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Die liechtensteinische Versicherung Aspecta verkauft ihre Fondspolicen sogar an Lehrlinge. Das nützt nur der Versicherung und den Vermittlern, kritisieren seriöse Vorsorgeberater.
Für Ruedi Ursenbacher ist der Fall klar: «Hier liegt ausschliesslich ein provisionsorientierter Versicherungsabschluss vor.» Ursenbacher ist Verwaltungsratspräsident der unabhängigen Fairsicherungsberatung AG mit Sitz in Bern.
Die Kritik von Markus Glauser ist ebenso dezidiert. «Eine Fondspolice mit Todesfallschutz ist bei jungen Menschen klar das falsche Instrument.» Glauser ist Chef der Berner Finanzplanungsfirma Glauser+Partner.
K-Geld hatte die beiden Experten mit dem Fall von Melanie Steuss (Name geändert) konfrontiert. Sie steckte 2005 als 19-Jährige noch in der Verkäuferlehre bei der Migros, als sie von einer Kollegin angesprochen wurde. In der Folge schloss sie eine Police ab und verpflichtete sich, 35 Jahre lang monatlich 100 Franken einzuzahlen. So verlor sie 3201 Franken.
Fondspolicen sind Lebensversicherungen, die einerseits einen Sparprozess mit Fondsanlagen und andrerseits einen Todesfallschutz enthalten. Das heisst: Die Hinterbliebenen bekommen Geld, wenn die versicherte Person stirbt. Im Fall Steuss wären das 47 460 Franken gewesen.
Eine solche Absicherung ist unnütz, kritisiert Ursenbacher. Ein Todesfallschutz sei nur für Leute mit Unterhaltspflichten angezeigt, wenn es darum gehe, Partner, Kinder oder Wohneigentum finanziell abzusichern. Bei jungen Leuten fehle schlicht ein solches Bedürfnis.
Auch die Kombination von Sparen und Versicherung ist äusserst problematisch. Eine solche gemischte Versicherungsform habe für «junge Menschen zu viele Nachteile, wie die Erfahrung immer und immer wieder» zeige, kritisiert Markus Glauser (siehe auch K-Geld 4/08).
Genauso war es auch bei Melanie Steuss. Nachdem sie drei Jahre lang insgesamt 3600 Franken eingezahlt hatte, wollte und konnte sie die Prämie nicht mehr zahlen. Und weil solche Policen in den ersten Jahren überhaupt keinen oder nur einen geringen Rückkaufswert haben, erhielt sie nur lumpige 399 Franken zurück. So kam es zum Verlust von 3201 Franken.
Jeder Zweite kündigt den Vertrag vorzeitig
Dass junge Menschen die lange Laufzeit sehr oft nicht durchhalten, weiss auch die Aspecta. Ihr früherer Chef Michael Neubert bestätigt, dass «etwa jeder zweite Versicherte seine Fondspolice vor Ablauf des Vertrags» kündigt.
Für die Experten Glauser und Ursenbacher ist deshalb klar: Sparen und sich versichern sollte man trennen. Für den Sparprozess sind die Banken zuständig, Versicherungsgesellschaften sind nur dann die richtigen Ansprechpartner, wenn das konkrete Bedürfnis nach Absicherung des Todesfalls besteht oder nach einer reinen Rente bei Erwerbsunfähigkeit. Zumal Sparen über Versicherung «am teuersten» sei, wie Ursenbacher betont.
Gegenüber K-Geld hält die Aspecta fest, sie wolle der Kundin nachträglich nicht entgegenkommen. Der Vertrag sei «völlig korrekt zustande gekommen» und die junge Frau habe ihre Zahlungen eingestellt, weil ihr das ein Aussenstehender empfohlen habe. Sie habe «Gespräche über die Fortführung oder andere Optionen» verweigert.
Verantwortungslose Verkäufer?
Die Versicherungsgesellschaft Aspecta mit Sitz im liechtensteinischen Vaduz vertreibt ihre Produkte in der Schweiz über freie Vermittler. K-Geld hat ihr vorgeworfen, darunter seien viele «verantwortungslose Policenverkäufer», die nur auf die eigene Verkaufsprovision schauen und jungen Leuten Produkte andrehen, die deren Bedürfnisse in keiner Weise abdecken.
Dieser Vorwurf sei «unsachlich und unangemessen», erwidert die Aspecta. Im Fall von Melanie Steuss hiess die Verkäuferin HPC Invest GmbH in Littau LU. Geschäftsführer Hanspeter Denzler sagt, man habe «der jungen Dame eine hervorragende Lösung aufgezeigt und ihr gleichzeitig Zugang zu einem optimalen Produkte verschafft».
08. Dezember 2008 | Ernst Meierhofer, Redaktion K-Tipp
