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Artikel | saldo 02/2009

Tierische Stoffe in vegetarischen Lebensmitteln

Gehen Vegetarier einkaufen, müssen sie meist mühsam das Kleingedruckte auf Verpackungen lesen, um herauszufinden, ob das Produkt wirklich vegetarisch ist. Ein einheitliches Label für Vegetarier würde den Einkauf vereinfachen.

Ein Gang durch die Grossverteiler Migros und Coop fördert für Vegetarier Erstaunliches zu Tage: Eine Sorte Grissini enthält Schweinefett, andere kommen ohne aus. Eine Funghi-Pastasauce ist mit Fleischextrakt angereichert, während die Pesto-Sauce für alle Vegetarier geeignet ist, die auch Eier und Milchprodukte essen. Gemäss Zutatenliste hat es im tiefgekühlten Knoblauch-Brot Rinderextrakt, in den Spinat-Chüechli hingegen nicht.

In einigen Kaugummis der Marken V6, Trident oder Stimorol und in gewissen Lakritzen steckt aus Schweine- oder Rinderabfällen hergestellte Gelatine, andere sind für Vegetarier geeignet. «Gelatine ist ein Verdickungsmittel, das Zutaten zusammenhält», erklärt Ernährungsspezialist Heinz Knieriemen. Im Kaugummi verbindet Gelatine die Fruchtbestandteile mit der Restmasse. Wer einen Kaugummi kaut, beisst deshalb nicht auf harte Fruchtstücke.


Käseherstellung: Kälberlab bringt die Milch zum Gerinnen

Denselben Effekt hat Gelatine in Fruchtquarks oder Quarktorten. Zudem enthalten viele Dessertcremes mit Schlagrahmhaube ebenfalls Gelatine. Ein Hilfsstoff ist Gelatine zudem bei der Herstellung von klaren Apfel- und Traubensäften. Nur: Auf den Flaschen ist dies nicht deklariert.

Unsicherheit auch am Käsestand: Bei der Herstellung einiger Sorten verwenden die Käser industriell hergestelltes mikrobielles Lab. Für viele andere Käsesorten wie Greyerzer und Emmentaler greifen sie zu Kälberlab. Lab dient der Gerinnung der Milch. Die Käser legen die gewaschenen und getrockneten Labmagen junger Kälber ein, bis das Lab flüssig wird und der Käsemilch beigegeben werden kann. Die Kalbsmagen werden zwar weggeschüttet und kommen mit Milch nicht in Berührung. Doch viele Vegetarier wollen grundsätzlich keine Nahrungsmittel zu sich nehmen, zu deren Herstellung es tierischer Hilfsstoffe bedarf.


Label bisher auf Soja- und Vegi-Linien der Grossverteiler

Gegen die Unsicherheiten gäbe es eine einfache Lösung: das V-Label. Dieses europaweit verbreitete Vegetarier-Logo prangt bereits jetzt auf gut 230 Schweizer Produkten. Bei Migros ist es auf den Sojaline-Produkten, der Fleischersatz-Linie Cornatur und einigen Anna’s-Best-Produkten zu finden, bei Coop auf der Vegi-Linie Délicorn.

Hilfreich wäre dieses V-Label auch zur Kennzeichnung von Kaugummis, Backwaren, Käsesorten oder Säften, die keine Schlachtabfälle oder tierischen Hilfsstoffe enthalten. saldo hat bei den Grossverteilern und Herstellern nachgefragt.


Gesamthafte Einführung: Migros verzichtet wegen zu hohen Aufwandes

Sie begrüssen die Idee: «Produkte, bei denen nicht auf Anhieb klar ist, ob sie vegetarisch sind, sollen mit dem V-Label gekennzeichnet werden», sagt Coop-Sprecher Karl Weisskopf. Dazu seien aber in erster Linie die Hersteller zuständig. Dasselbe betont Migros-Sprecherin Monika Weibel. Um das Vegi-Label zu erhalten, brauche es viele Abklärungen. Sei ein Produkt damit gekennzeichnet, müsse der Hersteller jede Änderung oder Produktedeklaration melden. Weibel: «Dies alles ist mit grossem Aufwand verbunden, weshalb die Migros das offizielle Vegi-Label nicht flächendeckend eingeführt hat, sondern den Entscheid den Herstellern überlässt.»

Angesprochen sind damit Markenproduzenten wie Emmi, Biotta oder Stimorol, Trident und V6. Für Emmi sind gesundheitliche Anliegen wie die Allergiker-Problematik wichtiger. Sprecherin Monika Senn: «Vor allem Allergiker sind auf deutliche Deklarationen angewiesen.» Immerhin: Auf der Emmi-Homepage können Vegetarier nachlesen, welche Emmi-Käsesorten für sie geeignet sind.

«Es kann aber auch mühsam sein, mit solchen Listen einkaufen zu müssen», gibt Renato Pichler, Präsident der Schweizerischen Vereinigung für Vegetarismus, zu bedenken und fordert das V-Label für Käse ohne Kälberlab.


Cadbury: Diverse Kaugummis bald ohne tierische Gelatine

Nicht deklariert ist die Verwendung von tierischer Gelatine auch bei klaren Apfel- und Traubensäften. Hier wird sie zum Enttrüben eingesetzt (siehe saldo 2/08). «Anschliessend werden die Säfte aber gefiltert. In Biotta-Traubensäften befindet sich somit keine Gelatine», sagt Sprecher Ronald Haug. «Aber wir wissen auch, dass viele Vegetarier damit Probleme haben, dass Gelatine bei der Produktion verwendet wird.» Dies haben auch die Leserreaktionen auf den erwähnten saldo-Artikel gezeigt. Deshalb, so Haug weiter, prüfe Biotta eine entsprechende Kennzeichnung nochmals.

«Eine interessante Idee» findet man das V-Label bei Cadbury, dem Hersteller von V6, Trident und Stimorol. Cadbury zeigt, dass eine Umstellung möglich ist: «Voraussichtlich ab April enthalten alle V6 White und V6 Dental Care keine tierische Gelatine mehr», sagt Brand-Manager Adrian Soller. Kaugummis mit flüssigem Kern wie «Stimorol strawberry-lime» hingegen enthalten weiterhin Rindergelatine.

02. Februar 2009 | Petra Stöhr, Redaktion saldo


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