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Artikel | K-Geld 01/2009

Über 300 Fr. mehr fürs Gleiche

Stossende Prämienunterschiede bei der Spital-Zusatzversicherung Classica der Helsana: Eine Frau zahlt 411 Franken, ihr fast gleichaltriger Mann nur 106 Franken – für exakt das Gleiche.

Vor zwölf Jahren wurden die Zusatzversicherungen der Krankenkassen neu dem Privatversicherungsrecht unterstellt. Das hatte etwa bei der Krankenkasse Helsana harte Konsequenzen für die Versicherten. Denn die Kasse machte bei ihren Kunden eine Unterscheidung zwischen guten und schlechten Risiken – und teilte diese in unterschiedlich teure Produkte ein.


So kam es, dass ältere Versicherte, die nicht mehr bei bester Gesundheit waren, für ihre Spital-Zusatzversicherung plötzlich einen Prämienaufschlag um 100 Prozent oder noch mehr schlucken mussten.

Der ärgerliche Zustand dauert an. Das zeigt sich bei Margot und Niklaus Sommerer aus Bern. Der 61-jährige Mann hat bei der Helsana die «normale» Halbprivat-Spitalzusatzversicherung – sie kostet ihn 2009 Fr. 106.30 pro Monat.


Helsana Classica: Prämien steigen überproportional

Seine 63-jährige Frau Margot zahlt monatlich Fr. 411.60 – ebenfalls für die Halbprivat-Spitalzusatzversicherung mit den exakt gleichen Leistungen. Der Grund: Margot Sommerer wurde damals in die teure Classica-Variante abgeschoben, während der offenbar gesündere Mann das kostengünstige «Plus»-Produkt erhielt. «Es war uns freigestellt, verschiedene Risikogruppen zu bilden», rechtfertigt sich die Helsana.

Wohin diese Risikoselektion führen wird, ist absehbar. Weil in der Classica eher krankheitsanfällige Leute sitzen, die zudem stetig älter werden, steigen hier die Prämien auch künftig überproportional an.

Diese Prämienschere zeigte sich schon in der Vergangenheit. In den letzten
zehn Jahren stieg die Prämie von Margot Sommerer um 71 Prozent, diejenige ihres Mannes nur um 9 Prozent. «Das hat mit der Entwicklung der Leistungskosten in den beiden Versichertenkollektivs zu tun», schreibt die Helsana.

Damit sitzt Margot Sommerer – wie viele andere auch – in der Falle. Ihre Prämie wird weiter steigen, und wenn der Schmerzpunkt überschritten ist, wird sie ihre Spital-Zusatzversicherung kündigen müssen. Für ihren Mann hingegen bleibt sie viel länger bezahlbar.


Spitalzusatz: Die Kassen haben alle Freiheiten

Das ist ganz im Sinne der Helsana. Wenn die Prämien der «normalen» Versicherung bezahlbar bleiben, ist sie mit diesem Angebot konkurrenzfähig. Wie stark hingegen ihre Classica-Versicherten zur Kasse gebeten werden, spielt so gesehen keine Rolle.

Und es zeigt einmal mehr: Bei den Zusatzversicherungen haben die Kassen Vertragsfreiheit, sie können praktisch machen, was sie wollen. Für Gesunde bietet das viele Vorteile, Kranke haben wegen der fehlenden Solidarität nichts zu lachen.

Inzwischen beschäftigen sich auch Gerichte mit diesem Thema. Denn seit Anfang 2008 gilt eine einschlägige Bestimmung in der Aufsichtsverordnung über die Privatversicherungen. Sie besagt: Personen aus einer geschlossenen Versicherung, die nicht mehr verkauft wird, dürfen in ein anderes bestehendes Produkt wechseln. So gesehen hätte Margot Sommerer theoretisch das Recht, sich ebenso günstig zu versichern wie ihr Mann.

Nur: Die Helsana bestreitet, dass die teure Classica ein geschlossener Bestand sei. Zwar schrieb auch das Bundesamt für Privatversicherungen in einer Antwort an Margot Sommerer, die teure Classica sei wegen «Überalterung und Antiselektion» nur noch «schwer verkäuflich». Die Helsana hält aber daran fest, sie habe «allein von 2003 bis Mai 2008 1180 Personen aufgenommen».

02. Februar 2009 | Ernst Meierhofer, Redaktion K-Tipp


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