auftraggeber»
Hat also Raiffeisen einem risikoscheuen älteren Paar auf aggressive Weise ein ungeeignetes und riskantes Produkt ohne genügende Risikoaufklärung verkauft? Diesen Vorwurf weist Raiffeisen zurück. Die Aussagen in den Verkaufsunterlagen und Produktbeschreibungen dürften «nicht fokussiert» betrachtet werden. Zudem sei dort auch von Wertschwankungsreserven die Rede. Es hätten intensive Kundengespräche stattgefunden. Man habe den Kunden die langfristige Funktionsweise der Anlage aufgezeigt und sie «umfassend und bedürfnisgerecht» aufgeklärt. Das Geschäft sei korrekt abgewickelt worden, die Kundenberaterin habe sich viel Zeit genommen.
Eine schriftliche und klare Risikoaufklärung findet sich erst am Schluss des dreiseitigen Auftragsformulars, das die Kunden unterschrieben haben. Dort steht: «Kurse können sowohl steigen als auch fallen.» Und: «Das Risiko von Wertschwankungen der getätigten Anlage liegt vollumfänglich beim Auftraggeber.»
Damit dürfte die Bank juristisch aus dem Schneider sein. Sie sieht denn auch keinen Anlass, den Kunden den entstandenen Schaden zu ersetzen. Zudem habe man ihnen mehrfach vom Verkauf der Anlage zum jetzigen Zeitpunkt abgeraten. Das Ehepaar aus dem Bündnerland zieht daraus ein klares Fazit: «Für uns sind Aktien gestorben.»
02. Februar 2009 | Ernst Meierhofer, Redaktion K-Tipp
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