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Artikel | Gesundheits-Tipp 01/2009

Sanfte Medizin gegen den Juckreiz

Schlimmer Juckreiz, schlaflose Nächte: Neurodermitis ist für kleine Kinder und deren Eltern eine anstrengende Krankheit. Oft helfen sanfte Heilmethoden.

Anikas Leidenszeit begann mit 18 Monaten: Sie bekam juckende Ekzeme  am ganzen Körper und am Kopf.  Die Kleine begann sich deshalb ständig fürchterlich zu kratzen. Ein chronischer Husten kam noch hinzu. Für Anikas Mutter Sandra Yago eine belastende Zeit: «Es war schlimm, mein Kind so leiden zu sehen», erzählt sie. «Die ganze Familie war völlig am Anschlag.»

Für Sandra Yago war klar: Sie wollte ihrem Kind keine chemischen Medikamente geben. Sie fand, das würde Anika zu stark belasten. Stattdessen suchte sie nach alternativen Behandlungsmethoden für die Ekzeme.

Eine homöopathische Behandlung schliesslich brachte den Erfolg: Anika sprach gut darauf an, die Neurodermitis scheint nach eineinhalb Jahren Leidenszeit überwunden. «Anika hat fast keine Beschwerden mehr, es geht ihr heute bestens», erzählt die Mutter.

Die Geschichte von Sandra Yago und ihrer Tochter ist typisch für Neurodermitis: Betroffene Familien probieren meist verschiedene Behandlungsmethoden – und zwar häufig solche aus dem komplementärmedizinischen Bereich. Der Grund: Medikamente mit Kortison wollen viele Eltern meiden. Die Angst vor Nebenwirkungen ist zu gross.

Doch gemäss Fachleuten muss man als Eltern diese Risiken in den meisten Fällen gar nicht eingehen. Denn es gibt mehrere alternative Methoden, die den Kleinen häufig helfen:

  • Auf Kuhmilch verzichten: Stillende Mütter sollten versuchsweise auf Kuhmilch verzichten. «Häufig geht es dem Kind dadurch besser», sagt der Zürcher Arzt und Homöopath Marc Muret. Nach dem Abstillen sollte man dem Kind im ersten Lebensjahr keine Kuhmilch geben.
  • Heikle Lebensmittel meiden: Das Schweizerische Zentrum für Allergie, Haut und Asthma (aha) rät, während des ersten Lebensjahres des Kindes auch auf folgende Nahrungsmittel zu verzichten: Eier, Nüsse, Fisch, Meeresfrüchte, Schweinefleisch, Soja, Zitrusfrüchte, Schokolade, Tomaten.
  • Bei Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie soll man einen Allergietest machen lassen.
  • Die Haut sanft pflegen: Trockene und schuppende Haut braucht die richtige Pflege. Gemäss Kristin Kernland, Hautärztin am Berner Inselspital, ist folgende Methode wirksam: Das Kind regelmässig in parfümfreiem Öl baden, bei 33 oder 34 Grad. «Das löst die Kruste und befeuchtet die Haut.» Nach dem Bad das Kind mit Mandelölsalbe einreiben.
  • Ruhe ins Leben bringen: Bei einer Neurodermitis sollte nicht bloss die Haut, sondern auch das Umfeld des Kindes angeschaut werden. «Die Krankheit kann durch Stress, Streitereien, Unruhe oder Schlafmangel ausgelöst werden», sagt Kristin Kernland.
  • Homöopathische Behandlung: Die Erfolge mit homöopathischen Kügelchen seien gut, sagt Homöopath Marc Muret. Eine solche Behandlung benötige aber Geduld. Doch es lohne sich, handle es sich doch um eine innere Heilung. «Unterdrückt man die Krankheit mit Kortison, können andere Krankheiten entstehen, wie etwa Bronchitis und Ohrenprobleme», so Muret.
  • Traditionelle chinesische Medizin: Hongwei Liu ist Ärztin für traditionelle chinesische Medizin (TCM). Sie arbeitet in der Sinomed-Hirslanden in Zürich. Ihre Erfahrung zeige: Zwei bis drei Wochen nach einer TCM-Behandlung gehe es den betroffenen Babys und Kindern oft wieder gut.

    Die Ärztin gibt den kleinen Patienten Kräuter. Sie sollen sie einnehmen und darin baden. Eine Kräuter-Creme hilft bei der Hautpflege. Hongwei Liu behandelt die Patienten zudem mit Kinderakkupunktur, Massage und Schröpfen. «Das regt die Verdauung an, stärkt das Immunsystem und beruhigt die Nerven», sagt die TCM-Ärztin. Das sei wichtig, weil Kinder mit Neurodermitis sehr unruhig seien.
  • Kortison in akuten Phasen: Mit einer Kortisonsalbe kann man zwar keine Neurodermitis heilen: In besonders akuten Phasen kann es aber durchaus angebracht sein, sie einzusetzen. Das bestätigt auch der Homöopath Marc Muret: «Man darf nicht vergessen, dass die Babys und Kleinkinder sich häufig blutig kratzen und fürchterlich leiden.» Das Einreiben einer Kortisonsalbe könne eine offene und entzündete Haut schnell lindern. Kind und Eltern erhielten so auch mal eine Entlastung.

    Gemäss Kristin Kernland ist es wichtig, dass man die Haut des Kindes immer richtig pflegt. Sonst erziele man keinen Erfolg. Die Hautärztin rät zudem, eine Therapie bloss für eine gewisse Zeit auszuprobieren: «Nach drei bis vier Wochen muss eine Besserung eintreten. Andernfalls soll man die Therapie abbrechen.»



Das hilft bei Neurodermitis

  • Zum Vorbeugen: Cremen Sie Ihr Kind täglich ein, zum Beispiel mit einer Mandelölsalbe.
  • Waschen Sie die kranke Haut des Kindes sanft mit verdünntem Essig (im Verhältnis 1 : 4).
  • Machen Sie Wickel mit Schwarztee.
  • Ziehen Sie dem Kind nachts Baumwollhandschuhe oder einen speziellen Seiden-Anzug an.
  • Verwenden Sie keine Duschmittel.


Weitere Informationen

 

16. Januar 2009 | Gabriela Braun, Redaktion Gesundheitstipp


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