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Artikel | saldo 20/2008

Der Laser ist ein Risiko fürs Auge

Mehr und mehr Fehlsichtige lassen sich die Augen lasern. Doch die Operation verletzt die Augen für immer. Die meisten brauchen trotz der Operation eine Brille.

Tausende Brillen- oder Kontaktlinsenträger lassen sich jedes Jahr in der Schweiz die Augen lasern. Meistens benutzen Ärzte die Lasik-Methode. Die Chirurgen schneiden die Hornhaut an der Oberfläche auf und tragen mit dem Laser die Hornhaut ab. Dann klappen sie den Deckel wieder zurück.

Doch Fachleute raten von der Methode ab – wegen der Nebenwirkungen. Andreas Berke von der Höheren Fachhochschule für Augenoptik in Köln: «Die Hornhaut ist für Laseroperationen ungeeignet.» Der Laser schädige die Hornhaut, und das lasse sich nicht rückgängig machen. Schlimme Folgen würden manchmal erst Jahre später auftreten.


Die Wunde in der Hornhaut heilt nicht vollständig

Eine der Hauptanbieterinnen dieser Operationsmethode in der Schweiz ist die Pallas-Klinik-Gruppe mit ihren Vedis-Laserzentren. Sie machte öffentliche Werbeveranstaltungen für Lasik-Laser, zum Beispiel im Zürcher Nachtklub «Indochine» (saldo 18/04 und 14/07).

Auf ihrer Internetseite behauptet Pallas, dass die äussere Schicht der Hornhaut «innerhalb weniger Tage» vollständig ausheile und die Wunde verschliesse. Doch Studien zeigen: Die aufgeklappte Hornhaut heilt innen nicht mehr richtig aus. Sie erreicht in den ersten Jahren nur wenige Prozente der ursprünglichen Festigkeit, auch später höchstens die Hälfte. Dies bestätigt Christophe Huber, Professor für Augenheilkunde aus Forch ZH: «Der Arzt kann Wochen später den Hornhautlappen problemlos aufklappen.»

Die schwache Hornhaut kann lange nach der Operation einreissen oder sich gar verschieben. Das ist gefährlich: Krankheitskeimen ist es so möglich, in die Wunde einzudringen und der Patient kann erblinden.

Der Laser macht die Hornhaut dünner. Dadurch kann sie später ausbeulen – auch eine Brille hilft dann nur teilweise. Im schlimmsten Fall weicht die Hornhaut sogar auf. Forscher Andreas Berke sagt: «Das ist für Patienten furchtbar. Sie sehen mit jedem Lidschlag in einer anderen Sehstärke.» Dann hilft einzig eine Hornhaut-Transplantation.


Trockene Augen durch gestörte Tränenproduktion
Eine Lasik-Operation bringt vielen Patienten Nachteile, wie Untersuchungen zeigen:

  • Mindestens jeder Fünfte leidet noch sechs Monate nach der Operation an trockenen, schmerzenden Augen. Denn die Lasik-Schnitte stören die Tränenproduktion.
  • Fast jeder fünfte Patient sieht Lichthöfe um Lichtquellen. Betroffene können deswegen nachts kaum sehen.
  • Viele Operierte sehen Kontraste nicht mehr richtig: Details werden unklar.
  • Einige Patienten sehen Schatten und Doppelbilder.
  • Bei solchen Sehschäden helfen keine Brillen.Oftmals benötigen Operierte dennoch eine Brille. Entweder sofort, um einen restlichen Sehfehler auszugleichen – oder später gegen Alterssichtigkeit.



Augenärzte selbst ziehen das Brillentragen dem Lasern vor

Auffällig ist: Augenärzte lassen die Methode an sich selbst kaum zu, wie Fachleute bestätigen. Christophe Huber hat bei einer Fortbildung über das Augenlasern nachgezählt: «Mehr als die Hälfte der Augenärzte trug eine Brille. Kaum einer lässt sich selbst lasern. Sie sind auf eine gute Sicht angewiesen.»

Laser-Kliniken wehren sich gegen die Kritik. Eduard Haefliger, Leiter der Laservista-Kliniken, schreibt saldo, die Ärzte würden nicht einfach «herumlasern». Lasik sei «millionenfach» angewendet. Das Risiko sei vergleichbar mit langjährigem Linsentragen. Chirurgen müssten ihre Patienten genau untersuchen, um Fehler zu vermeiden. Haefliger räumt allerdings ein, dass die Hornhaut nicht mehr «vollständig verheilt».

Matthias Böhnke, Chefarzt der Vedis-Laserzentren, bestätigt, dass Hornhautschichten nur langsam, «über Jahre», heilten – anders, als es das Zentrum auf seiner Internetseite beschreibt. Die Hornhaut finde dann allerdings «zum normalen Zusammenhalt zurück». Auch das Problem der trockenen Augen, sagt Böhnke, kenne er. Viele Patienten interessierten sich für eine Lasik-Behandlung, weil sie schon vorher trockene Augen hätten und keine Kontaktlinsen vertrügen.


Lasik-Methode: So funktioniert der Eingriff

  • Die Augenchirurgen wenden den Lasik-Laser bei Kurzsichtigen bis –8 Dioptrien an, bei Weitsichtigen bis +3 Dioptrien und bei einer Hornhautverkrümmung bis 3 Zylinder-Dioptrien.
  • Je grösser der Sehfehler, desto eher gibt es Komplikationen.
  • Der Arzt schneidet in die oberste Schicht des durchsichtigen Teils des Auges, in die Hornhaut. Dann klappt er den Hornhautlappen zur Seite. Der Laser formt die Hornhaut um. Dadurch soll sie ein Bild so brechen, dass der Patient es scharf sieht.
  • Der Arzt klappt den Hornhautlappen über die Wunde. Er saugt sich fest. Die Wunde heilt jedoch nicht vollständig.
  • Kosten: um 4000 Franken pro Auge.
  • Je nach Technik heisst die Lasik-Methode anders, etwa C-Ten, Wellenfront-Lasik, Epi-Lasik, Femto-Lasik, Flex.
  • Lasek und PRK sind ältere Methoden.

 

02. Dezember 2008 | Ines Vogel


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