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Artikel | saldo 20/2008

Überschwemmt von Elektronikmüll

Elektronikgeräte erleichtern das Leben nicht immer: Die Menge an Zubehör braucht Platz, ist umweltschädlich und kostet den Kunden oft viel Geld.

Ob Handy, Digitalkamera oder MP3-Player: Die winzigen Geräte finden heute Platz in der kleinsten Tasche. Ihr Zubehör füllt dagegen ganze Schubladen. Mit jedem neuen Gerät vergrössert sich zu Hause die Menge an Ladegeräten, Akkus, Kopfhörern, Anschlusskabeln oder Speicherkarten. Der Grund: Jedes Gerät braucht eine neue Zusatzausstattung. Kaum ein Zubehörteil passt auf das Gerät eines anderen Herstellers. Manchmal liegt es nur an der fehlenden Absprache der Produzenten, oft aber steckt ein lukratives Geschäft dahinter. «Die Anbieter offerieren das Gerät im intensiven Preiskampf günstig, um am Zubehör zu verdienen», sagt Sven Reinecke, Experte am Institut für Marketing und Handel an der Universität St.Gallen.


Handy-Kopfhörer: Keine normalen Stecker

Beispiel Handy: Die Hersteller liefern bei Geräten mit Radio oder MP3-Player gleich die passenden Kopfhörer mit. Aber sie lassen sich nur via Spezialbuchse ans Handy anschliessen. Andere Hörer mit üblichem Klinkenstecker passen meist nicht. Geht der Kopfhörer kaputt, müssen die Kunden Ersatz beim selben Hersteller kaufen. So muss der Kunde  bei Sony Ericsson 50 Franken für einen Ersatzkopfhörer bezahlen, weil er seinen normalen MP3-Kopfhörer nicht verwenden kann.

Immerhin: Dritthersteller bieten oftmals Adapterkabel für die verbreiteten Klinkenstecker an.


Beispiel Drucker

Die Hersteller bieten für neue Drucker massgeschneiderte Tintenpatronen an, die in kein anderes Gerät passen. Die Folge: Ist der Drucker nicht mehr erhältlich, findet man bald auch keine passenden Patronen mehr. Der funktionierende Drucker ist ein Fall für die Müllhalde. Die Hersteller zwingen den Kunden damit, einen neuen Drucker zu kaufen.


Akku: Passt meist nur in ein bestimmtes Gerät

Der wachsende Elektronik-Müllberg belastet die Umwelt unnötig. Beispiel Akkus: Die meisten Handys und andere Kleingeräte verwenden spezielle Akkus, die in kein anderes Gerät passen. Selbst wenn der Akku noch funktioniert, lässt er sich nichts ins Nachfolgegerät einbauen.

Auch innerhalb des Sortiments eines einzigen Herstellers gibt es Dutzende von Akkus. So verkauft Nokia derzeit in der Schweiz rund 50 Handy-modelle. Auf der Website gibt es dafür 21 verschiedene Akkutypen. Ein Standard-Akku ist nicht in Sicht: «Das ist kaum möglich, da die Mobiltelefone so unterschiedlich sind», sagt Nokia-Sprecherin Barbara Fürchtegott.

Netzteile und Ladegeräte werden ebenfalls schnell zu Elektroschrott. «Es ist umweltschädlich, wenn man mit dem Kauf eines Produktes immer ein neues Ladegerät kaufen muss, weil das alte nicht mehr passt», sagt Matthias Wüthrich von Greenpeace Schweiz.

Zwar gibt es Universal-Netzgeräte für verschiedene Apparate mit unterschiedlichen Spannungseinstellungen und Steckern. Doch das reduziert den Müllberg nicht, denn jeder Hersteller liefert weiterhin sein eigenes Ladegerät mit. Absprachen zwischen den Herstellern, um die Ladegeräteflut zu mindern, fehlen bisher.


China: Handys mit USB-Schnittstelle zum Laden

Dies könnte sich bald ändern: Das Deutsche Institut für Normung DIN brachte der EU einen Vorschlag ein, wie man die Ladegeräte von Digitalkameras oder Handys normieren könnte, um die Zahl der Ladegeräte zu verringern. Der Vorstoss ist bei der EU-Kommission hängig.

Für Gabriela Fleischer vom Institut DIN führen genormte Schnittstellen und einheitliche Ladegeräte zu einer umweltverträglicheren Technik: «Wettbewerb macht die Ladegeräte effizienter. Die Kunden können sich für das beste Gerät entscheiden.»

China ist einen Schritt weiter: Dort ist es vorgeschrieben, dass Handys eine USB-Schnittstelle zum Laden besitzen müssen. Anfangs stiess der Vorschlag bei den europäischen Herstellern auf Ablehnung. Doch laut Gabriela Fleischer bröckelt der Widerstand: «Sie sehen ein, dass ein riesiger Müllberg entstanden ist.»


Elektronikzubehör: So funktioniert das Entsorgen

Ladegeräte, Akkus und Zubehör kann man in jedem Laden abgeben, der Elektronikartikel verkauft. Der Verkäufer muss das Gerät kostenlos annehmen, auch wenn man nichts kauft. Der Wirtschaftsverband der Informations-, Kommunikations- und Organisationstechnik (Swico) finanziert die Entsorgung mit der vorgezogenen Recyclinggebühr (vRG), die im Kaufpreis eines neuen Elektronikgerätes enthalten ist. Swico lässt die Geräte in den Läden abholen und fachgerecht entsorgen, getrennt nach Bestandteilen. Zahlen zur Menge des entsorgten Zubehörs liegen laut Swico keine vor.

01. Dezember 2008 | Marc Mair-Noack


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