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Lothar Magnus, 53, arbeitet im Schlachthof Basel.
Mein erstes Schaf war schlimm. Das machte mir zu schaffen. Es war neu für mich, ein Tier zu schlachten. Ich mag Tiere. Daheim haben wir Kaninchen.
Heute macht mir die Arbeit im Schlachtbetrieb nichts mehr aus. Wir schlachten in einer Woche rund 12 000 Schweine, 400 Schafe, 160 grosse Rinder und 40 Kälber. Da gewöhnt man sich mit der Zeit daran.
Ich bin Schlachtlinienleiter bei den Rindern und Schafen. Mein Arbeitstag beginnt meist um 5.45 Uhr. Montags, mittwochs und freitags bedeutet dies vor allem viel Papierkram und Spedition. Ich verpacke und verschicke unter anderem Lebern, Herzen und Nieren. Aus ihnen werden später Leberwürste und Tierfutter. Daneben begleite ich täglich die Schweine von der Waage bis zu den Kühlräumen. Hier bin ich für die Kontrolle zuständig. Wenn zum Beispiel jemand den Fleischgehalt eines Tieres falsch bestimmt, bügle ich den Fehler wieder aus.
Dienstags und donnerstags schlachten wir Rinder und Schafe. Wenn die Tiere aus der ganzen Schweiz bei uns ankommen, sind sie etwas unruhig. Darum ruhen sie erst eine Stunde in unseren Ställen. Danach geht für sie alles ganz schnell. Für die Rinder und Schafe haben wir einen Bolzenschussapparat. Ein Schuss in die Stirn betäubt sie. Die Schweine schlafen dank CO2-Gas langsam ein. Mir macht es nichts mehr aus, weil ich weiss, dass das Tier nichts spürt.
Bei uns im Team arbeiten sieben Mann. Jeder von uns muss beim Schlachten alle Arbeitsschritte beherrschen, weil wir zwischen den Positionen rotieren. Der erste Mann hängt das Tier an einem Haken auf. Der nächste löst die Haut vor. Dann kommen die sogenannten Hautabroller, die dem Tier die Haut abziehen. Bei den Schweinen reicht dafür ein Mann, doch bei den grossen Rindern braucht es zwei Leute, die von zwei Seiten ziehen. Als Nächstes nehmen wir die Tiere aus. Früher hatten wir ein einziges Messer, das auch für Kopf und Rückenmark verwendet wurde. Heute, nach BSE, gibts mehrere Extramesser.
Wenn das Tier geschlachtet ist, kommen die Veterinärmediziner an die Reihe, die prüfen, ob das Tier gesund war. Ist dies bei den Rindern der Fall, gelten sie als genusstauglich. Bei den Schweinen dauert das länger. Die Mediziner untersuchen sie auf die Bandwürmer Trichinen. Dafür bleiben die Schweine eine Nacht in Quarantäne. Auch ich darf in dieser Zeit nicht in die Kühlräume.
Eigentlich wollte ich Tierpfleger werden. Meine Lehrerin liess damals aber meinen Schulkollegen das Praktikum machen und nicht mich. Aus Trotz suchte ich eine Stelle als Metzgerlehrling. Meine Lehrerin war entsetzt, als ich ihr den Lehrvertrag zeigte.
Nach der Lehre war ich Metzger in Deutschland, arbeitete im Zerlegebetrieb und dann in einer Wursterei. Seit gut 30 Jahren arbeite ich in Schlachthöfen, seit 15 Jahren in Basel.
Früher hatten Metzger einen schlechten Ruf. Sah man sie auf der Strasse, ging man auf die andere Seite. Das ist heute anders. Die Leute wissen, dass die Tiere bei uns nicht leiden. In meinem Beruf reizt mich die Verantwortung, im Schlachthof alles sauber zu halten. Eine Verschmutzung würde sich bei diesen Mengen an Tieren schnell im ganzen Betrieb verteilen. Als ich anfing, schlachteten wir die Tiere am Boden, in Jeans und mit Gummistiefeln. Später kamen dann die weissen Overalls dazu, dann die Tierschutz- und Hygienevorschriften. Ich gehe abends mit einem guten Gewissen nach Hause. Und ich esse immer noch Fleisch.
02. Februar 2009 | Marc Mair-Noack
