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Artikel | saldo 02/2009

CD-/DVD-Tipps: Plastikspuren bis in die Arktis

Der Dokumentarfilm «Plastik» zeigt, wie der ständig wachsende Kunststoffmüllberg Mensch und Tier langsam vergiftet.

Ohne Plastik geht nichts: CDs und Speicherchips sind ebenso von Kunststoff abhängig wie Autos oder die moderne Medizin. Die deutsche Dokumentation «Plastik. Billiger Stoff – hoher Preis» macht zu Beginn ersichtlich, worauf die Menschheit ohne Plastik verzichten müsste. Die Kehrseite dieser Abhängigkeit: Das Produkt ist existenzgefährdend. Der Filmemacher Bertram Verhaag interviewte dazu Umweltexperten und Chemiker. Er verfolgte die schädlichen Spuren von Plastik auf den Weltmeeren bis hinauf zum arktischen Eis.

Die Dokumentation zeigt eindrücklich die schwimmenden Müllteppiche auf dem Wasser. So hat sich nordwestlich von Hawaii eine Masse von Plastikpartikeln im Pazifik angesammelt, die die Grösse von Mitteleuropa aufweist.

Der Grund für die gefährliche Wirkung von Plastik: Viele Kunststoffe enthalten Hunderte von Zusatzstoffen wie Weichmacher oder Flammschutzmittel. Das Plastik zersetzt sich im Wasser nach und nach in immer kleinere Partikel, bis es Fische auffressen.

Diese Zusatzstoffe wirken auf Lebewesen ähnlich wie Hormone. Durch die Nahrungskette verbreiten sie sich auch auf das Festland: Eisbären in der Arktis zum Beispiel leiden unter einem massiv gestörten Hormonhaushalt, haben Wachstumsstörungen sowie Missbildungen der Fortpflanzungsorgane. Der Mensch am Ende der Nahrungskette bekommt die volle Ladung der Chemikalien ab. Eine WWF-Studie zeigt, dass sich im Blut der meisten Europäer Spuren von Zusatzstoffen finden.

Der Filmemacher will nicht nur schwarzmalen. So zeigt er Versuche, Plastik herzustellen, welches sich deutlich besser rezyklieren lässt. Ausserdem propagiert er den Einsatz von vollständig abbaubarem Bio-Plastik aus Maisstärke.

«Plastik. Billiger Stoff – hoher Preis.» Ein Film von Bertram Verhaag. Deutschland 2008. 45 min. Anbieter: Denkmal-Film GmbH, 2008.


CD-tipps

Pop/Rock: Easy Listening mit Kanten

Futuristischer Pop, Motown Jazz oder Electronica? Das US-Duo The Bird And The Bee entzieht sich gängigen Schubladisierungen. Die Musik auf dem zweiten Album «Ray Guns are not Just the Future» klingt nach 60ern und ist zugleich modern. Im Mittelpunkt steht die glockenklare Stimme von Inara George. Keyboarder Greg Kurstin verpasst den Songs intelligente Harmonien, verschrobene Klänge sowie überraschende Wendungen. Die Musik auf der CD schrammt immer wieder knapp am Kitsch vorbei. Unter der Oberfläche verbirgt sich aber bei genauerem Hinhören feine Ironie und verquerer Spielwitz. Eine Art Easy-Listening-Musik mit Kanten.

The Bird And The Bee, «Ray Guns are not Just the Future», Emi


Klassik: Dramatischer Händel

Kraftvoll und mit viel Temperament singt sich die amerikanische Mezzo-Sopranistin Joyce DiDonato durch ein ausgewogenes Sortiment an Opernarien von Georg Friedrich Händel. Ihre neue Einspielung, die sie zusammen mit dem französischen Barockensemble Les Talens Lyriques unter Christophe Rousset gestaltete, präsentiert sich als erfrischender Mix an Furiosem und Lyrischem. DiDonatos Hauptakzent liegt auf dem Dramatischen. Darunter leidet zwar manchmal die Intonation, aber das tut dem Gesamteindruck keinen Abbruch. Die direkte Art, mit der DiDonato musiziert, trifft den androgynen Charakter von Händels Musik im Kern.     

Joyce DiDonato, Les Talens Lyrique, Christophe Rousset, «Furore», Handel Opera Arias, Virgin Classics


Jazz: Kein gemütlicher Swing

Im Jazz tauchen immer wieder bahnbrechende Stilisten auf, die zahlreichen Musikern als Rollenmodell dienen. So eifern zum Beispiel seit einigen Jahren mehr und mehr Gitarristen Kurt Rosenwinkel nach. Die Aufnahmen Rosenwinkels definieren einen neuen Jazz-Sound, der sich durch eine reichhaltige Harmonik, ungewöhnliche Strukturen und eine breite Palette an Grooves auszeichnet – fernab von Swing-Gemütlichkeit. Einer der begabtesten Rosenwinkel-Adepten ist der Schweizer Matthias Siegrist. Er ist ein ebenso agiler Gitarrist wie einfallsreicher Komponist. Mit seinem Quartett Logbook spielt er eine Musik zwischen Romantik und Abstraktion.

Matthias Siegrist, Logbook, «Depart», Neuklang

02. Februar 2009 | Mmn, thl, trü, tom


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